Schwarze Rosen

  • Bastei Lübbe
  • Erschienen: Januar 2013
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  • Mailand: Rizzoli, 2010, Titel: 'Le Rose Nere di Firenze ', Seiten: 464, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2013, Seiten: 450, Übersetzt: Karin Diemerling
Schwarze Rosen
Schwarze Rosen
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Jörg Kijanski
85°1001

Krimi-Couch Rezension vonJun 2012

Die dunklen Seiten von Florenz

Im Leichenschauhaus des Stadtteils Careggi kommt es zu einem seltsamen Fall von Leichenschändung, da in der dortigen Aufbewahrungshalle einer Frau ein auffälliger Schnitt im Gesicht zugeführt wurde. Doch wie konnte der Täter in den bewachten Raum überhaupt eindringen? Und was hat es mit den Tabakresten auf sich, die in dem Sarg der Verstorbenen gefunden werden und deren Sorte jener entspricht, die auch Commissario Michele Ferrara raucht; eine persönliche Drohung? Dazu passt der Inhalt eines anonymen Briefes, den Ferrara ein Jahr zuvor erhalten hatte:

 

"Ein Ratschlag: Gehen Sie nicht auf Wildschweinjagd, Sie könnten zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Man könnte Sie mit einem Wildschwein verwechseln&"

 

Wenige Tage später wird Giovanna Innocenti, Tochter aus einflussreicher Familie, ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Art und Weise wie der Mörder die Leiche der jungen Frau arrangiert hat, gibt den Ermittlern zunächst Rätsel auf. Das Verhalten der Eltern, die sich überhaupt nicht für das Ableben ihrer Tochter interessieren, erscheint höchst merkwürdig, ebenso wie das Verhalten ihrer engsten Freundin und Geschäftspartnerin. Die drängendste Frage ist aber, warum die Ermittler fast durchgehend auf eine Mauer des Schweigens treffen.

 

Wie kann es sein, dass niemand etwas gesehen oder gehört hat? Das hier ist die Wiege der Kultur, der Kunst, die Hauptstadt der Renaissance& Die Leute können doch nicht einfach wegsehen und schweigen!

 

Maresciallo Edoardo Gori steht vor einem Rätsel und da an diesem Tatort ebenfalls Tabakasche gefunden wird, entscheidet der zuständige Oberstaatsanwalt, dass Polizei und Carabinieri zusammenarbeiten sollen. Als in der folgenden Nacht in einer entwidmeten Kirche eine Frau brutal ermordet und anschließend verbrannt wird, glaubt Ferrara, dass eine satanische Sekte ihre Finger im Spiel hat. Die Tat eines Serienmörders kann aber ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, da geschieht bereits der nächste Mord&

Michele Guittari, der 1995 die Leitung des Morddezernates von Florenz übernahm, schickt einmal mehr sein Alter Ego, Michele Ferrara, in einen neuen, äußerst vertrackten Fall. Morde ohne Motiv, Spuren zu satanischen Gruppen, offenbar ein Maulwurf in den eigenen Reihen und zudem mehrere Zeugen, die nichts oder nur wenig aussagen wollen. Zu allem Überfluss sollen die Squadra Mobile, also die Kriminalpolizei, und die Carabiniere zusammen arbeiten; nicht immer werden hierbei Informationen zeitnah übermittelt. Zudem sieht sich Ferrara persönlich bedroht, seine Ehefrau Petra drängt gar auf eine Rückkehr nach Rom - wohin er schon einmal zu seiner eigenen Sicherheit versetzt wurde - oder gar nach Deutschland. Aber Ferrara ist ein sturer Bock, ein Ermittler der alten Schule, der sich nur schwer mit dem neuen Rollenverhältnis zwischen ermittelnder Polizei und der die Ermittlung leitenden Staatsanwaltschaft anfreunden will. Wer sich dafür interessiert, wie bei Kapitalverbrechen in Italien ermittelt wird, der findet hier eine ebenso detailverliebte wie präzise Lektüre.

 

Dieser alte Trick funktionierte immer wieder, es sei denn, sie hatten es mit ausgekochten Mafiosi zu tun. Denen konnte man nichts vormachen.

 

Michele Giuttari zeichnet ein düsteres, beklemmendes Bild von Florenz, fernab des Massentourismus. Was man hier zu lesen bekommt ist alles andere als eine Reiseempfehlung und führt geradewegs in die Abgründe einer Stadt, in der sich Kriminelle, ausländische Flüchtlinge und Anhänger okkulter Gruppierungen offenbar äußerst wohl fühlen.

 

"In der Tat war die Ausweitung der kriminellen Interessen gewisser Banden, insbesondere der albanischen, in Florenz und anderen Städten Mittel- und Norditaliens vorauszusehen gewesen, da dort italienische Mafiaorganisationen fehlten, die ihnen einen Riegel vorschoben. Nicht umsonst waren Regionen wie Sizilien und Kalabrien immun dagegen.

 

Schwarze Rosen ist ein intensiver Einblick in den Arbeitsalltag von Kriminalpolizei und Carabinieri. Dazu ein packender Plot mit umfangreichen Themenspektrum sowie einem äußerst ernüchternden Blick auf "die Hauptstadt der Renaissance".

Schwarze Rosen

Michele Giuttari, Bastei Lübbe

Schwarze Rosen

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