Gun Machine

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2013, Seiten: 384, Übersetzt: Ulrich Thiele

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Andreas Kurth
Auf tödlicher Pirsch in Manahattan

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2012

Der New Yorker Police-Detective John Tallow geht mit seinem Partner zu einem Einsatz an der Pearl Street. Ein nackter Mann soll mit einer Flinte im Treppenhaus stehen und seine Nachbarn bedrohen. Tallows Partner wird bei dem Einsatz erschossen, der Detective tötet daraufhin den Schützen. Bei dem Schusswechsel wird auch die Tür eines Apartments getroffen. Die Spezialisten der Spurensicherung stellen später fest, dass mit der Tür des Apartments 3A etwas merkwürdig ist. Die Polizei schlägt ein Loch in die Wand, und findet eine überaus skurrile Waffensammlung. Die Wohnung enthält nur Feuerwaffen, in einem archaisch anmutenden Muster angeordnet. Die Mitarbeiter der Spurensicherung brauchen einige Tage, um alles zur Untersuchung ins Labor zu bringen. Dort trifft Tallow auf zwei skurrile Forensiker, die atemberaubende Ergebnisse vorlegen. Jede Waffe, die eindeutig identifiziert werden kann, weisen sie einen unaufgeklärten Mordfall zu. Offenbar gibt es einen unentdeckten Serienkiller, der seit 20 Jahren in Manhattan sein Unwesen treibt. So ein Fall wäre natürlich eine riesige Blamage für die New Yorker Polizei, und deshalb beginnt hinter den Kulissen das große Taktieren der höheren Dienstgrade. Detective Tallow bekommt den Fall kurzerhand von seiner Vorgesetzten übergehängt, und zusammen mit den zwei Forensikern wird er in einen Kellerraum im Präsidium gesteckt. Offenbar soll er zum Bauernopfer werden, aber die höheren Chargen haben nicht mit seiner Hartnäckigkeit gerechnet.

Mit Gun Machine hat Warren Ellis seinen zweiten Roman vorgelegt, und der hat es im Wortsinne in sich. Es beginnt mit dem Allerweltseinsatz zweier Cops in Manhattan, bei dem einer der beiden erschossen wird. Nichts ungewöhnliches in Big Apple. Der Wahnsinn beginnt mit der Durchsuchung des Appartements voller Waffen. Zu diesem Zeitpunkt lernt der Leser auch erstmals den "Jäger" kennen, der seit Jahren durch den Großstadtdschungel schleicht und Menschen umbringt. Der Autor hat hier eine überaus faszinierende Figur geschaffen. Dieser Killer leidet offenbar unter einer psychischen Störung. Er sieht sich wechselweise im modernen New York und im archaischen Manahatta, dem Siedlungsgebiet der Lanape Indianer, das den Ureinwohnern entrissen und als ihr Lebensraum zerstört wurde. Er hat für sich eine Lebensweise entwickelt, in der er alle Elemente der Modernität nach Belieben verdrängen kann. Wie auf Knopfdruck sieht er wilde Tiere vorbeigaloppieren an Stelle der Fahrzeuge auf der Straße. Oder Gebäude werden für ihn zu Felsen oder Bäumen.

Es gibt viele Serienmörder, aber dieser ist für mich als Leser zunächst einzigartig. Der Jäger strahlt eine Art morbider Faszination aus. Seine Opfer bezeichnet er als Beute, die Morde sind Teil seiner vermeintlichen Rache an der Zivilisation. Was sonst noch dahinter steckt wird erst im Laufe des Romans enthüllt – der Leser kann sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Auf die Spur kommen Tallow und seine Mitstreiter dem Killer durch das Muster der Waffen in der Wohnung – es ist nach der Art des Wampum angeordnet. Das so genannte Wampum war eine indianische Währung, die nach der Besiedlung Manhattans durch die Niederländer geradezu inflationär kopiert wurde, um den Lanape ihre Tiere und Felle abzukaufen. Als dann jedoch Muschelgürtel und Perlenketten inflationär im Umlauf waren, erlosch die Währung. Das Material wurde wertlos und auf der späteren Pearl Street als Straßenbelag verwendet. Hier sieht der Jäger den Kern seiner Mission – das wird aus seinen verwirrten und verwirrenden Gedankengänge mit der Zeit deutlich.

