Die schwarze Legende

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Triesen: Van Eck, 2012, Seiten: 272, Originalsprache

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Andreas Kurth
Deutsche Schreiberlinge zwischen Kirche und Mafia

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2012

Adrian Friedhoven ist Drehbuchautor, finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, aber in der Berliner Kulturszene bestens bewandert. Überraschend will ihn der Filmproduzent Justus Grube für ein Großprojekt anheuern. "Der Fels", ein bekanntes Drama des mit diesem Stück in der ganzen Welt berühmt gewordenen Autors Flor Kapp, soll vier Jahrzehnte nach der Premiere nun doch noch verfilmt werden. Friedhoven soll eigentlich nur ein drehfertiges Skript liefern, zeigt sich jedoch eigensinnig und beginnt zu recherchieren, denn er will das Stück auf seinen Realitätsgehalt hin untersuchen. Immerhin wurde Papst Pius XII. darin als Mitschuldiger an der Judenvernichtung der Nationalsozialisten dargestellt. Mit seiner Freundin Margarete Rabenschlag reist der Drehbuchautor zu verschiedenen Schauplätzen – und gerät in eine Mordserie, die in einem heftigen Konflikt mit dem Dramatiker mündet. Die Frage, wo der wahre Ursprung von Kapps Darstellung der historischen Ereignisse liegt, ist dabei nur ein Teilaspekt der brisanten und lebensgefährlichen Irrfahrt des Duos.

Die historische Vorlage für den Stoff dieses Thrillers findet sich in Rolf Hochhuths Theaterstück "Der Stellvertreter". Das von seinem Autor als "christliches Trauerspiel" bezeichnete Stück wurde 1963 in Berlin uraufgeführt, und sorgte dafür, dass Papst Pius XII. fortan als mitschuldig am Holocaust galt. Fünf Jahre nach dem Tod des Kirchenführers und zwei Jahrzehnte nach dem Massenmord der Nazis war mit einem Schlag das auch von Kritikern anerkannte segensreiche Wirken des Papstes vergessen - stattdessen stand seine politische Rolle urplötzlich im Mittelpunkt. Julius Wintermanthel greift die historische Vorlage geschickt auf, um daraus einen passablen Kirchen- und Mafia-Thriller zu machen. Dabei bezieht er auch den Aspekt ein, dass Hochhuths Drama möglicherweise Teil einer Kampagne war, mit der osteuropäische Geheimdienste den Papst und die moralische Integrität der katholischen Kirche diskreditieren wollten. Der Dramatiker hat entsprechende Veröffentlichungen stets bestritten, dennoch bleibt die Tatsache, dass "Der Stellvertreter" kurz nach der Premiere des Stückes zum Pflichtprogramm vieler sowjetischer Einrichtungen gehörte. Indem das Kirchenoberhaupt massiv angegriffen wurde, sollte das Christentum insgesamt verächtlich gemacht und letztlich zerstört werden.

Der Roman von Julius Wintermanthel zeichnet sich durch hervorragend recherchierte Fakten aus, die gefällig in eine gut erzählte Geschichte eingebaut werden. Sein Protagonist reflektiert ausführlich darüber, wie eine propagandistische Fiktion an die Stelle einer objektiven Geschichtsschreibung treten konnte. Derartige Desinformationskampagnen waren in den Zeiten des kalten Krieges auf beiden Seiten üblich, und fanden nur zu oft ihren Eingang in die veröffentlichte Meinung. Julius Wintermanthel ist es gelungen, einen Roman über Wahrheit und Betrug, Freundschaft und Liebe, Größenwahn und Eitelkeit zu schreiben. Seine Protagonisten schickt er dabei zu Schauplätzen mit viel Flair und eigener Geschichte. Es geht nach Rom und Berlin, Zürich, Hamburg und Jerusalem, und schließlich sogar in die judäische Wüste. Dabei legt der Autor viel Wert darauf, dass die Ortschaften nicht seiner Phantasie entstammen, wohl aber die sich dort bewegenden Menschen. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen seien selbstverständlich nur Zufall und liegen nicht in seiner Absicht, merkt Wintermanthel pflichtgemäß an. Dazu kann sich jeder Leser seine eigenen Gedanken machen.

Die Schwarze Legende ist ein gut erzählter Roman. Durch den Kniff, den ersten Mord im Prolog stattfinden zu lassen, schafft es der Autor, seine Leser über die relativ lange Einführungsphase zu ziehen, in der er die notwendige Kulisse aufbaut. Aber auch in diesem Teil wird schon Spannung erzeugt, weil man als Leser die hartnäckigen Recherchen des Drehbuchautors hautnah begleitet. Die sich aufdrängenden Fragen, was hinter dem Theaterstück stehen möge, und was dessen Autor zu verbergen hat, bilden mit der spätestens in Rom einsetzenden mitreißenden Action ein passables Gemisch. Die wahren Motive für die Morde und Mordanschläge bleiben lange im Dunkeln, und auch die Antwort auf die Frage, wer der Täter sein könnte, wird erst im rasanten Finale beantwortet. Julius Wintermanthel ist ein gutes Debüt gelungen, das nicht nur für Freunde von Kirchenthrillern kurzweilige Unterhaltung bietet.

Die schwarze Legende

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