Der Junge, den niemand sah

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Grand Central, 2010, Titel: 'The invisible boy', Seiten: 418, Originalsprache
  • München: dtv, 2013, Seiten: 368, Übersetzt: Cornelia Zeitz

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Sabine Bongenberg
Muss man nicht gesehen haben

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Dez 2012

Manchmal fragt man sich doch, warum ein Krimi-Autor, wenn er denn nichts Wirkliches zu erzählen hat, nicht einfach mal – wie es der Kabarettist Dieter Nuhr formulieren würde – "die Klappe hält". Natürlich hat Dieter Nuhr nicht das Wort "Klappe" gewählt, aber bei dem korrekten Zitat würde vermutlich ein Teil der Leser zusammenzucken und rufen "Aber hallo, Frau Bongenberg, heute einen Teller Vulgärsprache gefrühstückt?". Dennoch dürfte dieser Auftakt – auch wenn er sicherlich nicht zu den Höflichsten gehört – die richtige Einleitung für diesen "Krimi des Monats" (Einbandaufkleber) darstellen. Hier wäre auch einmal die nicht uninteressante Frage zu klären, wer diesen Titel vergibt oder welcher Monat welchen Jahres eigentlich hierfür in Frage kommen könnte. Aber zurück zur "Vulgärsprache" deren sich die Heldin Madeline Read in ihrem dritten Fall so oft und gerne bedient, dass das sogar offensichtlich auf ansonsten untadelige Krimikritikerinnen abfärbt.

 

Das liebe ich an New York City: Wenn sich jemand scheiße benimmt, und ich der Person sage, dass sie sich scheiße benimmt, sind alle, die es mitkriegen auf meiner Seite. Überall sonst, wo ich gelebt hätte, hätten die Leute mich scheiße gefunden.

 

So also schon einmal der Einstieg und damit weiß der Leser einmal von vorneherein, dass die Heldin des Buches Madeline Dare zu den "Girl-kick-ass"-Typen gehört. Offensichtlich kann diese trinkfeste und im Leben stehende toughe Dame nichts so schnell umhauen.

Knochen auf einem Friedhof = Verbrechen?

Dieser Eindruck verfliegt allerdings schnell, als Madeline bei einer Aufräumaktion auf einem alten Friedhof auf die sterblichen Überreste eines Kindes stößt. Grundsätzlich dürfte das auf einem Friedhof nichts Ungewöhnliches darstellen, dennoch sind der Heldin und auch der dazu gezogenen – natürlich auch harten und toughen – Polizeibeamtin und der - schönen und toughen - Staatsanwältin sofort klar, dass es sich hier um das Opfer eines Verbrechens handeln muss. Das Trio kommt im Laufe der Ermittlungen recht schnell zu dem Schluss, dass es sich um den dreijährigen Teddy handeln muss, der seinerzeit aus ungeklärten Umständen verschwand. Woran sich diese sichere Erkenntnis belegen dürfte, bleibt zwar letztendlich unklar, kann doch nur ein auf dem Friedhof gefundener Schuh einen Hinweis auf die mögliche Identität abgeben, doch scheint dieses nebensächliche Detail bei der weiteren Bearbeitung des "Falles" nicht zu stören. Schnell stehen dann auch die Mutter des Jungen und deren damaliger Lebensgefährte als mögliche und sogar teilgeständige Täter fest und so nimmt ein Mordprozess seinen Lauf, der regelmäßig weitere Ungereimtheiten aufweist, was aber weder die Justiz noch die Autorin in ihrem Lauf hemmt.

Die wilden 90er

Natürlich kann diese mehr als dünne Geschichte nicht für einen vollständigen Roman von rund 440 Seiten ausreichen und so reichert Cornelia Read ihre Ermittlungsgeschichte noch mit einem weiten Bogen über den vermeintlichen Lifestyle der hippen Jugend des Jahres 1990 an. Hier gehörte es offensichtlich zur Tagesordnung, sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen hinter die Binde zu kippen oder auch mit illegalen Genussmitteln wegzuschießen. Über die offensichtlichen schweren persönlichen Krisen von Freunden wurde dagegen seinerzeit offensichtlich gerne hinweggesehen. Andererseits war es wohl üblich wegen dem sicherlich bedauerlichen Schicksal fremder Kinder regelmäßig in bittere Krokodilstränen auszubrechen oder aber wegen dieses Schicksals sein Frühstück oder Mittagessen wieder von sich zu geben. Letzteres in nerviger Regelmäßigkeit. Manchmal kann man schon froh sein, dass die Neunziger vorbei sind.

Eine gute Absicht reicht nicht

Abschließend bleibt festzuhalten, dass Cornelia Read vermutlich bemüht war, einen Krimi zu verfassen, in dem ohne reißerische Erzählungen oder Einzelheiten die Problematik der Kindesmisshandlung und des Missbrauchs erfasst werden sollte. Leider konnte dieser Versuch bei den gewählten Stilmitteln und der ausgesuchten Romanidee nur misslingen. Über die Romansprache lässt sich dagegen festhalten, dass sie in erster Linie misslungen ist, ohne dass hier ein guter Versuch erkennbar ist.

Noch ein Bonmot zum Abschluss:

 

"Aber echt. Verdammte Schweine"
"Drecksäcke"
"Ein Kind…"
"Dieser kleine Schuh" seufzte ich und zeigte auf die Tüte.
"Was soll die Scheiße, oder?"
"Verdammte Scheißkerle"

 

Andererseits - hätte der Roman in der jetzigen Zeit gespielt wäre vermutlich oft und gerne die anglisierte Fassung der "Mütterliebhaber" verwendet worden. Vielleicht waren die Neunziger ja dann doch nicht so schlecht.

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