Wassermanns Zorn

  • Argon
  • Erschienen: Januar 2012
  • Berlin: Argon, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Simon Jäger
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Andreas Kurth
75°

Krimi-Couch Rezension von Andreas Kurth Jun 2012

Bade nie im dunklen Teich

Frisch von der Polizeifachschule gekommen, wird Kommissarin Manuela Sperling der Mordkommission zugeteilt. Mit ihrem Vorgesetzten, Hauptkommissar Eric Stiffler, hat sie von Beginn an Probleme. Denn als eine ertränkte Frauenleiche an einem Flussufer gefunden wird, gestalten sich die Ermittlungen überaus schwierig. Die Frau kam in einem anderen Gewässer zu Tode, und auf ihrem Bauch ist eine Nachricht an Stiffler eingebrannt. Der Hauptkommissar beschäftigt Manuela mit Routineaufgaben. Es gibt mehrfach Zoff zwischen den beiden, und als eine weitere Frau vor Manuelas Augen ertränkt wird, gewinnt der Fall immer mehr an Brisanz. Auch auf der zweiten Frauenleiche ist eine  Nachrichte für Hauptkommissar Stiffler eingebrannt worden. Er darf dennoch weiter ermitteln, obwohl er offenbar persönlich von dem Fall betroffen ist. Manuela Sperling versucht dagegen Zusammenhänge zu einem alten Fall herzustellen, und wird dabei von einem jungen Taxifahrer unterstützt, der eine ihm nur flüchtig bekannte Frau in Gefahr wähnt. Im dramatischen Finale gibt es dann für Ermittler und Leser noch einige Überraschungen.

Morde im Umfeld des Ermittlers

Einen höchst dramatischen Einstieg hat Andreas Winkelmann für seinen Thriller Wassermanns Zorn gewählt. Im Prolog wird ein Mord geschildert, der – wie sich später herausstellt – vor längerer Zeit geschehen ist. Und wie diese Tat in die die aktuelle Handlung passt, wird erst viel später enthüllt. Aber auch das Auftakt-Telefonat des Hauptkommissars hat es in sich.

 

"Sie badet, Stiffler, sie badet..."

 

Der Satz des Wassermanns, wie sich der Unbekannte nennt, jagt dem erfahrenen Ermittler kalte Schauer über den Rücken. Der Leser braucht dann allerdings einige Seiten, um Handlung und Personen im Kopf sortiert zu bekommen, aber dann wird es von Seite zu Seite immer spannender. Denn schnell wird klar, dass Stiffler ein Stammkunde bei der ermordeten Prostituierten Annabell war. Zwar war er peinlich darauf bedacht, nicht mit ihr gesehen zu werden, ging nur nachts in ihre Wohnung. Dennoch ist es nicht unentdeckt geblieben, und nun steckt der Hauptkommissar mächtig in Schwierigkeiten. Und seine Probleme verschärfen sich mit dem Mord an einer weiteren Frau noch, denn auch sie stammt aus seinem persönlichen Umfeld.

Interessante Charaktere

Stiffler versucht, mit allen Mitteln zu verhindern, dass ihm die Ermittlungen entzogen werden. Dabei bringt ihn die aufgeweckte Kommissarin Manuela Sperling mächtig ins Schwitzen. Andreas Winkelmann hat in seinem Roman ein überaus abwechslungsreiches Katz-und Maus-Spiel inszeniert. Der Leser muss lange rätseln, wer hier eigentlich welche Rolle spielt, und wer auf wessen Seite steht. Interessant gestaltet sind dabei die verschiedenartigen  Charaktere, die der Autor seinen Lesern in den Haupt- und Nebenrollen präsentiert. Das fängt an mit Hauptkommissar Eric Stiffler, der kein ausgesprochener "Unsympath" ist, aber einige Star-Allüren aufweist. Seine junge Kollegin lässt er stets spüren, was in seinen Augen der ihr zukommende Platz im Team ist.  Manuela Sperling dagegen ist eine junge, bisweilen etwas naive Polizistin, die noch ihren Weg suchen muss. Aber sie zeigt Biss, ist bereit, sich zuweilen über Vorschriften und Anweisungen hinweg zu setzen. Ihr ist es am Ende zuzuschreiben, dass der Fall weitgehend, wenn auch nicht komplett gelöst wird.

Ein Rätsel bleibt ungelöst

Andreas Winkelmann hat es nämlich gefallen, dem Leser am Schluss des Buches noch ein Rätsel aufzugeben. Die Auflösung der vielen Fragen ist zwar relativ komplett, aber eben nicht ganz vollständig. Der Autor zeigt auch in Wassermanns Zorn seinen flüssigen Erzählstil, mit authentischen Dialogen und glaubwürdigen Figuren. Denn auch die negativen Charaktere kommen überzeugend herüber. Der Spannungsbogen wird durch die immer neuen Wendungen und viel Dynamik in der Handlung ständig hoch gehalten. Andreas Winkelmann ist mit seinen Romanen immer für eine Überraschung gut. Erfreulich ist, dass Manuela Sperling nach Wassermanns Zorn und Deathbook noch weitere Auftritte in den Büchern des norddeutschen Autors haben wird. Die Figur hat nämlich noch einiges an Potenzial.

Wassermanns Zorn

Andreas Winkelmann, Argon

Wassermanns Zorn

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