Das weiße Grab

  • audio media
  • Erschienen: Januar 2013
  • Kopenhagen: Gyldendal, 2010, Titel: 'Alting har sin pris', Seiten: 441, Originalsprache
  • München: audio media, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Johannes Steck
Das weiße Grab
Das weiße Grab
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Andreas Kurth
70°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2013

Mörderjagd mit vollem Risiko

Der dänische Kommissar Konrad Simonsen geht eigentlich "auf dem Zahnfleisch", und will mit seiner Tochter in den Urlaub fliegen. Da wird bei einem Hubschrauberflug der deutschen Bundeskanzlerin über dem grönländischen Festlandseis eine freigelegte Leiche entdeckt. Simonsen kann seinen Urlaub vorerst vergessen, und muss stattdessen die Ermittlungen in diesem spektakulären Mordfall übernehmen. Weil bei ihm erst unlängst Diabetes diagnostiziert wurde, sind sein Team und vor allem Lebensgefährtin Nathalie von Rosen besorgt, als er sich total erschöpft in die Arbeit stürzt. Verschlimmert wird die Lage noch, als Simonsen erkennt, dass die Leiche aus dem Grönland-Eis offenbar mit einer Mordserie in Dänemark zusammenhängt. Der Kommissar muss sich eingestehen, vor Jahren einen folgenreichen Ermittlungsfehler begangen zu haben, der zum Suizid eines Verdächtigen führte. Lange tappen die Ermittler im Dunkeln, bis es ihnen endlich schrittweise gelingt, den Killer einzukreisen. Doch Simonsens Kollegin Pauline geht unerlaubt eigene Wege, und gerät schließlich in die Gewalt des Serienmörders. Simonsen und sein Team greifen in ihrer Verzweiflung zu ungewöhnlichen Methoden.

Skandinaviens schier unerschöpfliches Potenzial an Kriminalschriftstellern ist um ein Geschwister-Paar reicher. In meiner Wahrnehmung dominieren dabei nach wie vor die Schweden und Norweger, aber offensichtlich sollte man die dänische Kriminal-Literatur nicht unterschätzen, für die Freunde anspruchsvoller Unterhaltung scheint es hier noch einige Perlen zu geben. Søren und Lotte Hammer haben für ihren ersten Roman Schweinehunde reichlich Lob von Kritikern und Lesern bekommen, und mit ihrem zweiten Roman Das weiße Grab scheint es ihnen zu gelingen, nahtlos an diesen Erfolg anzuknüpfen.

Dabei hat dieser zweite Roman einige Schwächen, die den im Grunde hervorragenden Gesamteindruck ein wenig schmälern. Das Autoren-Duo legt mit dem spektakulären Leichen-Fund durch den Hubschrauber der Bundeskanzlerin einen fulminanten Start hin. Aber dann braucht die durchaus spannende Geschichte mit faszinierenden Figuren und komplizierten Ermittlungen für meinen Geschmack etwas zu lange, um wirklich Fahrt aufzunehmen. Da geht es schier endlos um die Strukturen im Team, um die Befindlichkeiten der Protagonisten, um die Gesundheit des Hauptkommissars, um das Verhältnis zu seiner Lebensgefährtin. Das hätte alles deutlich geraffter ausfallen dürfen, dann wäre Das weiße Grab ein sehr guter Kriminalroman geworden.

Aber immerhin, ab der Mitte des Buches wird es deutlich besser, die Schlinge um den psychopathischen Killer zieht sich zu. Der Täter wird in den Fokus gestellt, und die Polizisten sammeln Informationen über weitere Morde, die dieser mutmaßlich begangen hat. Hier wird ein faszinierender Einblick in ungewöhnliche und akribische Polizeiarbeit gegeben, der für die langatmigen Passagen im ersten Drittel durchaus entschädigt. Denn als feststeht, wer der Mörder ist, die Polizei ihn aber noch fassen und ihm die Morde beweisen muss, wird es richtig spannend. Das Autoren-Duo zeigt in diesem Teil des Romans, dass es eine gute Geschichte hervorragend erzählen kann.

Wie derzeit in vielen Kriminalromanen üblich, kämpft der Haupt-Protagonist Konrad Simonsen während der kompletten Ermittlung mit gesundheitlichen, aber auch mit psychischen Problemen. Warum neuerdings Polizisten und andere Ermittler immer derart Problem-behaftet seien müssen, erschließt sich mir nicht wirklich. Immerhin bauen die Hammer-Geschwister diesen Aspekt dezent genug in ihre Handlung ein, um die Handicaps des Kommissars nicht zu dominant werden zu lassen. Für den Fortgang der Handlung bringt dieses Thema aber nur selten wirklich etwas das habe ich bei anderen Autoren auch schon besser erlebt.

Pluspunkte sammelt das Buch durch die Anklänge eines Polit-Thrillers, die zwischendurch eingestreut werden. Es geht um Grönland, die USA und deren Auftreten dort. Ich kann hier nicht zu viel verraten, aber an diesen Stellen kommt zusätzlich Spannung auf, und die Geschichte nimmt einige überraschende Wendungen. Insgesamt also ein hervorragender Plot, durchaus gut lesbar erzählt. Die Weitschweifigkeit im ersten Drittel sorgt allerdings bei mir für reichlich Punktabzüge. Sollte das Autorenduo hier zu einer strafferen Erzählweise kommen es wäre wirklich begeisternd.

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