Luther

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: Simon & Schuster, 2011, Titel: 'The calling', Originalsprache
  • Berlin: Der Audioverlag, 2012, Seiten: 5, Übersetzt: Oliver Stritzel

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Lars Schafft
Der Ritter von der traurigen Gestalt

Buch-Rezension von Lars Schafft Feb 2012

Normalerweise sind Bücher zum Film mit Vorsicht zu genießen. Zu eindeutig scheint die Motivation dahinter, Kapital zusätzlich aus Bestehendem zu schlagen. Bei Luther ist es anders: Die Kreation in TV- wie Romanform muss man als Gesamtkunstwerk betrachten, von Autor über filmische Inszenierung bis zum Hauptdarsteller. Tut man dies, steht man vor etwas erfreulich Genuinem im Genre.

John Luther ist Inspector bei der Serious Crime Unit in London. Ein Baum von Mann, dunkelhäutig, hitzköpfig, jähzornig, gerechtigkeitsverliebt und brillant, vor allem dank seiner Intuition. In der gleichnamigen BBC-Serie, die kürzlich im ZDF ausgestrahlt wurde, wird er gemimt von Idris Elba (bekannt als "Stringer Bell" aus der herausragenden US-Krimi-Serie The Wire), welcher dafür den Golden Globe erhielt. Machen wir uns nichts vor: Die Figur DCI John Luther ist ohne Idris Elba nicht vorstellbar. Weil im Buch kaum ein Wort über das Aussehen des Protagonisten verloren wird. Und weswegen der Schauspieler sehr markant auf dem Cover abgebildet ist.

Und das ist vielleicht das größte Manko am Buch Luther. Die Drohung. Es funktioniert in erster Linie dann, wenn man es vor dem geistigen Auge mit der TV-Serie in Verbindung bringt. Denn es liest sich größtenteils wie ein Drehbuch: kurze Sätze im Präsens, wenig Innenperspektive, dialoglastig.

Und – um die Ambivalenz zu unterstreichen: John Luther, wie er tickt und warum er so tickt, erfährt der Leser vor allem aus der Außenperspektive, beispielsweise durch seine Frau Zoe. Die ihn betrügt, weil er mit Herz, Kopf und Seele nur noch bei den Toten sei. Die ihn daran erinnert, wie er nach einem seiner schlimmsten Fälle nach Hause kam und in zehn Minuten einen halben Liter Whisky soff, um danach ins Weinen zu verfallen.

Doch gerade dieses Unklare, was diesen Mann dazu bewegt, auf der einen Seite moralisch, gutmütig und liebevoll zu sein, auf der anderen Seite skrupellos zu Gewalt neigt, macht den Reiz dieses Multimedia-Projekts aus. Es ist der Charakter, der fasziniert, verstört, abstößt und anzieht. Ja, von diesem Mann möchten wir mehr lesen und mehr sehen. So lange, bis sich die Hintergründe im Nebel Londons aufklaren.

Da spielt es dann auch keine große Rolle mehr, dass der Plot in Luther. Die Drohung eigentlich weniger originell als vielmehr shocking ist: Ein Killer sucht sich ein gut situiertes Ehepaar aus (er Sozialtherapeut, sie Eventmanagerin), das nach langer Zeit endlich Nachwuchs erwartet. Er stalkt es, bricht in sein Haus ein, schlachtet beide ab und entführt das ungeborene Kind. Dazu diverse Nebenkriegsschauplätze mit kriminellen Immobilienhaien, brutalen Schlägern und aufs Besonderste spezialisierte Prostituierte. London im Düsteren, Brit-Noir.

Unterm Strich bleibt als roter Faden in Luther die bohrende Frage: Mit welchen Mitteln lassen sich hehre, bürgerliche Motive wie der Wunsch nach einer intakten Familie, nach einer innigen Beziehung, nach Gerechtigkeit erzielen? Und sind diese Mittel, zu denen Luther wie der Killer greifen, in irgendeiner Form zu legitimieren? Darauf gibt es keine Antwort. Wir lesen nicht nur von Verbrechen, sondern vom Zerbrechen.

Das macht John Luther zu einer tragischen Figur. Er kann nicht anders. Und weiß nichtmals, warum. Wie und ob er darauf eine Antwort findet, ist an diesem Hardcore-Thriller vielleicht das Spannendste. Oder an seinem Nachfolger. Nichts dagegen, John Luther nochmals so tiefst leidend zu begleiten. In Buch- wie TV-Form.

Luther

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Letzte Kommentare:
15.03.2012 17:37:46
dirkeickenhorst

Dieser guten Rezension kann ich nichts hinzufügen, außer vielleicht der nicht ganz ernst gemeinten Frage, ob Lars Schafft eine Zeitmaschine besitzt, die ihn zum Schreiben dieser guten Rezension in das Jahr 2011 zurückkatapultiert hat? Kann ich mir die mal ausleihen? Ich würde den NaNoWriMo 2011 gern nochmal mit meinen aktuellen Ideen für meinen Roman schreiben ...