Zeit der Strafe

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2009, Seiten: 288, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Ein Regionalkrimi aus Porz. Woher?

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2012

Die Porzer Pfarrerin Ulla Wolff entschließt sich zu einer morgendlichen Joggingrunde und entdeckt zu ihrem Entsetzen die Leiche einer betagten Frau, die sie noch dazu aus ihrer kirchlichen Arbeit kennt. Dies wäre schon schlimm genug, doch die weit über achtzigjährige Franziska Berger baumelt nackt und erhängt an einer Linde am Porzer Rheinufer. Hauptkommissar Peter Brandl übernimmt die Ermittlungen und steht vor einem komplizierten Fall, denn warum sollte man eine Frau (noch) in diesem Alter umbringen? Eine Durchsuchung der Wohnung von Franziska Berger ergibt, dass diese vermutlich erschlagen und erwürgt wurde. Doch wozu dann noch der ganze Aufwand am Rheinufer?

Die Familienverhältnisse sind schnell geklärt. Tochter Anneliese ist psychisch äußerst labil und auf ihre Mutter seit jeher schlecht zu sprechen, während deren Sohn Giselher der über alles geliebte Enkel war. Nach der Beerdigung, in der sich Ulla um eine positive Bilanz aus Franziska Bergers Leben bemüht, wird Ulla von mehreren älteren Menschen angesprochen, da sie sich offenbar nicht so richtig mit dem Vorleben der Verstorbenen beschäftigt habe. Die Senioren, die der ehemaligen Widerstandsgruppe der Edelweispiraten angehörten, machen Ulla darauf aufmerksam, dass Berger als Erzieherin im berüchtigten KZ Uckermark gearbeitet habe, in dem man seinerzeit tausende als "asozial" geltende Mädchen unterbrachte. Brandl und seine Leute ermitteln in alle Richtungen, insbesondere im familiären Umfeld und in der Vergangenheit des Opfers. Dabei kommen sich zwar Brandl und Ulla immer näher, aber Fortschritte in den Ermittlungen erzielen sie zunächst kaum.

 

 "Zwei davon haben einen dunklen Wagen im Wendehammer stehen sehen. Auch sie sind davon ausgegangen, dass es sich um ein Liebespaar handelt. Sie konnten keine Angaben über die Automarke, geschweige denn über das Kennzeichen machen."
"Okay, das hilft weiter. Vielen Dank, Kollege."

 

Ein Regionalkrimi aus Porz? Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Was gab es nicht schon alles, jetzt also Porz. Zur Erläuterung für alle Ortsunkundigen: Bis zur Eingemeindung im Jahr 1975 gab es die Stadt Porz am Rhein, die seitdem einer von neun Kölner Stadtbezirken ist. Was bedeutet dies nun für den vorliegenden Krimi, der sehr(!) stark von Lokalkolorit geprägt ist? Für die Leser aus Porz ist es schön, dass sie auch mal einen Krimi lesen dürfen, der direkt vor ihrer Haustür spielt. Ungezählte Straßen- und Kneipennamen sowie zahlreiche Anmerkungen zur Porzer (später Köln-Porzer) Geschichte sind allesamt zutreffend. Jedoch dürfte dies spätestens in den angrenzenden Kölner Stadtbezirken Deutz und Kalk kaum noch jemanden interessieren, geschweige denn außerhalb der Stadtgrenzen; zumindest nicht in dieser immensen Detailverliebtheit.

Gleichwohl bietet Zeit der Strafe einen sehr lesenswerten Ansatz, denn wie erwähnt arbeitete die Ermordete gegen Kriegsende im Mädchen-KZ Uckermark und immer dann, wenn über diese Zeit berichtet wird, wird es nicht nur gruselig, sondern richtig interessant. So ist intensiv beschrieben wie schnell man in das KZ kommen konnte und wie die so genannte "Erziehung" dort aussah. Und mal ehrlich: Wer weis heute noch, dass dort rund 5.000 Frauen ermordet wurden? Wer sich für dieses Themenfeld interessiert sollte unbedingt zugreifen.

Der Krimiplot selbst hat hingegen einige Tücken. So findet die Polizei sehr schnell deutliche Hinweise (Blutspuren) darauf, dass Franziska Berger in ihrer Wohnung niedergeschlagen wurde. Kurz darauf trifft sich Pfarrerin Ulla mit Anneliese in der Wohnung ihrer Mutter, wo sie unter anderem deren Testament finden. Nur mal so unter uns: Werden (offensichtliche) Tatorte eines Kapitalverbrechens nicht von der Polizei versiegelt und vorher genau untersucht? Auch fehlt es ein wenig an Verdächtigen, da es auf die Familie oder die NS-Vergangenheit hinauszulaufen scheint, wodurch man mitunter die Lösung der Frage "Wer wars?" vorzeitig erahnen kann. Und über die "Liebe auf den ersten Blick" zwischen der unglücklich verheirateten Pfarrerin und dem Kommissar denken Sie bitte was Sie wollen. Ullas Stadtsuperintendent hat dazu eine klare Meinung:

 

"Wir leben zwar nicht im Mittelalter, doch sollten Sie sich in den Porzen Kneipen etwas zurückhaltender verhalten. Sie sind gesehen worden, wie Sie mit einem Mann, der nicht Ihr Ehemann war, herumgeküsst haben. Frau Wolff, bitte seien Sie in Zukunft darin etwas dezenter! Das Gebot der Nächstenliebe gilt für alle Menschen, aber nicht in dieser Form, Frau Wolff."

 

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