Der Tod bin ich

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Kunstmann, 2013, Seiten: 400, Originalsprache

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Jürgen Priester
Die Weltformel

Buch-Rezension von Jürgen Priester Jul 2012

Der Name "Max Bronski" ist ein Pseudonym. Wer sich dahinter versteckt, ist seit 2006, als der Autor mit Sister Sox, dem ersten der vier bisher erschienenen Romane aus der Wilhelm-Gossec-Reihe, an die Öffentlichkeit trat, ein wohlgehütetes Geheimnis. In einem per E-Mail geführten Interview (2010) mit der "Süddeutschen" gibt er sich, auf seine Person angesprochen, auch sehr zugeknöpft. Er bestätigt, dass er in München lebt, wo auch seine "Gossec"-Romane spielen. Humorvoll sollen diese sein, wie man so liest. Ein Grund, weshalb der Rezensent sie bisher gemieden hat. Seit seinen leidvollen Lese-Erlebnissen mit den Krimi-Grotesken von Rita Falk oder des Duos Klüpfel/Kobr ist ihm bajuwarischer Humor im Krimi verleidet.

Ganz ohne Humor, sachlich nüchtern, aber nichtsdestotrotz recht spannend kommt nun Max Bronskis Einzelroman Der Tod bin ich daher. Der Titel geht auf ein Zitat des amerikanischen Physikers Robert Oppenheimer zurück. Oppenheimer war während des 2. Weltkriegs wissenschaftlicher Leiter des verderbenbringenden "Manhattan-Projektes". In Erinnerung an die Explosion der ersten (Test-)Atombombe in der Wüste New Mexicos hat er gesagt: "Now, I am become Death, the destroyer of worlds"- was wiederum der Bhagavad Gita entlehnt ist, die bei Oppenheimer hoch im Kurs stand.

Physik also ist das Thema von Max Bronskis Roman – genauer gesagt die militärische Nutzbarkeit von Entdeckungen in den Naturwissenschaften. Dazu führt uns der Autor zurück ans Ende der 1950er Jahre – der Zeit des "Kalten Krieges", der atomaren Auf- und Wettrüstung, der Spionage und Gegenspionage.

Die Handlung beginnt aber in der Gegenwart im Jahre 2006. Tino Senoner hat den Job als Gutsverwalter des Schlosses Ottenrain von seinem langjährigen Vorgesetzten Richard Eulmann, der sich in einem kleinen Holzhaus in der Nähe zur Ruhe gesetzt hat, übernommen. Da der Schlossherr ein gutmütiger Mensch und und recht anspruchslos gegenüber dem Arbeitseinsatz seines Verwalters ist, schiebt Tino, wie schon sein Vorgänger, eine ruhige Kugel. Aufsicht und Pflege des schlosseigenen Museums, ein bisschen Gartenarbeit – die meiste Zeit verbringt er mit seinem Gspusi Mira. Sein süßes Nichtstun endet jäh, als Richard Eulmann vor seinem Häuschen erschossen aufgefunden wird. Tage später wird Tinos Tante Irmi auf dem elterlichen Hof vermutlich vom selben Täter erschossen. Tinos Mutter verschwindet darauf spurlos. Tino versteht die Welt nicht mehr. Völlig geplättet ist er, als er dann auch noch erfährt, dass er Eulmanns Alleinerbe ist.