Ausgelöst wird die Suche nach dem Jäger durch die Schießerei im Treppenhaus. Der bevorstehende Verkauf des Miethauses ist einem aktuellen Trend in der nicht immer realen Welt des Aktienhandels geschuldet. Dort gibt es seit einiger Zeit den so genannten algorithmischen Handel, der durch Computerprogramme. Gesteuert wird. Vorher festgelegte Transaktionen werden elektronisch ausgelöst und zur Börse übermittelt. Dabei spielt die Geschwindigkeit eine zentrale Rolle. Was wiederum dazu führt, dass ganz ausgebuffte Zocker sich ausgerechnet haben, es sei ein entscheidender Vorteil, im Dunstkreis der Wall Street die Bürozentrale zu haben. Also werden Gebäude in der unmittelbaren Umgebung der Börse zu überhöhten Preise gekauft, um dort die handelnden Computer zu platzieren. Wenn Millisekunden über den Erfolg eines Geschäfts entscheiden, mag diese räumliche Nähe in der Tat Sinn machen. Und in Gun Machine führt ein solcher Hauskauf eben zu der bevorstehenden Zwangsräumung und den geschilderten Konsequenzen.

Bei allem Unterhaltungswert fand ich diesen gesellschaftskritischen Aspekt des Buches mehr als bemerkenswert – zumal damit noch einige überraschende Wendungen verbunden werden. Warren Ellis ist ein bemerkenswerter Autor, mit einer klaren und modernen Sprache. Seine Dialoge sind unterhaltsam und authentisch, es wird bei Gesprächen nie langweilig. Der Killer und seine Waffenhöhle verwirren zwar zunächst, stellen sich später aber als genialer Einstieg dar. Nebenfiguren, Bösewicht, Plot, Spannung – hier passt einfach alles. Ich freue mich schon auf das nächste Buch des Autors.

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Letzte Kommentare:
14.04.2016 19:25:51
Alexi1000

Ich kann mich der Couch - Rezi hier nur anschließen. Der THriller hat mir ausserordentlich gut gefallen, besonders besagte "Sicht" des "Jägers" hat das ganze aufgepeppt. Kannte ich bis jetzt nur GOTT SCHÜTZE AMERIKA von Ellis, so hat mir hier besonders gut gefallen, das trotz fehlen des absolut durchgeknalltem der Wortwitz von Ellis noch weiter verfeinert wurde.

Vergebe guten Gewissens: 90°

18.09.2013 18:51:48
Torsten

Die grosse Begeisterung kann ich nicht wirklich teilen, dazu ist die Story doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Nun muss die Arbeit des Kriminallabors ja nicht immer so hochglanzglorifiziert werden wie in "CSI NewYork", aber das Dreckloch was hier beschrieben wird ist ebenso verfehlt. Selbst wenn man die ganzen Unwahrscheinlichkeiten, ja Unglaubwürdigkeiten weglässt (man stelle sich mal bildlich vor wieviele hundert Waffen nötig wären um das immer wieder beschriebene Bild im Appartement abzugeben - da wäre Manhatten ja fast entvölkert), ist die Story bis auf die Idee an sich doch seltsam dünn. Weder findet ausführliche Ermittlungsarbeit statt (der Fall löst sich eigentlich fast zwingend von alleine sobald mal an einem Ende des Fadens gezogen wurde), noch werden die (bisherigen) Taten des "Jägers" mehr als nur kurz angerissen. Rückblickend fand ich, stand eigentlich verblüffend wenig auf den 380 Seiten - und der tatsächlich vorhandene kurze Einschub über die Gegebenheiten des algorithmischen Handels empfand ich eher als Fremdkörper, als gewollt aktueller Aspekt - letztlich hat er mit der Tätigkeit des "Jägers" nur wenig zu tun; als dieser 20 Jahre zuvor mit seiner "Arbeit" begann, existierte er ja auch noch nicht.
Den Stil von Ellis muss man mögen - auf dem Cover ist von "beissendem Zynismus" die Rede und der wird in der Tat (über)strapaziert, ganz besonders was die doch stark überzeichnete Darstellung des Polizeiapparates und des Labors angeht.
Recht kurzweiliger Stoff, aber von einem 90 Grad Treffer doch gute 20 Grad entfernt.

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