Das Syndikat

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Köln: Lübbe Audio, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Milena Karas

Couch-Wertung:

80°
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Wolfgang Weninger
Interessanter Ansatz, aber ohne zwingende Konsequenz ausgeführt

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mär 2012

Nicht erst seit dem Wikipedia-Eintrag ist bekannt, dass es sich bei Autorin Fran Ray um Manuela Martini handelt, die für ihre im Bastei Lübbe Verlag veröffentlichten Bücher Die Saat und Das Syndikat, ein Pseudonym gewählt hat.

Auf nicht ganz 500 Seiten beschäftigt sie sich mit einer globalen Verschwörung, in welche die Journalistin Karen Burnett verstrickt wird, als ihr Kollege und Fotoreporter David, mit dem sie in Afghanistan war, ermordet wird, gerade als sie einen namhaften Journalistenpreis bekommen sollte. Seit Afghanistan ist Karen psychisch labil und ihre Ehe mit Michael ist zu einer Farce geworden. Karen muss wieder hinaus in die Welt, um die seltsamen Umstände des Todes ihres Freundes zu klären.

Dabei gerät sie in eine streng geheime Gesellschaft namens Lanzelot, die einem Syndikat auf der Spur ist, dass die Menschheit bedroht und die Macht über die Welt an sich reißen möchte. Egal, wo Karen auch aufdacht, die Häscher des Syndikats warten schon auf sie und nur mit Hilfe von Lanzelot und einigen alten Freunden, kann sie den mannigfaltigen Gefahren trotzen. Bis sie dahinter kommt, wer hinter diesem Syndikat steckt ...

Diese Karen Burnett ist absolut keine sympathische Person. Ohne Rücksicht auf Verluste setzt sie ihren Reporterdickschädel durch und gefährdet damit nicht nur sich selbst. Dabei handelt sie in vielen Fällen keineswegs realistisch oder für den Leser nachvollziehbar. Vielleicht hätte es der Leser leichter, dem Geschehen rund um die Journalistin zu folgen, wenn die Autorin nicht so zahlreiche unnötige Nebenhandlungen eingebaut hätte. Wobei man Fran Ray auch anlasten muss, dass vor allem die Szenen, die man schon auf dem Buchrücken bewirbt, mit nur sehr minderem Spannungspotential geschrieben sind.

Spannung ist definitiv auf den ersten 300 Seiten nur spärlich zu finden. Speziell die Seiten in denen Recherchen zum Syndikat und Karens Gegenspielern betrieben werden, ähneln mehr einer Tageszeitungsreportage als einem Thrillerkapitel. Der Leser quält sich über viele verwirrende Handlungsstränge bis endlich im letzten Drittel ordentlich Action ins Geschehen kommt und Das Syndikat zu dem wird, was es eigentlich von Anfang an sein wollte.

Das Thema einer weltumspannenden Organisation, die ihre Finger in allen Bereichen von Medizin, Nachrichtentechnik- und manipulation, Waffenhandel etc. hat, ist mit Sicherheit eines der erschreckendsten Szenarien unserer Zeit, denn selbst in unserem beschränkten europäischen Raum sehen wir mittlerweile, was Lobbies und überregionale Konzerne in Wirtschaft und Politik anrichten können. Umso unbefriedigender ist dann die Beschäftigung von Fran Ray mit diesem Aspekt, das im Wesentlichen lieblos und fantasielos abgehandelt wurde. Der Leser erfährt eigentlich nur bruchstückhaft von den schrecklichen Irrungen und Wirrungen. Und da wird auch die Auflösung eher banal und erinnert an Groschenromane aus dem Bastei Lübbe Verlag.

Das Syndikat gehört zu jenen Thrillern, die thematisch absolut interessant sind. Aber in der Ausführung fehlt der Autorin in jeder Hinsicht der letzte Tupfen auf dem I. Und deshalb ist es schade, dass man ihr nicht mehr als 80° zubilligen kann, weil die letzte Konsequenz an jeder Ecke spürbar fehlt.

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