Tod in der Atacama

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Santiago de Chile: Planeta, 1996, Titel: 'El alemán de atacama ', Seiten: 251, Originalsprache
  • Berlin: Bloomsbury, 2012, Seiten: 352, Übersetzt: Carsten Regling

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Jochen König
Vom Leben und Sterben in der Wüste

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2012

Chile ist nicht gerade das El Dorado der Kriminalliteratur. Roberto Ampuero bemüht sich mit seinen Romanen um den aus Kuba stammenden Privatdetektiven Cayetano Brulé, dass der südamerikanische Staat auf der Krimi-Landkarte sichtbar bleibt.

Zögerlich finden Ampueros Bücher Einzug in deutsche Buchhandlungen. So stammt Tod in der Atacama aus dem Jahr 1996, erlebte aber erst im Juni 2013 seine deutschsprachige Erstveröffentlichung. Was ein wenig verwundert, denn die gewählten Themen (Entwicklungshilfe, Wassergewinnung in der Wüste, Giftmüll und politische Verstrickungen) sind durchaus noch aktuell, zusätzlich besitzt das Buch einen starken Deutschland-Bezug. Damit kennt sich der Autor erklecklich aus, lebte er doch etliche Jahre in beiden Teilen der jetzt geeinten Republik.

Brulé wird von der deutschen Journalistin Cornelia Kratz (von der FAZ, falls die jemand kennt) beauftragt, den Tod des Ingenieurs Willi Bahlsen zu untersuchen. Von den Behörden schnell als Raubmord abgehakt, begibt sich Cayetano nach San Pedro, im Norden Chiles gelegen, eine Oase in der Acatama-Wüste, und beginnt mit seinen eigenen Ermittlungen. Die Journalistin im Schlepptau. Verdächtige sind bald gefunden, die Motive der jeweiligen Aspiranten weisen aber weit auseinander. So könnte Bahlsens Tod mit dem risikoreichen Versuch der Wassergewinnung zusammen hängen, die ihm etliche Feinde eingebracht hat, möglicherweise ist er dem organisierten Drogenhandel in die Quere gekommen, er könnte sich aber auch in Liebeshändeln verfangen haben. Oder vielleicht doch etwas ganz anderes?

Brulé lernt Land und Leute kennen, gewinnt Freunde, erfährt viel über die Lebensweise der Acatamas, ihren Mythen und der Verlockungen, die mit diesen Mythen einhergehen (sagenhafte Gold- und Schmuckschätze), begegnet aber auch sinisteren Figuren, die teils im Auftrag deutscher Firmen in Chile weilen oder – so wird zumindest kolportiert – in Drogendeals und andere Verbrechen involviert sind. Zwischendurch riskiert der Detektiv bei Verfolgungsjagden sein Leben (die dünne Höhenluft ist tückisch), wird vom Verfolgten gerettet und macht weiter. Wenn er nicht gerade von einer Rückkehr in sein geliebtes Havanna träumt. In die Idealvorstellung, die er davon hat, nicht in der Realität, da sei Fidel vor.

Tod in der Atacama ist ein warmherziger Roman, voll leiser Komik, der mit viel Wissen und der Vermittlung desselben aufwartet. Ampuero ist ein geschickter Fabulierer, Fakten und Fiktion werden auf unterhaltsame und intelligente Weise vermischt, kleine, perfide Weisheiten werden dem Leser mit jenem Gestus untergejubelt, der einem traulichen Hundeblick gleicht: "Ich meine es ja nicht böse." Das nehmen wir dem Autor und seinen Figuren ab, die allesamt Charme besitzen und jenseits einer schnöden Schwarz-Weiß-Zeichnung bestens funktionieren.

Wahnsinnig spannend ist das alles jedoch nicht. Die Geschichte entwickelt sich fast zwangsläufig, zerfasert mitunter, so werden Motive (wie der Erzählstrang um Drogenhandel und hörige Behörden) kurz aufgegriffen, fallen gelassen und endgültig vergessen. Cayetano Brulé mag ein individueller (und recht egozentrischer) Ermittler sein, mit Hardboiled-Literatur hat Tod in der Atacama kaum Berührungspunkte. Die Grundlage und bestimmte Handlungs- und Verhaltensmuster mögen ähnlich sein, doch Brulé gleicht eher seiner, nur widerstrebend in Kauf genommenen, Begleiterin, der Journalistin Cornelia Katz. Abgesehen vom Äußeren (Glatzköpfig, kurzatmig, übergewichtig; gut, der Schnäuzer ist anwesend) gibt es bestenfalls Ähnlichkeiten zum laissez faire des auf Hawaii ermittelnden Thomas Magnum. Die Welt in der Brulé und seine Compadres leben, ist trotz allen Unbills, eine freundliche. Dabei werden die düsteren Seiten der Realität nicht verleugnet, sondern sehr bewusst wahrgenommen. Ampueros Protagonisten ist allerdings klar, dass das Leben Alternativen ermöglicht. Das macht Tod in der Atacama, neben allem Erfahrenswerten, so unterhaltsam und lesenswert.

 

For life is quite absurd
And death's the final word
You must always face the curtain with a bow.
Forget about your sin - give the audience a grin
Enjoy it - it's your last chance anyhow.

 

Tod in der Atacama

Tod in der Atacama

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Letzte Kommentare:
24.07.2012 15:25:16
sibylle

krimi mit tiefgang. man erfährt, dass es das volk der atacamenos gibt, lernt über die wüste und nebenbei ist auch viel sozialkritik dabei über entwicklungshelfer und ihre machenschaften, bzw. die machenschaften der regierungen. sehr lohnenswert.
es gibt da auch versteckten rassismus unter den lateinamerikanern, brulé eckt als kubaner immer an.