Verschwiegen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Carl´s books, 2012, Seiten: 384, Übersetzt: Silvia Spatz

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Wolfgang Weninger
Gut geschriebene Abwechslung vom kriminaltäglichen Allerlei

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jan 2012

Defending Jacob lautet der amerikanische Titel von William Landays dritten Roman Verschwiegen und das von Sylvia Spatz übersetzte, fast 500 Seiten dicke Gerichtsspektakel, das bei carl's books aus der Random House Gruppe verlegt wurde, liegt im Original deutlich näher an der Handlung, als es der momentan moderne deutsche Ein-Wort-Titel je sein könnte.

Denn in diesem Roman geht es um den jungen Jacob Barber, einem Schüler, der mutmaßlich seinen Mitschüler Ben Riffkin erstochen haben soll, weil dieser ihn gemobbt und misshandelt hatte. Nun ist aber Jacobs Vater Andrew Barber der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt und bekommt die Angelegenheit, gleichzeitig mit der Polizei, brühwarm auf den Tisch und handelt danach. Letztendlich kann er aber, trotz zahlreicher Hinweise, keine Ursachen finden, die seinen Sohn belasten.

Der Bezirksstaatsanwältin bleibt somit nichts Anderes übrig, als ihn von diesem Fall wegen Befangenheit abzuziehen und dienstfrei zu stellen und einen anderen Staatsanwalt, die Nummer Zwei in der Hierarchie, Neal Logiudice, mit dem Fall zu betrauen und der erhebt Anklage gegen Jacob Barber, denn die Beweise, oder was er dafür hält, scheinen wasserdicht zu sein.

Andrew Barber holt sich den besten, verfügbaren Verteidiger ins Boot und gemeinsam bauen sie eine Strategie auf, die den Jungen aus dem Schlamassel eines Geschworenenprozesses ziehen soll. Doch Barber hat in seiner Kurzsichtigkeit nicht damit gerechnet, dass ihn Logiudice auch von der Verteidigerbank her fertig machen kann ...

Wer Gerichtsaalkrimis mag, der wird von William Landay bestens bedient. Landay war selbst ein mittelmäßiger Staatsanwalt, den aber das Schreiben mehr interessiert hat. Und er webt aus der familiären Situation eine dichte Erzählung, in der nicht nur die Auswirkungen auf das Familienleben und die Psyche der einzelnen Mitglieder geschildert werden, sondern auch die plötzliche Leere, wenn jahrelange "Freunde" und Bekannte plötzlich weit abrücken.

Dass ein Mutterherz und ein Vaterherz selbstverständlich von einer vorgefassten Unschuldsmeinung ausgehen, ist auch nur zu leicht verständlich, aber die innerhalb der Familie nicht lückenlos bewältigte Vergangenheit von Andrew Barber und die sichtbar gespaltene Persönlichkeit des jungen Jacob lassen Gräben von Misstrauen untereinander aufbrechen.

Der Leser begleitet den Fall zum Einen als Zuhörer im Gerichtssaal und zum Anderen als Monolog des geschassten Staatsanwalts und wird immer tiefer in die Verstrickungen von Vater und Sohn hinein geführt.

Doch Landay schafft es, aus diesem ganz offensichtlichen Tatbestand doch noch einige finale Wendungen zu zaubern, die zwar eher amerikanischen Moralvorstellungen entsprechen, aber den Leser am Ende doch überraschen können.

Wir sehen in diesem Roman eigentlich sehr wenige Personen. Vater, Mutter, Kind, Staatsanwalt und Verteidiger und ein paar Randfiguren, die aber nicht ganz unwichtig sind. Bei allen liegen die Nerven auf Grund der psychischen Anspannung blank und der Leser kann hautnah verfolgen, wie sich die Familie Barber selbst aufreibt. Das entbehrt zwar nicht gewisser Längen und wiederholten Beschuldigungsszenarien, aber im Endeffekt ist Verschwiegen passend gut konstruiert und auch schreiberisch ansprechend gestaltet, mit der Einschränkung, dass man für diese Art amerikanischer Gerichtsbarkeit doch ein gewisses Faible haben muss.

