Tod eines Dissidenten

Erschienen: Januar 1986

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 1981, Titel: 'Rostnikovs corpse', Seiten: 239, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 1986, Seiten: 236, Übersetzt: Wolfram Ströle

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Jörg Kijanski
Etwas in die Jahre gekommen, aber durchaus (noch) unterhaltsam.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2012

Dem Dissidenten Alexander Granowskij soll der Prozess gemacht werden, doch obwohl er vom KGB überwacht wird, gelingt es seinem Mörder, ihn in seiner Wohnung mit einer rostigen Sichel zu erstechen. Überraschend wird nicht der KGB, sondern die Polizei mit den Ermittlungen unter Leitung der Staatsanwältin Anna Timofejewa beauftragt. Sie setzt ihren erfahrenen Inspektor Porfirij Rostnikow auf den Fall an, der mit seinen Mitarbeitern Emil Karpow und Sascha Tkatsch auf Spurensuche geht. Zunächst ergeben die Befragungen von Granowskis Nachbarn ebenso wenig wie die Aussagen anderer Dissidenten, mit denen er Kontakt hatte. Nur zwei Sachen werden deutlich: Granowski war durchweg unbeliebt und niemand hat ein Interesse daran, mit der Polizei zu reden. Für seine Frau Sonja ist ohnehin klar, wer hinter der Ermordung ihres Mannes steht; wahlweise der KGB oder die Polizei.

 

„Es gibt zahlreiche Menschen in anderen Ländern und in unserem eigenen Land, die davon überzeugt sein werden, dass Leute von der Regierung dafür verantwortlich sind."
„Und was ist, wenn sie am Ende recht behalten?"
„Dann werden wir noch einmal darüber reden."

 

Im Laufe der Ermittlungen bekommt Rostnikow aber ein anderes Problem, denn sein Sohn Jossif wurde nach Afghanistan verlegt. Beim KGB teilt man Rostnikow mit, dass man durchaus Mittel habe, Jossif von der Front zurückzurufen, sofern denn die Ermittlungen in Kürze zum Erfolg führen. Rostnikow findet den vermeintlichen Mörder, doch ist dieser Ermittlungserfolg auch politisch erwünscht? Als Rostnikow erahnt, dass er womöglich den falschen Mann verhaftet hat, bringt er sich in Schwierigkeiten...

 

„Es ist nicht so einfach, Rostnikow! Es gibt politische Implikationen, die wichtiger sind als..."
„Wichtiger sind, als den richtigen Mörder zu finden?"
„Vielleicht sogar das. Der Staat und seine Bedürfnisse stehen über der Rechtsfindung in einem einzelnen Mordfall. Wir sind nicht so naiv wie die Schweden oder Amerikaner, die an simple Wahrheiten glauben, die die Welt beherrschen und die Menschen gerecht, ehrlich und rechtschaffen machen werden. Man muss immer wieder wählen. Es gibt nichts Absolutes. Es gibt nur bestimmte Situationen."

 

Tod eines Dissidenten erschien im Original bereits 1981, was man stets bei der Lektüre im Hinterkopf haben muss. So gibt es beispielsweise in Moskau nur wenige Autos, kaum Benzin und nur rund ein Dutzend Werkstätten, in denen Autos repariert werden können, sofern es denn die passenden Ersatzteile gibt. Man muss also „umdenken", denn heute ist Moskau eher für vielspurige Hauptverkehrsstraßen bekannt, auf denen täglich der Verkehr kollabiert. Dies nur zum allgemeinen Verständnis.

 

Chrapenkow war achtundzwanzig Jahre alt und gehörte seit vier Jahren dem KGB an. Vor ihm war schon sein Vater im KGB gewesen. Er hatte noch Berija gekannt. Chrapenkow senior war für Loyalität und mäßigen Verstand bekannt gewesen und nie über die niedrigsten Chargen hinausgekommen. Sein Sohn stand im Ruf, diese Familientradition fortzusetzen.

 

Stuart Kaminsky war (er verstarb 2009) ein Vielschreiber, dessen Protagonisten Toby Peters, Abe Lieberman, Lew Fonesca und eben Porfirij Rostnikow heißen. Zudem schrieb er die ersten drei Folgen der CSI New York-Bücher. Doch zurück zu Rostnikow, 1941 bei der Schlacht von Rostow durch einen Granatsplitter am Bein verletzt und inzwischen 52 Jahre alt, ist einer der guten Polizisten Moskaus.

 

„Ich bin Inspektor Rostnikow. Profirij Petrowitsch Rostnikow. Mein Vater war ein begeisterter Leser von Schuld und Sühne und hat mich nach dem Detektiv genannt. Ich habe mir immer eingebildet, dass das etwas damit zu tun hatte, dass ich Polizist wurde."

 

Gleichwohl weiß er natürlich, dass er seine Ermittlungsergebnisse mitunter passend zu machen hat, wobei er diesen Teil des Jobs gerne der Staatsanwältin überlässt. Seine Partner sind ebenfalls gut gezeichnete Figuren. Emil Karpow ist der Inbegriff des Hundertprozentigen, dem Fehler zutiefst zuwider sind und der erst gar nicht versucht Freunde zu finden oder gar bei Kollegen beliebt zu sein. Sascha Tkatsch ist noch jung und daher recht unerfahren, was auch im vorliegenden Fall zu dem ein oder anderen Fehler führt.

Neben dem ansprechenden Ermittlungstrio wird der Handlungsort Moskau ansprechend vorgestellt, einschließlich der politischen Verhältnisse; Intrigen und korrupten Machenschaften wäre vielleicht besser formuliert. Allein die Art der Auflösung und der Umstand, dass sie drei Fälle parallel untersuchen (warum eigentlich, gilt es doch ein Kapitalverbrechen aufzuklären?) stört ein bisschen. Vor allem der letzte Punkt scheint nur dazu zu dienen, dass ohnehin dünne Büchlein noch ein wenig aufzupumpen. Wer den Staub vom Buchdeckel pustet und sich auf die „Zeitreise" einlässt, wird dies dennoch kaum bereuen. Dafür sorgt der augenzwinkernde Sprachwitz des Autors.

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