Cattolini erbt

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Saarbrücken: Conte, 2012, Seiten: 250, Originalsprache

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Jochen König
Die Geier, die krummen Hunde, die Killer und die Toten

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2012

Cattolini erbt. 17 000 Dollar von dem Penner Porky alias James Earl Madison der Dritte.. Was dem ewig klammen Ex-Cop und jetzigen Privatermittler aus der gröbsten finanziellen Misere hilft. Und gleichzeitig seine Neugier weckt. Denn Porky war kein enger Freund Cattolinis, die Erbschaft deshalb wenig naheliegend und sein gewalttätiger Tod gibt Rätsel auf. Vor allem als sich herausstellt, dass der traumatisierte Vietnamveteran ohne festen Wohnsitz selber Erbe eines Millionenvermögens war und ausgerechnet der Polizist Sanchez, der für Cattolinis Diskreditierung und Rauswurf verantwortlich zeichnete, die Leiche Porkys findet. Nachdem der sich angeblich ein finales Duell mit einem anderen Polizisten geleifert hatte. Mit doppelt tödlichem Ausgang.

Cattolini wittert Verrat und gezielte Manipulation der Außenstehenden. Stolpert über weitere Leichen im Zusammenhang mit Porkys Tod, findet im Bostoner Polizisten Lanini einen Verbündeten und Freund, mit dessen Hilfe er sich den Mördern Porkys mit torkelnder Unaufhaltsamkeit nähert. Dass Mafioso Alberto "Surfer Al" Surfalone in die Affäre verwickelt ist, freut Cattolini besonders. Denn erst Surfer Als Schweigen bei seiner Verhaftung verlieh Sanchez´ Korruptionsvorwurf gegen ihn Durchschlagskraft.

Nicht nur auf den ersten Blick bedient Peter J. Kraus Genreklischees. Sein Cattolini ist ein desillusionierter, am Rande des Existenzminimums agierender Schnüffler, der zu viel trinkt, raucht und seine Mitmenschen mit jener typischen Mischung aus flapsigem Witz und zynischer Weltbetrachtung eher verstört als erheitert. Geschieden, zeigt er wenig Interesse an seinem Sohn, dessen Existenz ihm kaum mehr als hämische Kommentare entlockt, während seine widerspenstige Ex-Gattin sein Interesse weit mehr entfacht. Bereits hier werden klischierte Bilder brüchig. Denn während Cattolini sich nach einer Annäherung an seine ehemalige Herzallerliebste sehnt, benutzt diese ihn nur nach Bedarf und präsentiert passend die Wachablösung in Gestalt eines so biederen wie tumben neuen Ehemanns. Cattolini wird lernen müssen loszulassen. Dank Lanini und den Wendungen, die der Roman zum Ende hin nimmt, wird es ihm gar nicht einmal so schwer fallen.

Cattolini erbt ist ein Roman, der seine Spitzen gegen eine Gesellschaft, deren Hauptantrieb Gier und Eigennutz sind, hinter einer launigen Erzählweise verbirgt. Kein sanftes Ruhekissen, sondern ein verlässlicher – aber wenig tröstlicher – Begleiter durch eine Welt in der die Korruption herrscht. Von der freundlichen, kleinen, die einen an sich rechtschaffenen Polizisten ein Stück Kuchen, ein Getränk, einen Snack im Vorbeigehen und für lau mitgeben lassen, bis zu dem menschenverachtenden Moloch, der ohne Rücksicht auf die Verluste anderer (inklusive des Lebens) ein Vertriebssystem aufbaut, mit dem sich prächtig Kohle scheffeln lässt. Cattolini, der eher phlegmatische Rumtreiber, der seine Abscheu vor diesen Zuständen mit Alkohol und einer Flut beißender Aphorismen ertränkt, beginnt eher aus Neugier als moralischer Verantwortlichkeit zu ermitteln, was den Tod seines Gönners, und in der Folge weiterer Menschen, verursacht hat. Dass ihn diese Ermittlung wieder in Kontakt zu seiner nicht ganz abgeschriebenen Ex-Frau bringt und sich unvermittelt die Chance offenbart, vergangenes Unrecht und ein gekränktes Ego zu rächen, beflügelt Cattolinis Suche.