Insgesamt ist Landays Roman eine willkommene und gut gemachte Abwechslung zwischen Bergen von Serienmördern und Kirchenattentätern und verdient sich eine Wertung ganz oben.

Verschwiegen

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Letzte Kommentare:
05.03.2014 20:03:10
Oldman

Dieses Buch ist eine merkwürdige Mischung aus Familienroman, Gerichtsthriller und Krimi.Bedauerlicherweise konnte sich der Autor aber nicht für ein Genre entscheiden. Da wir hier alle normalerweise keine Familienschmonzetten lesen muß ,man sich entscheiden, was nun wirklich Sache sein sollte. Ein Krimi ist es nicht, dazu gehört eine vernünftige Auflösung. Gerichtsromane können andere definitiv besser. Hier herrscht doch ziemliche Langeweile, die Zeugenaussagen sind zäh wie Kaugummi. Dennoch hat die Story etwas, die in Ich-Form erzählt wird. Und mit dem hier beschriebenen Ende hätte ich zumindest nicht gerechnet, das ist schon sehr böse. Alles in allem 60 %.

02.11.2013 13:17:38
Annette Traks

In einem kleinen, noblen Vorort von Boston wird der 13-jährige Ben Rifkin in einem Park tot aufgefunden – jemand hat ihn auf dem Schulweg mit drei Messerstichen getötet. Der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Andrew Barber übernimmt den Fall, obwohl er weiß, dass der Ermordete ein Klassenkamerad seines Sohnes Jacob war und man ihm daher Befangenheit vorwerfen könnte. Schon bald entdeckt er eine Facebook-Seite, auf der Mitschüler Jacob schwer belasten.
Auf Grund weiterer Aussagen und Indizien wird der Jugendliche schließlich des Mordes an Ben Rifkin angeklagt und etwa ein halbes Jahr später findet ein Geschworen-Prozess statt.
Als eine zentrale Frage ist dabei im Vorfeld von Gutachtern zu klären, ob Jacob in Bezug auf Veranlagung und Entwicklung ein normaler Jugendlicher ist. In diesem Zusammenhang und in Verbindung mit der Mordanklage ist sein Vater gezwungen, sich intensiv mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen und seiner Frau Laurie bis dahin Verschwiegenes (siehe Titel) zu gestehen. Diese kann ihm den Mangel an Vertrauen und Ehrlichkeit nicht verzeihen, und unter den enormen psychischen Belastungen gerät die einst heile Welt der Familie Barber immer mehr aus den Fugen. Doch auch, als die Aussichten für Jacob immer düsterer werden, sich Nachbarn, Freunde und Bekannte von ihnen abwenden und Andrew Barber mittlerweile suspendiert ist, durchleben sie zwar eine Achterbahnfahrt der Gefühle, halten aber eisern zu ihrem Sohn und tun alles für seine Verteidigung (Originaltitel: Defending Jacob).
Es bleibt bis kurz vor Schluss offen, ob Jacob das Gericht als freier Mensch verlassen kann oder für viele Jahre ins Gefängnis muss. Und selbst, als der Fall geklärt scheint, kommt es zu einer dramatischen Wendung, die dann von weiteren Ereignissen noch getoppt wird.

Resümee:
Ein sehr spannender Krimi, der aus der Sicht des (Ex-) Staats-anwaltes und Vaters Andrew Barber geschrieben ist. Auf diese Weise erlebt der Leser sowohl die Entwicklung der Familie als auch die des Falles hautnah mit. Später, während der Prozesstage, befindet er sich quasi mit im Gerichtssaal, wo die Vertreter der Anklage und Verteidigung Zeugen vernehmen und Plädoyers vortragen. Es ist wieder einmal faszinierend zu erfahren, wie ein und derselbe Sachverhalt je nach Intention überzeugend und logisch hinargumentiert werden kann und zu völlig konträren Schlussfolgerungen führt.
Von großem Vorteil für die Glaubwürdigkeit des Buches ist sicher, dass der Autor William Landay selbst ein ehemaliger Staatsanwalt ist.

