Kehrwieder

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Windeck: Blitz, 2012, Seiten: 192, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Unterhaltsamer Groschenroman

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2012

Das Lexikon der deutschen Krimi-Autoren kennt Herrn Barkawitz recht genau und listet fein säuberlich die lange Liste jener Romane auf, für die der Autor unter zahlreichen Pseudonymen verantwortlich zeichnet. Und wer von der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Hochbegaben-Stipendium an der Universität Osnabrück bekam, der sollte ja wohl auch sehr unterhaltsam schreiben können.

Und so probiert es der Autor erstmals unter seinem Realnamen und hat im Blitz-Verlag Kehrwieder auf 190 Seiten veröffentlicht. Dabei lässt er einen jungen Naivling aus der Provinz in die große Stadt Hamburg kommen, wo der Milchbubi gleich im Schanzenviertel bei einer WG unterkommt und sich Hals über Kopf in seine Mitbewohnerin Beate verknallt, nicht wissend, dass diese bereits einen Monat später, aber schon im Prolog, gewaltsam das Zeitliche segnet.

Und was so ein echtes Landei ist, kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beginnt auf eigene Faust mit der Suche nach dem Täter, womit er sich nicht nur bei der Frau Polizeikommissarin "beliebt" macht, sondern auch noch das Aufsehen einer obskuren Lederdomina erregt, die in von ihrem Bodyguard durch die Mangel drehen lässt, um ihm gleich darauf mit Hilfe von erotischer Gewaltanwendung und teleportischen Psychotricks die Geheimnisse des Mörders zu entlocken.

Spätestens nach dieser Inhaltsangabe weiß man, dass Kehrwieder exakt dem Niveau der zahlreichen Groschenromane entspricht, die der Autor bereits in seinem Portfolio verzeichnen kann. Und das ist beileibe keine negative Kritik, denn mir sind gut gemachte Groschenromane zur Unterhaltung allemal lieber als jeder hochgestochene Roman eines Literaturnobelpreisträgers. Barkawitz kann unterhalten. Seine Figuren sind so plakativ und so wenig tiefschürfend, dass man von Anfang an weiß, mit wem man es zu tun hat.

Handlung und Spannung holpern von Kapitel zu Kapitel, mal mehr oder weniger actionlastig, derb oder schlichtweg nur erschreckend einfach skizziert, so dass der Leser mehr hinein interpretieren muss, als dass der Autor auch nur versucht, Bilder zu malen. Aber es ist ja alles nicht so schwierig, dass man nicht schon von anderer Seite die verwendeten Schablonen anlegen könnte, sie passen alle.

Kehrwieder ist purer Literaturschrott, aber es ist Literaturschrott der unterhält und mehr Spaß beim Lesen bietet, als es so manche arrivierte britische Queen of Crime oder der skandinavische Dauerbrenner für ihre Werke gerne hätten. Für den kleinen Lesehunger zwischendurch darf es auch mal trivial sein und da merkt man, dass sich der Autor stellenweise auch mit einem Augenzwinkern über seine eigene Kunst stellen kann. Gottlob gibt es auch noch Autoren, wie Martin Barkawitz, die pure Unterhaltung machen und Bücher für Leser schreiben, die nicht ein dreifaches Doktorat als Referenz aufweisen müssen. Ich habe mich amüsiert, besonders über den Schluss, der viel zu schnell kam.

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