Der Schwanz der Schlange

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Havanna: Unión, 2001, Titel: 'La cola de la serpiente', Seiten: 205, Originalsprache, Bemerkung: enthält auch: Adiós Hemingway
  • Zürich: Unionsverlag, 2012, Seiten: 180, Übersetzt: Hans-Joachim Harstein
  • Zürich: Unionsverlag, 2013, Seiten: 184

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Jörg Kijanski
In jeder Hinsicht lesenswert!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2012

Teniente Mario Conde besucht nach vielen Jahren das Chinesenviertel von Havanna und erinnert sich dabei an einen verzwickten Fall aus dem Jahr 1989. Damals wurde der Chinese Pedro Cuang aufgehangen in seiner Wohnung gefunden. In seinen Körper waren Pfeile eingeritzt und der Zeigfinger der linken Hand abgeschnitten. Conde hatte eigentlich Urlaub, doch seine Kollegin Patricia Chion bittet ihn, den Fall zu übernehmen, denn nur ein Ermittler mit Kontakten zu der chinesischen Bevölkerung kann hier Erfolg haben. Den Kontakt soll Patricias Vater herstellen, doch dieser weigert sich, schließlich handelt es sich um eine rein chinesische Angelegenheit. Zunächst muss sich Conde erst einmal ein Bild machen, wer und was denn DER Chinese eigentlich ist, wobei er auf mitunter konfuse Vorurteile zurückgreift. "Chinese nix wissen" ist ein Satz, der oft zu hören sein wird und erst langsam erschließt sich dem Teniente der Fall. Denn was haben die Verletzungen des Pedro Cuang zu bedeuten? Liegt ein Ritualverbrechen vor? Erste Erkenntnisse führen in die Drogen- und Wettspielszene. Hat die Mafia ihre Hand im Spiel? Dann führt eine verheißungsvolle Spur in das kleine Dorf Regla, das Mekka der kubanischen Hexerei. Doch ist diese Spur nicht ansatzweise so verheißungsvoll wie die schönen Frauen, zu denen sich Conde hingezogen fühlt. Chaos auf allen Ebenen und dann eröffnet sich dem launischen Helden wider Willen die ganze Dramatik der Situation, in der sich die chinesischen Einwohner Havannas befinden und warum sie sich in ihren eigenen Mikrokosmos zurückziehen&

 

"Ja, kaum zu glauben, auch Chinesen werden manchmal umgebracht & Und wenn es passiert, sterben sie sogar. Selbst wenn sie hundert Jahre lang Tai-Chi gemacht haben &"

 

Leonardo Padura, der mit vielen internationalen Krimipreisen ausgezeichnete Autor, ist vor allem durch seinen Romanzyklus "Das Havanna-Quartett" bekannt. Die Erzählung "Der Schwanz der Schlange" stammt aus dem Jahr 1998, wurde aber viele Jahre später in ihre (vorläufig) endgültige Fassung gebracht. Dabei begegnen wir einem eigenwilligen Ermittler der sich nach schönen Frauen, Weltliteratur und einem guten Rum sehnt, während er seine eigentliche Profession weitgehend "Scheiße" findet (O-Ton). Privat kann er sich zudem nicht für eine Frau entscheiden, zumal ihn seine große Jugendliebe auf Abstand hält. Da hilft nur - immer öfter - ein guter Schluck Rum, dem der Teniente allzu gerne zuspricht. Reichlich desillusioniert versucht er derweil im Chinesenviertel einen Mörder zu finden und stößt dabei immer wieder auf eine Mauer des Schweigens, wie man sie so eher in Sizilien vermutet (wenngleich dort aus anderen Gründen). Der Krimiplot ist durchaus spannend, bildet aber nur den Rahmen für die eigentliche Geschichte. Eine Geschichte der Entwurzelung von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie so oft blieb dieser Wunsch unerfüllt ("Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.") und so bleiben nur noch Einsamkeit und Abscheu auf die eigene, verkorkste Existenz. Der Lebensweg von Patricias Vater steht hier stellvertretend für ein ganzes Stadtviertel und dessen Bewohner.

 

"Schlange hat Schwanz und hat Kopf. Von Kopf kommt man zu Schwanz, und von Schwanz man kommt zu Kopf. Pack die Schlange! Egal wo, immer kommst du zu anderes Ende. Aber Vorsicht! Wenn du die Schlange packst an Kopf, sie beißt zu."

 

Trotz des ernsten Hintergrundes ist Der Schwanz der Schlange ein unterhaltsamer und lesenswerter Krimi für alle Leserinnen und Leser, die es gerne anspruchsvoller haben. Besonders anspruchsvoll ist allerdings auch der Preis: 18,95 Euro für knapp 180 Seiten.

Der Schwanz der Schlange

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Letzte Kommentare:
23.04.2012 15:08:36
tedesca

Eigentlich ist Mario Conde ja schon seit Beginn des neuen Jahrtausends nicht mehr bei der Polizei, diese Geschichte ist also ein Rückblick auf einen Fall, den der damalige Teniente Ende der 1980er klären musste. Er führt uns in das Chinesenviertel von Havanna, das heute so gut wie nicht mehr vorhanden ist. Damals war es noch ein lebendiges Cuarto, in dem sich der Verfall aber immer mehr abzeichnete. Wobei Mord auch damals nicht auf der Tagesordnung stand, schon garnicht einer, den man auf den ersten Blick mit der Santeria in Verbindung bringen würde.



Wie immer verfällt der gute Teniente einmal mehr dem weiblichen Charme, wie immer stellt er sich selbst und seinen Lebensstil infrage, sieht sich selbst immer weniger als Zahnrad in diesem Mechanismus der Bürokratie. Und gerade diese persönlichen Aspekte machen diesen Roman zu einem Muss für Fans von El Conde, weil er ein Baustein mehr in der Geschichte eines Mannes darstellt, der sich letztendlich seinen eigenen Weg sucht, auch wenn das System es eigentlich nicht zulässt.



Die Geschichte selbst ist spannend und interessant. Bei meinem Besuch in Havanna war das Barrio Chino nur mehr eine ramponierte Häuserzeile mit ein paar aufgemalten Schriftzeichen, mir war nicht bewusst, welche Rolle es einst spielte und wie schwer seine Bewohner es hatten. So füllt sich eine kleine Wissenslücke, während man auf bestem sprachlichem Niveau unterhalten will. Für mich ein erfreuliches Leseerlebnis, auch wenn es nicht ganz an die Qualität seiner unmittelbaren Vorgänger anknüpft. Was daran liegen mag, dass Padura diese Geschichte vor vielen Jahren geschrieben und immer wieder umgemodelt hat.

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