Heißer Abriss

Erschienen: Januar 1990

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 1990, Seiten: 187, Übersetzt: Jürgen Langowski
  • New York: Random House, 1980, Titel: 'The Rat on Fire', Seiten: 183, Originalsprache

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Dieter Paul Rudolph
Brennende Ratten, banale Gespräche

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Feb 2012

Behaupte niemand, Hausbesitzer und andere Kapitalisten seien Ausbeuter. Manchmal dreht die schnöde Wirklichkeit den Spieß um und schröpft diejenigen, die eigentlich zum Abkassieren geboren sind. Bill Malatesta, Ermittler beim Fire Department, und der dubiose Winkeladvokat Jerry Fein können ein trauriges Lied davon singen. In gutem Glauben haben sie Mietskasernen gekauft, aber die Gegend ist nach und nach verslumt, jetzt wohnen "Nigger!" in den Häusern, zahlen die Miete nicht, reißen die Rohre aus den Wänden, um sie zu verscheuern, und werfen den Müll einfach aus den Fenstern. Anstatt zu verdienen, müssen die Eigentümer kräftig zuzahlen. Aber zum Glück sind die Häuser ja gut versichert...

Darum geht es in George V. Higgins' Roman – und auch wieder nicht. Ein Versicherungsbetrug, bei dem brennende Ratten (The Rat on Fire heißt das Buch im Original) unfreiwillig als Brandstifter fungieren sollen, schlechtgelaunte Polizisten und schmierige Ganoven, Spitzel und Politiker, die ihr Stimmvieh bei Laune halten müssen, ein ganzes Panoptikum organisierter Kleinkriminalität. Das ist der Stoff für Hartgekochtes. Aber hallo; wir reden hier über George V. Higgins – und der ist ein singuläres Ereignis in der Kriminalliteratur.

Wie in allen Romanen von Higgins wird auch in Heißer Abriss überwiegend geredet. Etwa ein Dutzend Personen unterhalten sich, meist zu zweit, über Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, das eigentliche erzählerische Element ist knapp und präzise gehalten. Malatesta engagiert den Ganoven Leo Proctor, damit er sich der eleganten warmen Sanierung der unrentablen Bauwerke annimmt. Der wiederum spricht mit dem zögerlichen Dannaher. Immer wieder schweifen sie ab, dann geht es um Alltäglichkeiten, um völlig banale Dinge. Auch zwei Fernfahrer tauchen stets wie zufällig in der Nähe der Ganoven auf, man sitzt in einer Bäckerei mit Café und schimpft, weil wieder kein Kuchen mehr da ist. Manchmal sind die Dialoge von lakonischer Konzentriertheit, dann wieder bricht es aus den Sprechern heraus, sie setzen zu seitenlangen Monologen an, die scheinbar nichts mit den Ereignissen zu tun haben.

Das ist kein Stoff für Leser, die "nichts Überflüssiges" wollen, keine geeignete Lektüre für LiebhaberInnen einer geradlinig vorangetriebenen Handlung. Zumal kein Held als Identifikationsfigur zur Verfügung steht (auch ein Markenzeichen von Higgins, von dem er nur selten – etwa in den vier Romanen um den Strafverteidiger Kennedy – abweicht) und die Polizei jederzeit über die Aktivitäten der Ganoven informiert ist. Am Ende kann sie den "heißen Abriss" zwar nicht verhindern und auch nicht, dass ein Mensch dabei ums Leben kommt. Bis zu diesem Ende jedoch entwirft Higgins einen faszinierenden Kosmos aus Verbrechen und Alltag, ein Soziogramm gewissermaßen, in dem sich Tragik und Komik übergangslos abwechseln. Auch dies gehört zum bewährten Instrumentarium des Autors, der die Welt des organisierten Verbrechens von Berufswegen kannte und, ganz wichtig, immer genau zuhörte.

Wie alle deutschen Ausgaben der Higgins-Romane ist auch Heißer Abriss zur Zeit nur antiquarisch erhältlich. Kostet nicht viel – und kann der Auftakt einer großen literarischen Liebesbeziehung sein.

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