Rückblende. Leipzig 1957. Berthold Oftenhain, Sohn eines aufmüpfigen, evangelischen Pfarrers, hat gerade sein Physikstudium mit Bravour abgeschlossen. Seine Berufsaussichten sind blendend in der DDR der damaligen Zeit. Doch die Predigten seines Vaters stören die dünnhäutigen Mitglieder des MfS. Der Unbeugsame wird verhaftet und im Stasi-Knast Bautzen eingekerkert. Auch auf Berthold wird Druck ausgeübt, so dass dieser beschließt, sich nach Westberlin abzusetzen. Dort wird er von amerikanischen Geheimdienstlern empfangen, die äußerst interessiert sind an einem hochbegabten Physiker, der u.a. auch in Moskau studierte. Sie wollen ihn bei Professor Petri in Zürich einschleusen. Petri hat dort den Lehrstuhl für Theoretische Physik und arbeitete jüngst an der sogenannten Weltformel. Von ihr erhoffen sich die Amerikaner bahnbrechende Technologien. Nicht nur sie, denn die Sowjets haben Oftenhain noch nicht aufgegeben und sie haben seinen Vater als Druckmittel in der Hinterhand. Oftenhain muss feststellen, dass es nicht weit her ist, mit der Freiheit im Westen. Quasi als Doppelagent muss er die beiden feindlichen Lager zufrieden stellen. Und die Briten mischen auch noch mit.

Der Tod bin ich ist ein Agenten- oder Spionageroman – in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren angesiedelt. Geheimagenten der Sowjets, Amerikaner und Briten tummeln sich im Nachkriegs-Deutschland, stets auf der Suche nach dem kleinsten technologischen Fortschritt, der dazu beitragen könnte, eine Vormachtstellung in der Welt zu erlangen. Wissenschaftler forschen nicht in verschlossenen Elfenbeintürmen, sondern stehen unter ständiger Beobachtung. Ihnen stellt sich die Frage: Gebe ich meine Erkenntnisse preis, wohl wissend, dass sie möglicherweise missbraucht werden könnten? Ob nun der Berthold Oftenhain des Romans in den Besitz der Weltformel gelangt ist oder ob er das Wissen Anderer weiterentwickelt hat, wird nicht bekannt. Das, was er in Erfahrung bringen konnte, transkribiert er in Notenschrift und kann so sein Geheimnis bis in die Gegenwart retten..

Einer ähnlichen Fragestellung oder Problematik widmete sich schon Friedrich Dürrenmatt in seinem Theaterstück "Die Physiker" aus dem Jahre 1961. Der dröhnende Nachklang der Atombombenabwürfe über Japan und auch das atomare Wettrüsten veranlassten Dürrenmatt dazu, sich politisch zu engagieren. Schriftsteller drücken sich unter anderem in ihren Werken aus. So sind "Die Physiker" - drei an der Zahl – in einer Irrenanstalt untergebracht. Möbius soll im Besitz der Weltformel sein, weigert sich aber strikt, sie zu veröffentlichen. Die beiden Anderen – Einstein und Newton mit Decknamen – sind wohl Agenten des Westens bzw. des Ostens. Sie versuchen, Möbius zu überreden, die Formel offenzulegen. Während die Drei noch diskutieren, hat die Chefärztin der Anstalt Möbius´ Unterlagen längst kopiert und will sie für ihre Allmachtsphantasien nutzen.

Max Bronski hat die Grundideen aus Dürrenmatts Bühnenstück auf die größere Bühne des Romans gestellt. Er erzählt in einer beschaulichen, dem Ernst der Sache wohl angemessenen Art, läuft dabei leider auch Gefahr, ein bisschen einschläfernd zu wirken. Bei Spionageromanen denken wir schnell an Tempo und Action. Bronski bedient sich dieser Spannungselemente nur in gemäßigter Form. Seine Agenten töten lautlos, unspektakulär. Die Attraktivität seines Plots resultiert hauptsächlich aus dem faszinierenden Thema Weltformel. Die Weltformel, auch Einheitliche Feldtheorie oder Theory of Everything ist seit gut hundert Jahren bevorzugtes Forschungsobjekt namhafter Wissenschaftler. Dass sie noch zu keinem Ergebnis gekommen sind, mag nicht verwundern, gilt es doch den Ursprung des Universums mit dem Mikrokosmos der subatomaren Teilchen in Verbindung zu setzen.

Max Bronski hat nun keine Facharbeit darüber geschrieben, aber einige Zusammenhänge müssen schon erläutert werden. Das liest sich dann eher philosophisch als mathematisch.

