Die Herzensgabe

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • London: Hutchinson, 1996, Titel: 'The Keys to the Street', Seiten: 310, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 1997, Seiten: 405, Übersetzt: Cornelia C. Walter
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 405
  • München: Goldmann, 1999, Seiten: 405
  • München: Goldmann, 2001, Seiten: 405
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 416

Couch-Wertung:

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Peter Kümmel
Viel gewollt und nicht geschafft

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Zu Anfang des Romans fragt man sich, ob man sich das unbedingt antun sollte. Endlose Beschreibungen von Londoner Parks mit ihren schmiedeeisernen Zäunen mit Spitzen. Diese Zaunspitzen spielen zwar im weiteren Verlauf der Handlung noch eine wichtige Rolle, doch übertreibt es die britische Autorin mit ihren Ergüssen über die Londoner Strassen und Parks zuweilen.

Nur sehr zäh kommt die Handlung in Gang, und nach und nach kristallisieren sich einige Charaktere heraus, die die tragenden Säulen der verschiedenen Handlungsstränge bilden, die abwechselnd mit immer deutlicheren Berührungspunkten geschildert werden.

Da sind zum einen Mary Jago und ihr Verlobter Alistair, zwei klischeehafte Charaktere: sie die sympathische unterdrückte Frau, er der Kotzbrocken, besitzergreifend, doch der liebevolle Mann, solange sich die Frau unterordnet. Als Mary sich entschließt, für einen ihr unbekannten jungen Mann Knochenmark zu spenden, rastet er aus. Die Schönheit und die Gesundheit seiner geliebten Mary wird zerstört, indem man ihr mit Nadeln Knochenmark entnimmt. Mary weiß, dass sie mit diesem Mann nicht weiterleben kann und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, doch hat sie nicht die psychische Kraft, sich gegen seine Nachstellungen zur Wehr zu setzen. Über das Institut ihrer Knochenmarksspende lernt sie den jungen Mann kennen, der durch sie geheilt wurde und ist von ihm fasziniert.

Handlungsstränge in unterschiedlichen Milieus

Für die nächsten Monate hütet Mary das Haus eines reichen Ehepaars, das auf Auslandreise ist. Um deren Hund muß sie sich nicht kümmern, denn dafür hat das Paar einen Hundesitter engagiert, der zweimal täglich das Tier ausführt. Und hier kommt der nächste Protagonist ins Spiel: Bean, der Hundesitter. Ein zwielichtiger Mann von etwa siebzig Jahren, der eine recht abwechslungsreiche Vergangenheit aufweist. So arbeitete er vorher als Diener, unter anderem bei einem Masochisten, von dem er das Haus erbte. Zu den Highlights des Romans gehört zweifellos die Schilderung, wie er einen anderen seiner Herren piesackte bis zu dessen Tode. Nun lebt Bean von seinem kargen Auskommen als Hundesitter, versucht aber, durch kleinere Erpressungen sein Gehalt aufzubessern.

Der dritte Handlungsstrang führt uns ins Obdachlosenmilieu. Dort lebt Roman, der nach einem schweren Schicksalsschlag vor zwei Jahren sein bürgerliches Leben hinter sich gelassen und sein Haus verkauft hat und seither in den Londoner Parks unter freiem Himmel lebt. Obwohl er sich den anderen Pennern anpasst, bleibt er doch ein Außenseiter, denn gewisse Gewohnheiten wie seine guten Manieren und die Körperhygiene lassen sich nicht einfach so abgewöhnen.

Und zwischen all diesen verschiedenen Milieus springt noch der rauschgiftsüchtige Hob herum, dessen Rolle in der Handlung lange Zeit unklar bleibt. Verbrechen geschehen schließlich auch noch, doch will ich mich nicht noch weiter über den Inhalt des Buches auslassen.

Ungewöhnlicher Plot, doch ohne Spannung

Sehr viel hat Ruth Rendell in diesen Roman hineingepackt und sich dabei eine große Aufgabe gestellt, die sie nie bewältigen kann. Alleine die Dreiecksgeschichte um Mary und Alistair sowie Leo, den Empfänger des Knochenmarks böte Stoff für einen ganzen Roman. So verrennt sich die Autorin des öfteren und schafft es durch ständige Orts- und Handlungswechsel nicht Spannung aufkommen zu lassen. Erst im letzten Viertel des Buches gelingt es ihr durch ein ungewöhnliches Hochzeitsgeschenk der Handlung eine nicht erwartete Wende zu geben. Es gibt einige Fäden aufzudröseln. Dabei erwarten den Leser noch ein paar Überraschungen, doch auch flach versandende lose Enden.

Die Atmosphäre wirkt wie meist bei der britischen Autorin stimmig, doch stellt sie die Extreme zwischen Reichen und Obdachlosen oft zu klischeehaft dar.

Sehr zwiespältig ist für mich Ruth Rendells "Herzensgabe". Gelungene Milieuschilderungen mit weitgehend klischeehaften Charakteren. Ein ungewöhnlicher angelegter Plot, der doch in weiten Teilen Langeweile bereitet. Nur zu empfehlen für eingefleischte Fans der Autorin oder eher noch für gute London-Kenner.

Die Herzensgabe

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