Cold Hard Love

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Farrar, Straus & Giroux, 2011, Titel: 'Crimes in Southern Indiana', Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2012, Seiten: 263, Übersetzt: Conny Lösch

Couch-Wertung:

82°
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Lars Schafft
Es geht nicht ums Leben, es geht ums Sterben.

Buch-Rezension von Lars Schafft Sep 2012

Kalte, harte, Liebe – so hat der Suhrkamp-Verlag Frank Bills Kurzgeschichtensammlung übersetzt betitelt. Kalt, hart – ja. Liebe ist aber ein Fremdwort im Wortschatz des Autors. Viel passender, da nüchterner, wäre eine wörtliche Übersetzung gewesen: "Verbrechen in South Indiana". Da muss der europäische Leser wohl erstmal googlemappen: Wo zum Geier liegt Indiana? Und was macht deren Einwohner so kaputt?

Also, frisch gegoogelt und festgestellt: Indianapolis und Chicago liegen in der Nähe, doch daran verschwendet Frank Bill keine Zeile. Seine siebzehn Storys spielen auf dem platten Land, in der Ödnis, fernab von Metropolen, ja gar Städten. Hier geht’s ums "rural life", ums Leben im Ländlichen. Ach nein: Es geht nicht ums Leben, es geht ums Sterben.

Denn Cold Hard Love ist weder Kriminalroman noch Krimi im Engeren. Kurzgeschichten, per se schwierig als ur-anglophone Gattung in Deutschland an den Mann zu bringen, funktionieren anders. Und bei Frank Bill wird nirgends ermittelt, eine Gerechtigkeit gesucht, geschweige denn in irgendeiner Form ermittelt. Die Geschichten sind welche über Verbrechen, nicht über deren Aufklärung oder gar deren Sühne.

In South Indiana werden Töchter zur Prostitution verkauft, Hunde in ungleiche Kämpfe geschickt, Menschen schlicht und einfach abgeknallt. Hier gibt es keine Reue, keine Reflektion, sondern nur Rache und pure Gewalt. Ein Landstrich, so wie Frank Bill ihn schildert, in dem man nichtmals ein Bier in der Kneipe trinken will.

Der Autor überrascht in seinen Geschichten dabei mit einer erstaunlichen Kongruenz: Motive wie Personen tauchen immer und immer wieder auf, so dass es keinen erzählerischen Flickenteppich gibt, sondern durchaus einen roten Faden. Bemerkenswert gut für eine Kurzgeschichtensammlung!

Das South Indiana Frank Bills ist ein Sündenpfuhl, ein amerikanisches Sodom und Gomorrah, voller Alkohol, Drogen und Gewalt. In kurzen Sätzen schreibt der Autor über nichtlebenswürdige Leben. Karikiert damit oftmals den Titel. Ohne jeglichen Sarkasmus, ohne jeglichen Humor, in seiner Kargheit wütend machend, bedrückend, traurig.

Cold Hard Love ist nichts für die Masse, die sich nichts mehr wünscht, als einen Krimi aufgeklärt in aller Ruhe zu Ende zu lesen. Sondern Brachial-Literatur, Nische, verbittert – und deswegen gemein gut!

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