Auf der er, wie es sich für einen stoischen Privatermittler gehört, mit dem Tod von Feinden, Freunden, Verrat und Solidarität konfrontiert wird und natürlich selbst in die Bredouille gerät. Eine Irrfahrt durch die süße Bitternis, mal vom Alkohol betäubt, mal hellwach, zwischen gepflegten Vororten und Villenvierteln hindurch zu sonnigen Stränden und schmuddeligen Parks, endend wie so oft in schäbigen Bars und noch schäbigeren Hotels. PI-Business as usual. Auf den ersten Blick. Der zweite offenbart eine langsame Veränderung. Spätestens mit dem Auftauchen und der aktiven Mitwirkung des ungleich pfiffigeren Seelenverwandten Lanini, wird aus dem Detektivroman ein Schelmenstück. Denn der Vorzeigebulle ohne Aussicht auf eine verdienstvolle Rentenzeit entwickelt mit Cattolini einen Plan, der alles andere als ethisch und moralisch korrekt ist, der aber die niederen Bedürfnisse nach Gerechtigkeit befriedigt sowie Cattolini und Lanini eine sorgenfreie Altersvorsorge beschert. Und Cattolini wird erst vierundvierzig. Leider ist der Plan nicht ganz risikofrei…

Wie Cattolini den Privatdetektiven spielt, spielt Peter J. Kraus mit dem hardboiled Krimi. Es gelingt ihm, weil er die Spielregeln ernst nimmt und sie mit Wonne benutzt, gleichzeitig um jenen gewissen Kniff ergänzt, der das Gewohnte mit Widerhaken ausstattet; die sich erst sanft, dann immer hartnäckiger festsetzen. Denn Cattolini ist kein aufrechter Kämpfer gegen die Ungerechtigkeiten der Welt, dem das Wissen um die Bewahrung seiner moralischen und intellektuellen Redlichkeit genügt, um vielleicht geschlagen, aber nicht gebeugt das Spielfeld zu verlassen. Zwar ist er integer und mit jenem Mindestmaß an Abscheu vor den Monstrositäten, die Menschen aushecken können, gesegnet, aber eine gehörige Portion Egoismus und Freude am Sichern eigener Pfründe ist ihm auch nicht fremd.

Je weiter der Roman voranschreitet umso deutlicher wird, dass Kraus nicht nur dem Andenken der Herren Hammett und Chandler dient, sondern auch Voltaire und Grimmelshausen zuweilen in der Rocktasche mit sich herumträgt. Ein augenscheinlich launiges Buch, das mit einem unglaublich himmelhochjauchzenden Happy End von tiefer Schwärze aufwarten kann. Kraus beherrscht die Kunst, vordergründig das eine zu sagen und hintergründig das andere zu meinen, geradezu meisterlich. Der richtige Lehrmeister für seine Protagonisten. Die mit einem lässigen Schulterzucken hinnehmen, dass offene Fragen bleiben werden. Warum grämen. Die Sonne scheint. Ein wahrhaft finsteres Buch.

Cattolini erbt

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Letzte Kommentare:
21.08.2012 14:59:30
Juristan

Hat mir sehr gut gefallen.Der "Held" ist ein heruntergekommener versoffener Ex-Polizist,der mit linken Tricks unehrenhaft entlassen wurde,sich mit Detektivjobs über Wasser hält.Er bekommt eine überraschende Erbschaft,ein ihm bekannter Pennerkumpel,der erschossen wurde,war steinreich.Die Umstände bringen noch mehr Merkwürdigkeiten zutage,Vic beginnt zu schnüffeln,plötzlich sterben etliche Leute...
Mit Unterstützung eines Bostoner Kripoleiters (die Handlung spielt in Los Angeles),schnüffelt er weiter,muss sich zugleich vor den Killern und der Polizei verstecken.
Das trostlose Pennerdasein wird ausgiebig dargestellt,mir kam die ausgiebige Beschreibung des Jammertals,in dem Vic sitzt,zu ausgiebig und lange vor.Aber bei dem Ende,das die Geschichte nimmt,war für mich die umfangreiche Milieuschilderung nachträglich doch sinnvoll und wichtig. 85°von mir