Freunde anspruchsvollerer Unterhaltung, die auch mal gerne zwischen den Zeilen über Gott und die Welt nachdenken, werden an Der Tod bin ich ihre Freude haben. Trotz einiger Durchhänger kann man die Kombination aus Agentenroman und Physik-Historie als gelungen bezeichnen.

Der Tod bin ich

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Letzte Kommentare:
15.03.2013 19:21:50
wendelin

Dieser Titel bezieht sich auf das legendäre Zitat „Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ Das soll Robert Oppenheimer nach dem Test der ersten Atombombe gesagt haben, an deren Entwicklung er maßgeblich mitgewirkt hat. Ein Hinweis auf den Inhalt dieses Buches, in dem es vorrangig um Quantenphysik und in Ansätzen um die Frage der Verantwortung des Wissenschaftlers für seine Arbeit. Verpackt ist das Ganze in eine im Jahre 2006 spielende Rahmenhandlung und eine eingeschobene Agentenklamotte aus der Zeit des kalten Krieges.


Die ruhige Welt des Gutsverwalters Tino Senorer gerät aus den Fugen, als sein Vorgänger und Freund Richard Eulmann kaltblütig erschossen wird. Wer hatte Grund einen harmlosen alten Mann zu exekutieren. Als auch noch Tinos Tante auf ähnliche Weise zu Tode kommt, wird schnell klar, dass Richard Eulmann in Wirklichkeit der angeblich vor 40 Jahren verstorbene Physiker Bertold Oftenhain war.


Der gesamte Mittelteil des Buches widmet sich nun der Geschichte, wie der junge Oftenhain zwischen die Fronten rivalisierender Geheimdienste gerät und sich darin heillos verstrickt. Der letzte Teil kehrt dann wieder ins Jahr 2006 zurück.


Dieses Buch entzieht sich jeglicher Kategorie. Es ist kein Krimi und kein Wissenschafts-Thriller, dafür ist es nicht spannend genug. Es ist aber auch keine Agentenklamotte, dafür ist es nicht witzig genug. Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam und lässt sich gut lesen, was nicht zuletzt an dem guten flüssigen Schreibstil des Autors liegt und an der Glaubwürdigkeit einiger Charaktere.


„Der Tod bin ich“ hat inhaltlich nicht gehalten, was der Klappentext und die Leseprobe versprochen haben und hat deshalb auch meinen Lese-Geschmack nicht wirklich getroffen. Trotzdem hat es mich unterhalten und wird sicher auch Leser finden, denen es besser gefällt als mir.

06.03.2013 12:21:42
Marius

Die Formel für Erfolg

Man nehme einen Physiker, den Kalten Krieg, verfeindete Supermächte, rätselhafte Morde in der Gegenwart und eine „Weltenformel“ - diese Konstanten passend in die Gleichung „Der Tod bin ich“ eingesetzt – und schon hat man einen fabelhaften Thriller.
Der Münchner Autor Max Bronski ist mit diesem in Antje-Kunstmann-Verlag erschienenen Buch der Sprung vom München-Krimi hin zum ganz großen Verschwörungsthriller gelungen, ohne dass die schriftstellerische Qualität Bronskis darunter gelitten hätte.
Gekonnt verknüpft er häppchenweise physische Erkenntnisse mit einer stimmig konstruierten Rahmenhandlung und dem Geheimnis der sogenannten „Weltenformel“, die das Buch wie ein musikalisches Motiv durchzieht. Dabei gelingt dem unter Pseudonym Schreibenden ein Kunststück, um das ihn wahrscheinlich viele Lehrer beneiden dürften. In leicht verdaulichen Häppchen präsentiert Bronski physikalisches Grundwissen, das durch seine didaktische Erzählweise verständlich bleiben und den Wissenshunger stillen.
Diese Passagen fügen sich harmonisch in den Kontext der Erzählung ein, die durch ihre komplexe Konstruktion besticht. Als große Klammer des auf vier Stücke aufgeteilte Werks dient ein in Bayern spielender Erzählstrang, der von Tino Senoner erzählt. Dieser ebenso eloquente wie verpeilte Gutsverwalter tut im Schloss Ottenrain seinen Dienst, bis sein Vorgänger der Schlossverwaltung liquidiert wird. Bei diesem Mord bleibt es nicht und Senoner kommt einem tödlichen Geheimnis auf die Spur, das in den Tagen des Kalten Krieges 1957 seinen Ausgang nahm. In den eingeklammerten Blöcken erzählt Bronski von drei Agenten, die ein Netz der Spionage im Nachkriegsdeutschland weben, in dem sich ein Physiker verfängt. Wie sich diese Erzählung mit der Rahmenhandlung verbindet erfährt der Leser im Laufe der Geschichte.

