Münsterland ist abgebrannt

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2013, Seiten: 352, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Neuer Besen, grundsolides Kehre(r)n

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jan 2013

Einem erfolgreichen Vielschreiber, wie Jürgen Kehrer es ist, der mit dem Münsteraner Ermittler Wilsberg eine Kultfigur geschaffen hat, legt man naturgemäß beim Erscheinen eines neuen Romans die Latte ziemlich hoch und misst vor allem seine Hauptpersonen am Charakter des Vorgenannten mit besonders akribischen Maßstäben. Dennoch hält das den Autor nicht davon ab mit Kommissar Bastian Matt ein neue Figur ins Leben zu rufen, die in Münsterland ist abgebrannt auf Mörderjagd geht.

Auf knapp über 300 Seiten, die im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen sind, hat man Kommissar Matt eine für ständige Konfliktsituationen prädestinierte weibliche Rechtsmedizinerin Yasi Ana zur Seite gestellt, die nicht nur klug und bildhübsch ist, sondern auf Grund ihrer Wurzeln in der chinesischen Mosuo-Kultur eine Verfechterin des Matriarchats ist und deshalb keine Scheu zeigt, sich dem (nicht unwilligen) Bastian auf ihre Art zu nähern. Wäre da nicht auch noch ein Kriminalfall zu klären, hätte auch die Beziehungssituation schon für reichlich Stoff zu einen Roman aus der Herz-Schmerz-Kiste gereicht.

Zuerst scheidet ein Schwerreicher angeblich per Suizid aus dem Leben, der nie im Leben einer war, denn warum sollte sich jemand unmittelbar vor seinem Ableben noch eine dieser kleinen blauen Pillen einwerfen und dann nicht darauf warten, dass sie auch wirken dürfen?

Dann findet man einen hochnoblen Professor und seine Frau in denkbar schlechtem, verkohlten Zustand nach einem Brand, dem die beiden garantiert nicht entkommen konnten.

Die Ermittlungen sind mehr als zäh und als Neuer hat es Kommissar Bastian Matt auch richtig schwer. Einerseits soll er im Beruf Leistung bringen, andrerseits gibt es Probleme mit seiner dementen Mutter und die nächtlichen Eskapaden mit Yasi zehren auch an seiner Kondition. Mit Mühe und Zufall finden sich Kontaktpunkte zwischen den Leichen, die einen Hinweis auf eine Pharmafirma bringen. Aber es ist nicht leicht, die wichtigen Personen zu vernehmen, weil sie sich dem Zuständigkeitsgebiet entzogen haben und im Atlantik und in Spitzbergen zu finden wären ...

Grundsätzlich merkt man schon in den ersten Seiten, dass der Jürgen Kehrer auch in diesem Buch sein Handwerk perfekt beherrscht. Sprachlich gibt es keine Überraschungen, da sitzt jedes Wort und der Spannungsaufbau ist routiniert und hält den Leser bei der Stange. Auch wenn sich die Kriminalgeschichte doch ein wenig in die Länge zieht, bis sie richtig in Schwung kommt, hat der Konsument Zeit, sich die Pausen mit der komplizierten Liebesgeschichte des neuen Kommissars und seiner Flamme zu vertreiben und auch die Ausflüge ins Altersheim, die letztendlich nicht ganz unwichtig sind, tümpeln eher unaufgeregt zwischen den Ermittlungsphasen.

Bastian Matt braucht noch ein paar Jahre, um in die Charakterfalten eines Wilsberg zu kommen. Da stehen dem Autor noch einige Seiten Personenzeichnung bevor, damit der junge Mann wachsen kann und sich ins Ermittlerteam richtig integriert. Unsympathisch ist er nicht, aber noch scheinen die Triebe stärker zu sein als Herz und Hirn, was natürlich auch an seiner hübschen Herzdame liegt, die ihm schon fast kongenial zur Seite gestellt wurde. Das Spiel zwischen den Kulturen, gepaart mit dem nötigen Feuer, macht das Buch interessant, wo der Roman abzuflachen droht. Yasi Ana und ihre interessante Herkunft, die nicht nur für die Erzählung eminent wichtig ist, könnten auch in weiteren Folgen mit diesem Ermittlerpaar interessant sein. Diese und eventuell folgende Geschichten leben von diesem Duo und da würden es beide Figur getrennt sehr schwer haben.

Insgesamt gehört Münsterland ist abgebrannt zur besseren Sorte von Krimis, die mir in den letzten Monaten auf dem Bücherstapel gelandet sind. Große Anstrengungen an den Intellekt braucht der Roman nicht, er gehört zur Sorte unterhaltender Literatur, die diese Bezeichnung auch verdient und das ist bekanntlich auch am schwersten zu schreiben. Wer die vorhergegangenen Romane des Esseners gerne gelesen hat, der wird auch hier nicht enttäuscht werden.

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