Das Gesetz der Gier

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Bertelsmann, 2012, Seiten: 320, Originalsprache

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Andreas Kurth
Der Tod lauert in der Kellerfabrik

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2012

In Kellerfabriken unter der türkischen Metropole Istanbul arbeiten sich Scharen junger Männer zu Tode. Beim Sand-strahlen von Designer-Jeans holen sie sich aufgrund mangelnder Schutzmaßnahme eine Staublunge, an der sie elend zu Grunde gehen. Medizin-Professor Zeki Kilicaslan macht sich nicht nur Sorgen darum, sondern will nach einer berührenden Begegnung mit Hinterbliebenen etwas dagegen unternehmen. Er fliegt nach Deutschland, um einen der Auftraggeber mit diesen unhaltbaren Zuständen zu konfrontieren – und wird brutal ermordet. Nahezu zeitgleich hat Bernd Oschatz, der Chefbuchhalter des Unternehmens, seinen Übergang in die Rente dazu genutzt, Daten und Geld aus dem Hellberg-Konzern mitzunehmen. Er will mit einer Gruppe von Globalisierungsgegnern das Unternehmen zwingen, sich sozialer zu verhalten. Während Hauptkommissarin Antonia Dix den Mörder des türkischen Mediziners sucht, ist der ehemalige Polizist David Manthey auf der Suche nach dem Buchhalter, denn Bernd ist der Bruder seines schwer erkrankten "Stief-Onkels" Günther Oschatz – und der Todkranke will ihn unbedingt noch einmal sehen. Es beginnt ein atemloser Wettlauf, unbemerkt von der Öffentlichkeit, die sich derweil über die ungesetzlichen Pläne des Textilfabrikanten empört.

Auch in seinem zweiten Roman um den Ex-Polizisten David Manthey ist es Wolfgang Kaes gelungen, den Leser von Beginn an mit seiner dynamisch erzählten Geschichte im Wortsinne zu fesseln. Der Autor arbeitet dabei meisterhaft mit schnellen Umschnitten und Perspektivwechseln – in der Regel verbunden mit Cliffhangern, die den Leser permanent in Unruhe halten. Zuweilen kehrt Kaes schnell an den Schauplatz zurück, aber mitunter verfolgt er zunächst andere Erzählstränge. Man gerät zwangsläufig in Versuchung, ein paar Seiten vorzublättern, aber ich habe mich tapfer zurück gehalten. Auf jeden Fall bietet der Autor hier facettenreiche Unterhaltung der feinsten Art, und selbst wenn er in den Notizen des Buchhalters trockene Fakten aneinander reiht, bleibt die Spannung erhalten. Dazu trägt auch bei, dass er gekonnt falsche Spuren einstreut, und den Leser mit mehr Wissen ausstattet, als es den Ermittler vergönnt ist.

Der Autor hat es verstanden, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen in seinen Thriller zu packen, die nahtlos mit der Kriminalgeschichte verwoben werden. Exemplarisch wird hier am Beispiel eines Textilunternehmens gezeigt, wie es in der Industrie um immer mehr Profit geht, um das Einsparen von Kosten – und wie dabei die Menschen gnadenlos auf der Strecke bleiben. Denn da sind nicht nur die jungen Türken, die sich ohne jeden Gesundheitsschutz buchstäblich zu Tode schuften. Es geht auch um die Arbeitsplätze in Deutschland, und um phantasievolle, aber letztlich hilflose Aktionen der Globalisierungsgegner. Bei den brutalen Gegenmaßnahmen der Unternehmer-Familie und ihrer Handlanger kann man nur hoffen, dass Wolfgang Kaes maßlos übertreibt – alles andere wäre kaum zu ertragen.

Es geht in diesem Roman aber auch um wirklich starke Charaktere. Da ist zunächst der türkische Mediziner, Zeki Kilicaslan, der den sinnlosen Tod seiner jungen Landsleute nicht mehr aushalten kann. Die Begegnung mit der früheren Freundin eines seiner Patienten bewegt ihn so tief, dass er sich auf den Weg nach Deutschland macht, um eine der Auftraggeber-Firmen zum Umlenken zu bewegen. Seinen ungewöhnlichen Mut bezahlt er mit dem Leben.

Da ist der Buchhalter Bernd Oschatz, der am Ende seines Arbeitslebens genug hat von den Machenschaften des Unternehmens, das jahrzehntlang seine Ersatz-Familie war. Er folgt seinem Sinn für Gerechtigkeit, auch wenn seine Teilnahme an den Aktionen der Globalisierungsgegner zunächst anders verläuft, als er es sich gedacht hat. Auch Oschatz führt sein Mut schließlich in den Tod, was dem Leser ja gleich zu Beginn mitgeteilt wird. Aber zuvor folgt er seiner inneren Überzeugung, sein äußerst tragischer Tod ist aus mehreren Gründen, die ich hier nicht verraten will, ein Ereignis, dass den Leser gefangen nimmt.

Und dann ist da schließlich der "Ermittler" David Manthey. Der ehemalige Polizist steht viel mehr im Mittelpunkt als die ebenfalls beteiligte Kommissarin, die einiges an Potenzial gehabt hätte, neben der Hauptfigur Manthey aber stark in den Hintergrund tritt. Das Leben des früheren Polizisten wurde im Vorläufer-Band dieser Reihe ausführlicher erläutert, aber auch so spürt der Leser, was diesen Mann antreibt. Es ist die Sorge um einen geliebten Menschen, und das ausgeprägte Gespür für ein zu ahndendes Verbrechen. Manthey ist kein knallharter Cop, sonst wäre er immer noch im Dienst, sondern eine Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten, aber auch einem weichen Kern.

Durch seine gut formulierten Dialoge und die verschiedenen Erzählperspektiven fesselt Wolfgang Kaes seine Leser, man mag das Buch schließlich kaum noch aus der Hand legen. Hinzu kommen – für einen Journalisten kaum verwunderlich – hervorragend recherchierte Fakten, die er geschickt in seiner Erzählung unterbringt. Der Autor setzt weniger auf Action, aber der Leser will einfach wissen, wie diese Geschichte weitergeht. Und etliche Teilaspekte erschließen sich erst ganz langsam, es ist ein Buch, bei dessen Lektüre man viel lernt. Das Finale ist ebenso ungewöhnlich wie überraschend. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Verfilmung, denn aus diesem Stoff kann man einen wirklich guten Film machen. Bis dahin nimmt man halt mit dem spannenden Lese-Kino vorlieb, das Wolfgang Kaes seinen Lesern bietet.

Das Gesetz der Gier

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Letzte Kommentare:
08.08.2012 10:57:43
Dreilich

Erfahre eben erst das es ein neues Buch gibt und werde es mir sofort kaufen. Wie soll es sein? Natürlich ausgezeichnet wie all die anderen.
Ich hoffe das meine Buchhandlung es nicht extra bestellen muß, das hieße ich muss noch einen Tag warten bis ich es endlich in den Händen habe und erst wieder weglege wenn ich es durchgelesen habe.