Höllental

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2013, Seiten: 384, Originalsprache

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Andreas Kurth
Wenn die Synapsen im Kopf falsch geschaltet werden

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2012

Eine junge Frau stapft im frischen Schnee entschlossen den Weg zur Höllentalklamm hinauf. Roman Jäger, ein junger Mann aus der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen, folgt den Fußspuren, er ahnt, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Auf der Brücke über die Klamm findet er die Frau, versucht sie festzuhalten, aber sie stürzt sich mit Angst-erfüllten Augen in den Tod. Ihr letzter Blick verfolgt ihn bis in seine Träume, und so macht er sich auf die Suche nach den Gründen für den Suizid. Mit Hilfe eines zunächst unentschlossenen Polizisten und der besten Freundin der Toten stößt Jäger auf dunkle Geheimnisse. Es kommt zu weiteren Todesfällen, und die Jagd nach dem Psychopathen, der hinter der Mordserie steckt, wird schließlich lebensgefährlich.

Andreas Winkelmann hat mit Höllental abermals einen Psychothriller vorgelegt, der diese Bezeichnung wirklich verdient und den Lesern von Beginn an unter die Haut geht. Bereits in der Auftaktszene liegt eine derartige Dramatik, die den Leser packt, dass es schwer wird, das Buch wegzulegen. Der junge Roman Jäger wird unfreiwillig Augenzeuge des Freitods einer jungen Frau, in deren Augen er unsagbare Angst erkannt haben will. Der Leser begleitet den aufrichtigen Mann bei seiner Suche nach der Wahrheit, und man ist fasziniert von den Verwicklungen, die sich daraus ergeben.

Ein beliebtes Stilmittel sind auch in diesem Buch die Rückblicke eines lange Zeit Unbekannten, der offenbar während seines Kriegseinsatzes in Afghanistan unvorstellbare Dinge erlebt und erlitten hat. Schnell wird deutlich, dass er offenbar etwas mit dem Tod der jungen Frau in der Höllentalklamm zu tun hat. Als dann im Laufe der Handlung das geheimnisvolle und überaus merkwürdige Umfeld der Toten intensiver beleuchtet wird, nimmt die Spannung Schritt für Schritt zu. Winkelmann schildert hier Familienverhältnisse, die zwar gängigen Klischees entsprechen, aber von ihm überaus realistisch dargestellt werden. Da ist der reiche Vater, für den die Tochter vor allem funktionieren musste. Und die ehrgeizige und auf gesellschaftliches Ansehen fixierte Mutter, mit der es für die Tochter schon lange keine Gesprächsbasis mehr gab.

Eine spezielle Wendung lässt Winkelmann eintreten, als Roman Jäger bei der Beerdigung zum ersten Mal auf Mara trifft, die beste Freundin der Toten. Die beiden nähern sich menschlich an, aber parallel dazu gibt es weitere, für alle Beteiligten genauso rätselhafte Todesfälle. Roman und Mara bilden ein ganz spezielles Duo, und im Zuge ihrer sprunghaften Nachforschungen lernen die beiden viel voneinander, und der Leser erfährt wiederum viel über die Charaktereigenschaften dieser beiden wichtigen Figuren. Aber der Autor schildert auch, wie die beiden mit einer ziemlichen Naivität mit den Geschehnissen umgehen und schließlich hilflos mitgerissen werden.

Andreas Winkelmann zeigt sich in diesem Buch als guter Erzähler, er wechselt zwischen steigender Spannung und durchaus gefühlvollen Passagen. Mit neuen Spuren und Rätseln versteht es der Autor, den Leser bis zum Schluss zu fesseln, obwohl irgendwann deutlich wird, wo die Lösung der verschiedenen Fragen zu finden ist. In diesem hervorragend komponierten Thriller versammelt der Autor authentische Charaktere, und schildert ausreichend die fantastische Natur an der Höllentalklamm, ohne die Beschreibung zu sehr ausufern zu lassen. Es geht um die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer nur scheinbar stabilen Gruppe. Es geht um familiäre Verhältnisse, die zum Alptraum für eine junge Frau geworden sind. Und es geht um ein Kriegstrauma, das furchtbare Folgen hat. Insgesamt ein spannendes Buch mit einem realistischen Plot, faszinierenden Figuren und einem überaus dramatischen Finale.

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Letzte Kommentare:
28.06.2013 17:58:12
peterbrentwood

Stilistisch besonders gut hat mir gefallen, dass Passagen in der "ich"-Form eingestreut sind, die am Anfang zusammenhangslos erscheinen und erst im weiteren Verlauf der Handlung einen Sinn ergeben. Das letzte Kapitel "Zwei Wahrheiten" endet überraschend - auch wenn man sich als Leser fragt, warum man denn nicht gleich darauf gekommen ist. Ich kann mich dem letzten Kommentar anschließen: 80 von 100 Punkten.

25.03.2013 07:54:19
rolandreis

Das Buch beginnt mit Spannung, doch dann verflacht erst mal die Geschichte ein wenig. Erst langsam erkennt man das Thema dahinter - Stalker. Es benötigt dann einige Seiten bis die Zusammenhänge klar werden und auch die Geschichte wieder an Fahrt aufnimmt. Der Thriller entwickelt sich langsam, aber das letzte Drittel ist dann wirklich mit Vollgas unterwegs. Da ist dann wieder volle Spannung drin bis zum Finale. In Summe gebe ich diesem Buch 80 von 100 Punkte.

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