Die Rachegöttin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Hard Case Crime, 2011, Titel: 'Choke hold', Seiten: 256, Originalsprache
  • Berlin: Rotbuch, 2012, Seiten: 224, Übersetzt: Gerold Hens

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Jochen König
Give em Head, Baby

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2012

Ihr erinnert euch an Hardcore Angel Dare? Ist ein bisschen her. Jetzt arbeitet sie in einem Diner, nennt sich "Julie", zumindest für den Moment, Zeit genug sich den Namen einzuprägen hat sie nicht. Denn obwohl sie im Zeugenschutzprogramm ist, betritt ihre Vergangenheit in Gestalt des ehemaligen Lovers "Thic Vic" den Wüstendiner. Nur ein seltsamer Zufall, denn er ist gar nicht dort um Angel zu treffen, sondern seinen Sohn Cody, den der Pornodarsteller und Drogenfreak Vic über Jahre vernachlässigte. Dumm nur, dass er wenige Augenblicke nach dem Zusammentreffen erschossen wird.

Ehe sie sich versieht, hat Angel die Verantwortung für Cody übernommen und ist auf der Flucht, schießwütige Gangster im Schlepptau. Zusammen mit Codys Ziehvater Hank "The Hammer" Hammond versucht sie den Jungen vor den Nachstellungen zu beschützen und ihm eine (TV)-Karriere als "All American Fighter" zu ermöglichen. Die Knochenbrecher-Variante von "American Idol" (hierzulande: DSDS). Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn Cody ist sehr begabt darin, sich Ärger einzuhandeln. Ganz der Sohn seines leiblichen Vaters. Und auch Angel gerät durch die Schießerei im Diner wieder ins Visier ihres kroatischen Widersachers Vukasin.

Sex & Crime, wenn jemand diese knappe Formel beherrscht, dann Christa Faust. In Gestalt ihrer "Rachegöttin" (von kleinerem Format) Angel verbinden sich Blut, Schweiß, Adrenalin und Lust zu einer explosiven Melange, in der sowohl Tod wie Orgasmen regieren. Ein Road Trip im Grenzgebiet; nach Mexico hinein und wieder raus – eine Herausforderung für Angel – im Visier von Gegnern, die wenig fassbar bleiben, und immer dann überraschend auftauchen, wenn eigentlich ein wenig Ruhe angesagt wäre. Im Verlauf der schnell voran getriebenen Handlung entwirren sich die verschiedenen Frontverläufe ein wenig; doch immer wenn unsere drei Helden etwas Klarheit in die Geschehnisse gebracht haben, taucht ein neuer Delinquent mit mörderischen Absichten auf.

Christa Faust zeigt eine Welt, die geprägt ist von schnellem, hartem Sex, dem teilweise vergeblichen Wunsch danach, und als Pendant eine Klientel, die ihre Interessen nur durch Gewalt adäquat vertreten sieht. Selbst wenn die Ergebnisse von vornherein desaströs erscheinen. Angel, Cody und Hank gehen einen bitteren Weg konsequent zu Ende. Ein Happy End ist nicht in Sicht. Oder?

Doch bei all den fliegenden Kugeln, ausgepackten Folterinstrumenten und niedergemetzelten Menschen, verkommt Die Rachegöttin nicht zu reiner Gewaltpornographie. Denn im Kern ist der Roman eine Erzählung von der Suche nach einem kleinen Stückchen persönlichen Glücks. Eine geradezu biedere Sehnsucht nach Familie und Zusammengehörigkeit, und dem Wunsch der eigenen Berufung folgen zu können, ohne anderen damit zu schaden. Außer sie möchten dies.

So ist Angel auch keine kaltblütige Killerin, sondern eher ein waidwundes Tier, das zurückschlägt, wenn es ihre Liebsten oder die Situation erfordern. Was im Verlauf des Romans mehrere Male der Fall ist. Und auf eine der Schwächen der Erzählung hinweist: Obwohl Angel in diverse Schießereien verwickelt wird, sich die Leichen türmen, bleibt die Polizei ein fernes Sirenengeheul am Horizont. Selbst ein Kontaktbeamter, der im Rahmen des Zeugenschutzprogramms ein Auge auf Angel hat, fehlt. Eigentlich hätten bereits nach dem bleihaltigen Auftakt sämtliche Alarmglocken schrillen müssen. Doch Christa Faust schafft lieber ein hermetisches Universum, in dem ihre Figuren um-, mit- und gegeneinander kreisen. Fokussiertes Erzählen, das die Beteiligten ausleuchtet, ohne den Umfang des Romans aufzublähen, und das hohe Tempo darunter leiden zu lassen. Angel erlebt quasi Geburt, Familiengründung, Zusammenleben und Tod im Zeitraffer. Und ist dabei immer auf Achse.

Dass das aus Angel, Hank und Cody bestehende Trio kaum Star einer typischen amerikanischen Sitcom werden dürfte, sollte klar sein. Wobei, in Anbetracht jüngerer Produktionen, in denen ein todkranker Chemielehrer als Meth-Koch Karriere machen darf, ist es vielleicht auch möglich, eine Ex-Pornodarstellerin mit dem Hang Leichen um sich zu stapeln, einen abgewrackten Kämpfer mit Gedächtnis- und Potenzproblemen und einen naiven, aufstrebenden Jungschläger, zum familiären Mittelpunkt einer TV-Show zu machen. Wenn da nicht die Kroaten wären, denen "Hardcore-Angel" in der Vergangenheit geschäftlich und körperlich hart zugesetzt hat und deren Anführer Vukasin nicht nur einen Lötkolben für Angel erhitzt hat. Leider wird die "Rachegöttin" in seiner Nähe für entscheidende Momente zum hilfsbedürftigen Mädchen; ein Wesenszug, der einerseits überrascht, andererseits nicht wirklich glaubwürdig ist. Hier obsiegt der dramaturgische Effekt, der ein so düsteres wie offenes Ende ermöglicht.

Die Rachegöttin ist ungestüm, rüde, obsessiv. Ein finsterer, kleiner Krimi wie man ihn sich wünscht, wenn man gerade vorher Arne Dahls Gier durchgestanden hat. Oder ähnliches. Stellt das Genre wieder auf die Füße: Okay, die Welt mag ein dreckiger Ort sein, voller alltäglicher Verbrechen, rabiater Tode und schlechtem Sex. Alles kein Grund, nicht vor der eigenen Haustür zu fegen. Oder sich zumindest den Besen dafür zu wünschen. Und weiterzumachen. Das mit dem Sex regelt Angel allerdings anders …

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