Der Hinterhalt

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Alexander Fehling
  • New York: Dutton, 2011, Titel: 'Children of paranoia', Seiten: 375, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2014, Seiten: 477

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Jürgen Priester
Realitätsfernes Kunstprodukt

Buch-Rezension von Jürgen Priester Mär 2012

Sie ist gerade mal siebzehn und heißt Maria. Er ist fünfundzwanzig, heißt Joseph und ist (noch nicht) Zimmermann. Und nein, wir befinden uns nicht in Palästina im Jahre Null der Zeitrechnung. Diese und noch folgende Ähnlichkeiten sind nicht rein zufällig, sondern ganz bewusst vom Autor konzipiert, wie er in einem Interview, das dem Roman vorangestellt ist, erläutert. Paranoia spielt in der Gegenwart und ist hauptsächlich im ostamerikanischen Küstenstreifen von Kanada bis Florida angesiedelt. Auch wenn Orte und Zeiterscheinungen einen Realitätsbezug vorgaukeln, ist Paranoia ein fiktives Konstrukt - leider leblos wie Science-Fiction ohne Science, Fantasy ohne Fantasie oder Utopie ohne Vision.

Trevor Shane macht es sich auch zu einfach, teilt seine karge Welt einerseits in Gute und Böse, zwei Lager, die sich seit Jahrhunderten heftigst bekämpfen, ohne genau zu wissen, warum, und andererseits gibt es noch das große Heer der Ahnungslosen, die von alledem nichts wissen oder es einfach ignorieren.

Joe ist der Held und Ich-Erzähler der Geschichte. In Form eines Tagebuches berichtet er "seiner" Maria von seinem Leben, bevor sie sich kennen gelernt haben. Da Joe gleichzeitig auch uns Leser in seine Geheimnisse einweihen will, muss er die Passagen, die er mit Maria gemeinsam erlebt hat, auch noch einmal rekapitulieren. Da er Maria direkt anspricht, erfolgt dieser Teil der Erzählung in der 2. Person Singular Imperfekt, was in der Deutschen Sprache schrecklich hölzern klingt. Aber das ist das geringste Übel.

Joe beginnt seine Tagebuchaufzeichnungen rückblickend mit einem Auftrag, der ihn nach Brooklyn, New York City geführt hat. Auftrag heißt in seinem Fall, jemanden zu umbringen, denn Joe ist Auftragsmörder für die "Guten". Die Berufsbezeichnung für seine Tätigkeit ist Soldat. Angeblich herrscht ja auch Krieg. Da dies nicht weiter erläutert wird, kann man nur vermuten, dass es sich um einen Bandenkrieg handelt. Sein ahnungsloses Opfer ist eine junge Ladenbesitzerin (Ehefrau und Mutter). Er folgt ihr nach Geschäftsschluss und erwürgt sie auf der Schwelle ihres Heimes. Was die arme Frau verbrochen haben könnte, weiß Joe nicht, interessiert ihn auch nicht: "Ich hatte sie getötet, weil ich gut bin und sie böse war."

Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Mission nimmt sich Joe erstmal eine Auszeit. Mir zwei Kumpel von früher gehts nach Long Beach Island, einer Insel vor New Jersey, um so richtig die Sause zu machen. Leider stoßen die drei in seinem Restaurant auf Leute der Gegenseite, die - ganz ihrem Naturell entsprechend - nur Böses im Sinn haben können. Und tatsächlich kommt es zu einem nächtlichen Schlagabtausch. Joe gelingt es zu fliehen.

Sein nächster Mordauftrag, der schon ein bisschen anspruchsvoller ist, da das Opfer zwei Bodyguards hat, führt ihn nach Montreal. Nach tagelanger öder Observierung schlägt er eines Nachts zu. Dummerweise hält er sich an das Regelwerk seiner Zunft. Die Sache läuft schief. Aber ein kleines Trostpflaster hat er ja bekommen. Während der Observierung hat er die bildhübsche Studentin Maria kennengelernt. Wie siebzehnjährige Marias halt so sind hochintelligent, impulsiv und sorglos springt sie gleich mit ihm in die Kiste, was nicht ohne Folgen bleiben wird. Aber so weit sind wir noch nicht. Joe muss wegen der fehlgeschlagenen Attacke erst einmal aus Montreal verschwinden. Als er nach einem Monat zurückkehrt, schließlich muss er sein Werk noch vollenden, gesteht Maria ihm, dass sie schwanger ist. Ein Grund zur Freude ist das nun nicht, wie Maria zu ihrem Leidwesen erfahren muss, denn Kinder von Guten mit einer Unter-Achtzehnjährigen gezeugt, müssen dem Feind übergeben werden. Da bisher noch niemand von den bevorstehenden Mutterfreuden weiß, könnten die beiden sich trennen (und gut is´), aber ihre Liebe ist zu groß. Gemeinsam treten sie den Weg in den Untergrund an. Sie versuchen es bei Joes Mutter, doch die ist gar nicht begeistert, was ihr Sohn da so treibt.

