Die Wahrheit des Blutes

Die Wahrheit des Blutes
Die Wahrheit des Blutes

Erschienen: Januar 2013

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Köln: Lübbe Audio, 2013, Übersetzt: Martin Keßler
  • Paris: Éditions Albin Michel, 2012, Titel: 'Kaiken', Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2014, Seiten: 432, Übersetzt: Ulrike Werner-Richter

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Jörg Kijanski
Mit brutaler Gewalt in den Untergang

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2012

Hauptkommissar Olivier Passan bekommt einen Tipp, der ihn und seinen Partner Philippe "Fifi" Delluc nachts in das Wohnviertel Le-Clos-Saint-Lazare führt, einem der größten sozialen Brennpunkte von Paris. Doch Passan und Fifi kommen zu spät und finden nur noch die grausam entstellte Leiche einer jungen Afrikanerin, die im neunten Monat schwanger war. Sie ist bereits das vierte Opfer des "Geburtenhelfers", der es auf im fortgeschrittenen Stadium schwangere Frauen abgesehen hat. Passan ist sich sicher, dass sich hinter dem gesuchten Serienmörder Patrick Guillard verbirgt, ein höchst erfolgreicher Betreiber mehrerer Autohäuser. Doch Passan ist von einem blinden Ehrgeiz getrieben, denn wie viele Indizien für seinen Verdacht sprechen mögen, bislang gibt es keinen einzigen handfesten Beweis gegen Guillard und so gerät der jüngste nächtliche Einsatz zu einem wahren Fiasko. In der Folge wird Passan strafversetzt, aber mit Hilfe Fifis verfolgt er weiter mit unbändiger Entschlossenheit und unter außer Achtlassung aller polizeilichen Gepflogenheiten seinen Verdächtigen.

Passans Leben hat aber nicht nur durch den harten Kampf gegen Guillard mächtig Schlagseite erlangt, denn sein Privatleben gleicht ebenfalls einer Hölle. Er und seine japanische Frau Naoko haben sich schon seit einigen Jahren nichts mehr zu sagen, sind nur der beiden Kinder wegen zusammen geblieben und wollen sich nun scheiden lassen. Nachdem Passan aus der gemeinsamen Villa ausgezogen ist, passieren dort allerdings unheimliche Dinge die Naoko und die Kinder bedrohen. Die Jagd nach Guillard und der Schutz seiner Familie verlangen Passan alles ab, doch das ganze Ausmaß der Ereignisse kann selbst Passan nicht erahnen &

Erfolgsautor Jean-Christophe Grangé ist nicht als Meister der leisen Töne bekannt. Keine Geschichte kann undurchschaubar und gewalttätig genug sein. So verhält es sich auch in Die Wahrheit des Blutes, dessen Plot dem Leser mehrfach den Atem verschlägt. Dabei lesen wir (mindestens) zwei Geschichten in einer. Die Jagd auf einen Serienmörder der schwangere Frauen abschlachtet sowie die gruseligen Vorkommnisse, die Passans Familie bedrohen. Dabei ist anzumerken, dass insbesondere die Schilderungen der Morde des "Geburtenhelfers" extrem brutal sind. Ein Politiker würde hier vermutlich anmerken, dass "die rote Linie" überschritten wurde. Dies nur als Warnung! Umso enttäuschender ist allerdings gerade das Finale des Duells zwischen Passan und Guillard, wenngleich dieses recht ungewöhnlich ausfällt. Der zweite Handlungsstrang, die "privaten Anschläge", erhöht noch einmal kräftig das Erzähltempo und sorgt für einige Überraschungen.

 

"Ich wurde im Zeichen des Ekels und der Verleugnung geboren. Aufgewachsen bin ich in einem Strom von Beleidigungen und Unrat. Es war die Not, die zu meiner Größe geführt hat genau wie Christus. Das Martyrium hat mich erschaffen und mich über mich hinauswachsen lassen. Ich bin die Einheit. Ich bin das Feuer und der friede, der Tod und das Heil."

 

Immer wieder nimmt Grangé das Tempo aus seiner Erzählung, um die Protagonisten, allen voran die dauernd streitenden Passan und Naoko, vorzustellen. Passan hat eine schwere Kindheit hinter sich und verliebt sich als junger Erwachsener in Japan, allerdings das traditionelle Japan mit seinen strengen Verhaltensregeln und Ehrencodizes. Naoko musste hingegen unter ihrem strengen Vater eine ebensolche Erziehung durchlaufen und sehnt sich nun nach westlicher Freiheit. Nach und nach zeigt sich (nicht nur) dem Leser, dass in diesem Roman alle Figuren ihre Päckchen zu tragen haben und das Meiste nicht so ist wie es zu sein scheint. Die Wahrheit des Blutes ist eine action- und temporeiche Fahrt direkt in die seelischen Abgründe ihrer Figuren, aus denen es kein Entkommen gibt. Alle Personen stehen körperlich und geistig am Abgrund, sind kaum noch anpassungsfähig und neigen zu Überreaktionen und Gewalt. Sympathie für einzelne Figuren kann so keine aufkommen und ist auch nicht beabsichtigt. Ein düsteres Szenario, dass unaufhörlich von einer zur nächsten Katastrophe führt. Dazu gibt es ebenso detaillierte wie interessante Einblicke in die japanische Geschichte sowie in das Leben des gegenwärtigen Japans, deren Unterschiede kaum größer sein könnten. Und auch die Einblicke in das Großstadtleben von Paris mit seinen tristen sozialen Problemvierteln, wo die Menschen eher auf Polizisten losgehen anstatt ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen, wirken verstörend.

Die traditionellen japanischen Regeln der Ehre enthalten übrigens eine Legitimation zur Zerstörung wie zur Selbsttötung. Für mehr scheint es auch in der Gegenwart nicht zu reichen.

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