01.10.2013 19:41:57
Doris Westerloh

Es ist mal was anderes. Ganz okay. Aber ich hab auch schon besseres gelesen. Man kann es aber gut weglesen, im Moment (fast am Ende) bin ich doch sehr gespannt wie es ausgeht und freue mich schon aufs Weiterlesen. Immerhin ein Buch, welches ich NICHT nach den ersten Seiten weglege. Ich lese es bis zum Ende. Von daher ist es schon mal nicht sooo schlecht, sondern ganz okay.

22.02.2013 09:30:04
Torsten

Lieder ist das Buch eine echte Mogelpackung, sowohl was den Klappentext als auch was die KC-Rezension angeht.
Den weder ist es ein Krimi oder Thriller der die Aufklärung des Mordes an Ben behandelt, noch ist es ein "Gerichtssaalkrimi". Beides kommt eigentlich nur am Rand vor und obwohl immer wieder protokollähnliche Passagen aus einem Prozess eingestreut sind, wird eigentlich nur so etwa zwischen Seite 300 und 430 vom Prozess berichtet.
Die ersten 300 Seiten sind schlicht ein Familienroman der von dem Zerbrechen einer Familie unter der Belastung einer Mordanklage gegen den Sohn handelt - und der inneren Zerrissenheit ob der Frage der Schuld oder Unschuld.
Und das wird wie gesagt auf 300 Seiten in ziemlich epischer Langeweile ausgebreitet - kaum etwas anderes als hin und hergewälzte Überlegungen über Schuld und Ursache.
Diese ersten 300 Seiten hätten maximal 10% verdient, die folgenden 130 Seiten die den Prozess abhandeln sind zwar recht flott zu lesen und tatsächlich für Fans von "Gerichtssaalkrimis", aber nun auch nicht herausragend.
Auf den letzten 50 Seiten nun folgen nochmal ein Doppel- und Dreifachtwist um dann schliesslich wieder als Familiendrama zu enden.
Das Ganze hat mich überwiegend gelangweilt und zwar vor allem weil mir zunehmend die unendlichen Auswälzungen der angenommenen oder unterstellten Gefühlslagen auf die Nerven gingen - jeder Blick und jedes Verhalten wurde tiefsinnig ausgelegt und interpretiert. Ausserdem kommt es mir reichlich unwahrscheinlich vor mit welcher Geschwindigkeit insbesondere die Mutter ihr doch seit 35 Jahren gefestigtes Familienleben verlässt bzw. verliert.
Noch eine Anmerkung: Da ich das Buch im Original auch vorliegen hatte, habe ich öfter mal Passagen im Englischen nachgelesen wenn mir die deutsche Fassung etwas unklar erschien - und ich muss feststellen, dass die Übersetzung teilweise wirklich schlecht ist, Kleinigkeiten auslässt oder Kleinigkeiten schlicht falsch darstellt. Nichts wirklich gravierendes, aber mitunter kommt ein ganz anderer Ton oder Stil heraus als im Englichen.

21.08.2012 11:35:47
Dani P.

Ich habe dieses Buch meinem Mann geschenkt und bin froh, dass er mich noch immer liebt. Am liebsten hätte er es mir um die Ohren geschmissen, es ist unspektakulär langweilig und vorhersehbar. Er hat sich bis zum Ende gequält und es sofort in die Trödelkiste gegeben. Das Buch kann er keinesfalls empfehlen, außer, man hat Einschlafschwierigkeiten.

13.08.2012 20:49:32
Michael E.

Bei mir lagen bei diesem Buch auch die Nerven blank, wie bei den Protagonisten. Aber nicht, weil die innere oder äussere Spannung kaum auszuhalten war, aomdern weil das Buch mit quälerisch langsamem Tempo seinem bald zu erahnenden Ende entgegen kroch. Dieses Buch ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt, imd ich hatte es glücklicherweise fast schon vergessen, bis ich auf diese Rezension stiess. Eine gute Übung in Toleranz. Meinen letzen tollen Krimi habe ich hier entdeckt, "Nur ein Toter mehr", aber dieser Landay hier: ein viel zu lang ausgewalzter Plot!