Schwarze Sonne

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Salis, 2012, Seiten: 208, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Wolfgang Weninger
Mäßiges Tatortniveau

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2012

Knappe 187 Seiten hat das Büchlein Schwarze Sonne von Felix Mennen, das vom Schweizer Salis Verlag als sel noir Krimi vertrieben wird. Was so ein schwarzer Salzkrimi wirklich sein soll, konnte mir bislang noch niemand einwandfrei erklären, besonders würzig waren die von mir gelesenen schwarzen Salzgeschichten bislang allerdings noch nicht, zumindest fehlte ihnen bislang auch ein wenig Pfeffer ...

Pfeffrig los geht es allerdings bei Schwarze Sonne gleich auf der ersten Seite, wo zwei Frisbee spielende Jugendliche eine Leiche im Park finden, die allerdings bis zum Eintreffen der Polizei unerklärlicher Weise das Weite sucht. Und so muss der Kommissar Carl Banuscha sich damit begnügen, die Leute im monbijoupark in Berlin-Mitte zu befragen, wer zur Zeit des Fundes etwas Wichtiges gesehen oder gehört hätte.

Dabei geht es ihm gerade so richtig dreckig, denn seine chilenische Frau Anna und er haben sich getrennt und außerdem hat er auch noch das Rauchen aufgegeben. Angeblich hatte seine Frau eine Affäre mit einem Gitarrenspieler und genau so ein Musikus wurde auch in der Nähe des Fundortes gesehen. Phantomzeichnungen der verschollenen Leiche weisen deutliche Übereinstimmung mit seiner Frau auf, aber Banuscha ist blind und will nicht wahrhaben, dass alles darauf hinweist, dass die abhanden gekommene Tote ihm nahegestanden haben könnte. Und auch sämtliche Kolleginnen und Kollegen sind offensichtlich von der "Schwarzen Sonne" geblendet, denn keine(r) kommt auf das Naheliegende.

Viel mehr darf man als Vorgeschichte zu diesem Kurzkrimi nicht erzählen, sonst raubt man dem Leser das letzte Quäntchen der ohnehin nur mäßigen Spannung. Wenn bei diesem kriminellen Erguss des Tatort-erprobten Autors nach Positivem gesucht werden muss, dann hält man sich wohl am Ehesten an die Figur des Kriminalisten Carl Banuscha, dessen Verzweiflung und angeknackste Psyche so tiefschürfend beschrieben werden, dass Hobbypsychologen ihre helle Freude daran haben werden. Ein Mann, der eigentlich auf Grund seines Berufes nüchtern und sachlich denken können müsste, greift hier mit beiden Händen ungebremst in die tödliche Kacke, weil er vor verzehrender Liebe keines klaren Gedankens fähig ist.

Randfiguren, wie der Gitarre spielende Don Juan, sein Kollege Kiesling oder die Chefin Zora, bleiben schlichtweg farblos und werden nur verwendet, um die Handlung mehr schlecht als recht im Dialog fortzuführen. Auch die chilenische Telenovela-Connection bringt kaum Farbe und Aktion ins Spiel und so findet der Leser zwar brauchbare Ansätze zu einem verzwickten Verwirrspiel, aber der Autor vernebelt alle ansatzweisen Spannungselemente, weil sein Kommissar anders handelt, als es jeder halbwegs vernunftbegabte Polizist machen würde.

Kurzum, diesem Roman fehlen Salz und Pfeffer. Die Lösung ist um viele Ecken herum gedacht und selbst die erfahrende Polizeichefin Zora, kann nicht glauben, was in dieser Geschichte passiert und sich scheinbar endlos zu wiederholen scheint. Es reicht einfach nicht, wenn man wortgewaltig Bilder entstehen lässt, wie das Felix Mennen durchaus beherrscht, aber dann die Bilder nur für Situationsbeschreibung verwendet und dabei die Handlung fast lieblos und abgehackt verpackt, als wären es unterschiedliche Episoden. Da bleibt dann vom Tatort-Autor auch nur eine Geschichte, die über mäßiges Tatortniveau nicht hinaus kommt.

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