„Der Tod bin ich“ schafft eine Symbiose aus Wissen und Spannung. Max Bronski gelingt ein spannendes Buch, das eine nun schon lange vergangene Epoche aufs Vortrefflichste mit einer spannenden Rahmenhandlung in der Jetztzeit verknüpft. Was darüber hinaus das Buch auszeichnet, ist sein hohes Niveau der Sprache. Gekonnt werden Senoner und alle anderen Protagonisten durch die verwendete Sprache charakterisiert und erhöhen den Lesegenuss ungemein.
Wer gut geschriebene Spannungsliteratur sucht, die zudem auch nachhaltige Bildungshäppchen serviert, der dürfte hier fündig werden!

21.01.2013 15:52:40
subechto

Der Tod bin Ich

Der Titel des neuen Romans von Max Bronski ist dem legendären Zitat des US-amerikanischen Physikers Robert Oppenheimer entnommen, dem "Vater" der Atombombe. Und so überrascht es nicht, dass das Thema Physik neben der Musik einen breiten Raum einnimmt in diesem spannenden Thriller, der sich in vier Teile gliedert: Anfang und Ende spielen jeweils im Jahr 2006, ein Großteil der Handlung findet jedoch in den beiden Mittelteilen statt, während der heißen Phase des Kalten Krieges, in den Jahren 1957/58 bzw. 1965.

Richard Eulmann, der ehemalige Gutsverwalter von Schloss Ottenhain in Bayern, wird mit zwei Schüssen ermordet. Sein Tod gleicht einer Hinrichtung. Sein Nachfolger und Alleinerbe, Tino Senoner, stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Denn Eulmann scheint nicht der richtige Name des Toten gewesen zu sein. Der Mord an Richard Eulmann ruft auch drei ehemalige Geheimdienstler auf den Plan. Joe, Fred und Aaron sind auf der Jagd nach einer mathematischen Formel, die der begabte Kernphysiker und begnadete Musiker Bertold Oftenhain vor über 40 Jahren entwickelt hatte, die aber nie gefunden wurde...

Da ich anspruchsvolle Polit- und Wissenschaftsthriller liebe, habe ich "Der Tod bin ich" quasi in einem Rutsch verschlungen. Zumal der Schreibstil von Max Bronski mehr als angenehm ist. Ganz in der Tradition eines John le Carré z.B. gibt es verwanzte Büros, Stasidokumente auf Mikrofiche und Affären mit einer sogenannten "Schwalbe", also einer weiblichen Agentin, zum Zwecke der Anwerbung. Seine Kriminalromane kenne ich bisher nicht, werde dies aber sukzessive nachholen. Max Bronski ist das Pseudonym eines in München lebenden Schriftstellers. Wobei ich es schade finde, dass der Autor anonym bleiben möchte.

Schräge Typen und hochdramatische Szenen halten den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in Atem. "Der Tod bin ich" ist ein intelligenter deutscher Spionage-Roman, teils geheimnisvoll, teils sogar witzig, dabei immer spannend. Genau das Richtige für ein kaltes Winterwochenende. Prädikat: besonders lesenswert!