SexDotCom

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Maas, 2003, Seiten: 380, Originalsprache, Bemerkung: Pulp master, Bd. 17
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2005, Seiten: 9, Übersetzt: Knut Müller

Couch-Wertung:

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Lars Schafft
Ein bemerkenswertes Debüt

Buch-Rezension von Lars Schafft Okt 2003

Krimi-Couch-Volltreffer Oktober 2003

Sex and Crime ist eine altbewährte Formel für erfolgreiche Filme wie Kriminalromane. Der gebürtige Österreicher und mittlerweile Wahl-Australier Marcus Starck fügt in seinem Debüt "SexDotCom" eine dritte Komponente hinzu: Geld. Viel Geld. Es geht um Millionen. Denn SexDotCom (gesprochen für die Internetadresse www.sex.com), ein Unternehmen der so genannten New Economy, soll an die Börse gebracht und mit allerlei legalen und illegalen Tricks der Kurs der Aktie in die Höhe getrieben werden. Ohne Interessenskonflikt kaum zu bewerkstelligen, womit wir direkt zu Starcks erstem Handlungsstrang kommen.

Brad Knight und sein Kompagnon Rob Brown betreiben eine wenig lukrative Kette an Sex-Shops down under, das Unternehmen steht kurz vor der Insolvenz. Doch Knight, ein windiger, skrupelloser Geschäftsmann, hat die Idee schlechthin, wie sie schwarze Zahlen schreiben können: Telefon-Sex. Dieses Geschäftsmodell leuchtet auch den Schweizer Investoren der Gekko Venture Capital AG ein, sie wollen "Erotica", so der Name der Kette, an die Börse bringen und wittern den großen Reibach.

Genau so wie die Finanziers schon die Dollar-Zeichen in den Augen haben, misstrauen Sie aber Knight und Brown, weswegen Andreas Berger, ein junger, dynamischer, kompetenter Manager das Unternehmen zu dem machen soll, was man sich von so vielen in den goldenen Zeiten der New Economy erhoffte: "Erotica" soll an der Börse zum Goldesel mutieren, online soll verdient werden und am besten unter dem plakativen Namen SexDotCom. Man ahnt es, dass Brad Knight, der den Glamour der Branche genießt und keine Sex-Orgie auslässt sowie Kumpel Rob Brown, völlig talentfreier und ein wenig beschränkter Unternehmer, wenig angetan von der Idee sind, einen typischen "Kraut", effizient aber wenig unterhaltsam, vor die Nase gesetzt bekommen.

Anfangs sieht noch alles danach aus, dass die Gier nach Dollars Knight und Berger wenigstens effizient zusammenarbeiten lässt, doch nachdem die Hiobsbotschaft eintritt, dass die australische Regierung das Geschäft mit dem Sex am Fon de fakto zunichte macht, spitzt sich die Beziehung der beiden Manager zu - Berger schwebt in Lebensgefahr, da Knight nicht nur beste Beziehungen zu einem korrupten Cop sondern auch zur Bikergang "Graveyard Angels" unterhält, die vor nun wirklich gar nichts zurückschreckt ...

Durchatmen. Marcus Starck liefert in seinem Debüt SexDotCom Krimistoff der härtesten Sorte. So hart, dass es unvorstellbar scheint, dass sein Roman woanders erscheinen könnte als in der "Pulp Master-Reihe" im Maas-Verlag. Begriffe wie "Facials", "Snuff-Movies" & Co. sollen an dieser Stelle deswegen auch nicht erklärt werden, wer sich diesbezüglich weiterbilden möchte, wird im Netz dazu genug finden. Nah an der Würg-Grenze sind aber auch die Foltermethoden der Graveyard Angels (Säureduschen), die masochistischen Sex-Vorlieben des besagten Cops (Nadeln in den Genitalien), die Drehs von Hardcore-Gewalt-Pornos und das, was Journalisten auf einer Teen-Sex-Seite im WWW finden.

Nun kann man argumentieren, dass diese explizite Brutalität und Kaltblütigkeit eben zu einem "Pulp", zu einem Krimi dieses Sub-Genres, dazugehören wie Sozialkritik zu einem Wallander-Roman. Ganz so deutlich soll der Zeigefinger an dieser Stelle dann auch nicht erhoben werden, doch ganz klar gesagt sein: "SexDotCom" verdient eine FSK mindestens ab 16, zart besaitete Gemüter sollten sich dreimal überlegen, ob sie in diesem Roman eine vergnügliche Lektüre vorfinden werden.

Abgesehen davon ist Marcus Starck ein beeindruckendes Debüt gelungen. Einmal im Thema drin, gibt´s kein Entkommen. Schnörkellos, actionreich und mit zahlreichen Perspektivwechseln scheucht Starck den Leser durch die knapp 400 Seiten, gibt fundierte Einblicke ins vermeintliche Glamour-Business Sex-Industrie und die kriminelle Energie, mit denen Top-Manager ihre Geldgeilheit zu befriedigen versuchen.

Wie viel letztendlich von SexDotCom wirklich passiert ist oder geschehen sein könnte, lässt Autor Marcus Starck offen, Herausgeber Frank Nowatzki unterstreicht in seinem Vorwort allerdings, dass es sich nicht um Fakten sondern um Fiktion handelt. Starke Fiktion ohne Zweifel, wenn der Rummel um die Veröffentlichung von SexDotCom in diesem Maße auch nicht ganz einleuchten will. Insider mögen sich angegriffen fühlen, der "normale" Leser wird aber nur schwerlich Querverbindungen zu real existierenden Tatsachen, Personen oder Unternehmen ziehen können.

Fans der härteren Gangart abseits jeglichen Mainstreams sei SexDotCom insofern dringendst ans Herz gelegt, Starcks Erstling ist ein Thriller, der dank starker (männlicher) Charaktere und der Verknüpfung von Wirtschaftskriminalität der neueren Art mit Bandenkriminalität der alten Schule hängen bleibt.

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