Die Schuldlosen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2012, Übersetzt: Franziska Pigulla

Couch-Wertung:

45°
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Brigitte Grahl
Spießbürgerliche Abgründe

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Jan 2012

Petra Hammesfahr ist eine feste Größe in der deutschen Krimilandschaft. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie charakter- und milieuorientierte Thriller. Über 30 Romane hat sie seit ihrem ersten Buch 1991 Das Geheimnis der Puppe veröffentlicht, inzwischen kommen sie in längeren Intervallen auf den Markt. Die Schuldlosen hat alles, was man von der Hammesfahr gewohnt ist und gerade das ist das Problem. Der Wiedererkennungswert ist hoch, selbst die Ausgangsidee – ist der Außenseiter Täter oder Opfer? - ähnelt diversen Vorgängern. Ort der Handlung ist wieder die Provinz, die Beteiligten sind Leute wie du und ich, hinter deren biederer Fassade Abgründe lauern. Jede Familie hat ein dunkles Geheimnis und zusammen sucht man sich gerne einen Sündenbock für die unschönen Sachen, die ans Tageslicht kommen.

Ist der Außenseiter unschuldig oder ein Mörder?

Diesmal ist es der Außenseiter Alex, der als Twen wegen Mordes an der "Dorfmatratze" Janice verurteilt wurde und nach sechs Jahren Haft in sein Heimatdorf Garsdorf zurückkehrt. Sein Auftauchen sorgt für Unruhe. Seine Ex-Freundin Heike hat ihn damals belastet und fürchtet seine Rache. Sein damals bester Freund Lothar will nichts mehr von ihm wissen. Nur Alex platonische Freundin Silvie glaubt immer noch an seine Unschuld. Schließlich war Alex, der "Satansbraten", der "Teufel in Menschengestalt" damals so besoffen, dass er sich an nichts mehr erinnern kann. Oder behauptet er das nur? Es dauert nicht lange und es gibt wieder einen Mord in Garsdorf.

Der Leser hat es schwer, den Überblick zu erhalten

Das Buch ist in Prolog, Hauptteil und Epilog gegliedert. Nach einem atmosphärischen Prolog, der 1982 spielt und Unheilvolles ankündigt, springt der Hauptteil zwischen zwei Zeitebenen hin und her. Parallel zu den Entwicklungen in der Gegenwart des Jahres 2010 enthüllt sich Stück für Stück die Tat im Jahre 2004. Dabei nimmt sich Petra Hammesfahr viel Zeit, ihr umfangreiches Personal einzuführen, selbst die Nebenfiguren werden mit einer ausgearbeiteten  Biografie vorgestellt. Dazu kommt ein komplexes familiäres Beziehungsgeflecht. Auf dem Dorf sind alle irgendwie miteinander verwandt. Zusammen mit dem ständigen Zeit- und Perspektivwechsel fällt es schwer, den Überblick zu behalten, bzw. überhaupt erst zu bekommen.

Die Spannung lässt zu wünschen übrig

Der Spannung ist das ebenso abträglich wie die breit geschilderten Alltagsabläufe. Erst am Ende zieht Hammesfahr das Tempo an. Die Auflösung ist nicht wirklich überraschend, denn der Kreis der Verdächtigen hat sich bis dahin auf zwei Charaktere verengt. Auch die Motivation des Täters überzeugt nicht wirklich. Hammesfahr geht mit ihrer Charakterzeichnung eher in die Breite als in die Tiefe. Immerhin schafft es die Autorin über eine lange Zeit, mehrere Figuren verdächtig erscheinen zu lassen, indem sie Andeutungen und überraschende Enthüllungen einstreut.

Typisch Hammesfahr, aber nichts Neues

Hammesfahr setzt in ihren Büchern auf Charaktere statt Action. Aber statt sich auf die durchaus interessante Hauptfigur zu konzentrieren, geht sie ständig fremd. Ebenso hätte der Handlung eine Straffung gutgetan, sie verliert sich immer wieder in Nebensächlichkeiten. Das spießige Milieu schildert sie gekonnt und realistisch, aber ironiefrei. Nur selten würzt sie Die Schuldlosen mit einer Prise Humor. Alles in allem wirkt ihr neues Buch wenig originell und spannend und gehört zu den schwächeren Werken der Autorin. Ihre Fans bekommen das, was sie gewohnt sind, neue macht sie sich mit Die Schuldlosen nicht.

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