In Indiskretion führt sogar dazu, dass sie von den eigenen Leuten gejagt werden und die Hoffnung schwindet, ein Bethlehem zu erreichen.

In seinem Interview betont der Autor, dass es ihm wichtig ist, dass sich die Leser mit seinem Hauptprotagonisten Joe identifizieren können. Das tun Leser in der Regel recht gern, wenn von der Identifikationsfigur irgendeine Attraktivität ausgeht. Es muss nicht der strahlende Held sein; es kann auch der tragische oder wie hier der naive sein. Shanes Held hat nun leider die Ausstrahlung einer schlecht konturierten Computer-Animation, wo mit er sich gut in das Environment einfügt, das mehr einer PC-Game-Oberfläche gleicht als der Realität. An ein Computer-Spiel erinnern dann auch die Spielregeln, denen die Soldaten der rivalisierenden Gruppen unterworfen sind: Du darfst (musst) töten, aber keinen Unbeteiligten oder jemanden unter achtzehn. Betrachtet man alle Regeln, die es so gibt, fällt es einem schwer, diese ernst zu nehmen.

Ein Joe, der sieben Jahre lang meuchelmordend durch die Gegend zog, soll sein Handeln nie hinterfragt haben? Auch wenn der Hass ihn umtreiben sollte, weil die Gegenseite mehrere seiner Familienmitglieder getötet hat, und er mit sechzehn umfassend indoktriniert worden ist, ist sein Verhalten kaum nachvollziehbar. Es winken ihm ja noch nicht einmal die Hkr+yt im Paradies.

Paranoia Der Hinterhalt ist der erste Teil einer bereits vollendeten Trilogie. Vielleicht hält sich der Autor aus dramaturgischen Gründen mit Hintergrundinformationen zu den verfeindeten Parteien zurück und füllt das Vakuum in den folgenden Episoden. Diese Reserviertheit könnte für ihn aber zu einem Eigentor werden. Die erste Folge eines Fortsetzungsromans sollte schon Appetitanreger sein, sollte neugierig machen auf das, was noch folgt. Wenn man sich durch eine abstruse Geschichte, die noch nicht einmal besonders spannungsgeladen daherkommt, quälen muss, dann ist ein Clou am Ende einfach zu wenig. Es ist vertane Lesezeit, wenn ein Autor es nicht schafft, die Emotionen seiner Protagonisten zu vermitteln. Es ist nicht so, dass sie keine Gefühle hätten, nur wirken sie so falsch und aufgesetzt wie das Regelwerk dieser virtuellen Scheingesellschaft.

PS: Ich möchte nicht versäumen, dem Goldmann-Verlag zu dem gelungenen Cover-Foto zu gratulieren. Es passt zwar nur bedingt zum Inhalt des Buches, hat aber Atmosphäre. Weiter so!

Der Hinterhalt

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Letzte Kommentare:
29.01.2013 03:38:47
Michael Bergmann

Soeben habe ich das Buch ausgelesen und anschließend die obige Rezension gelesen. Natürlich mag deren Verfasser seine eigene Meinung vertreten, aber Gleiches sei auch mir gestattet.
Ich ging völlig unbefangen an die Lektüre, habe das Interview am Anfang nicht gelesen und werde das auch nicht tun. Die Story ist reichlich konstruiert, aber da ich sie für eine Parabel auf die heute existierende Welt halte, konnte ich damit umgehen. Da wäre ein Mehr bei der Charakterisierung der beiden Kriegsparteien als Gute und Böse nur störend gewesen. Spannend war die Story allemal und ein eingefleischter Thriller-Verschlinger wie ich freut sich auf die Fortsetzung. Hoffentlich nicht wieder in dieser schlimm klingenden, wenn auch korrekten deutschen Grammatik.