Ein letzter Job

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: Serpent´s Tail, 2011, Titel: 'Falling glass', Seiten: 309, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2012, Seiten: 397, Übersetzt: Peter Torberg

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Jürgen Priester
Das Barometer steht auf Sturm

Buch-Rezension von Jürgen Priester Jan 2012

Falling Glass, der englische Titel von Ein letzter Job bezieht sich auf ein Gedicht des in Belfast geborenen Lyrikers und Essayisten Louis MacNeice (1907–1963). Die letzten vier Zeilen des Gedichtes sind dem Roman vorangestellt:

 

It`s no go my honey love, it`s no go my poppet;
Work your hands from day to day, the winds will blow the profit.
The glass is falling hour by hour, the glass will fall forever,
But if you break the bloody glass you won`t hold up the weather.

 

In seinem Gedicht brandmarkt MacNeice die sozioökonomische Schieflage auf den Britischen Inseln in den 1920/30er Jahren. Er resümiert: So sehr du dich auch abrackerst Tag für Tag, dein Lohn wird vom Wind verweht. Das Barometer (glass) fällt stetig und vielleicht für immer. Auch wenn du das verdammte Barometer zerstörst, wirst du den Sturm nicht aufhalten.

Stürmischen Zeiten geht auch Adrian McKintys neuer Romanheld Killian, ein in die Jahre gekommener New Yorker Geldeintreiber, entgegen, als er einen vermeintlich leichten, aber nichtsdestotrotz gut bezahlten Job annimmt, der ihn wieder in seine alte Heimat nach Nordirland führen wird. Ein letzter Auftrag? Vielleicht!

Der in Carrickfergus bei Belfast geborene Autor ist ein fleißiger Mann. In den zurückliegenden 10 Jahren hat er ein Dutzend Romane geschrieben, von denen in Deutschland bisher die "Dead-Trilogie" veröffentlicht wurde, die in einschlägigen Kreisen Aufmerksamkeit erregte. Die Romane erzählen die heftig bewegte Lebensgeschichte des Iren Michael Forsythe, der als junger Mann Anfang der 1990er Jahre nach New York kommt und dort die harte Schule des Banden-Gewerbes durchläuft. Nach wilden Jahren mit Spezialaufträgen meist dubioser Auftraggeber hat er jetzt eine Position erreicht, in der er sich selbst nicht mehr die Hände schmutzig machen muss. In seinem Umfeld geht auch besagter Killian seinem Job als Mann für fast alle Fälle nach. Auf Forsythes Vermittlung hin soll Killian die Ex-Ehefrau und die gemeinsamen Töchter des irischen Millionärs Richard Coulter aufspüren.

Nach einer einvernehmlichen Scheidung und einer Zeit des distanzierten, aber respektvollen Umgangs miteinander verließ Rachel Coulter mit den Kindern das ihr zugestandene Domizil und tauchte irgendwo in Irland unter. Warum sie es tat, wissen nur sie und Coulter selbst. Die stümperhaften Versuche von Coulters eigenen Schergen, Rachel zu finden, waren von wenig Erfolg gekrönt, deshalb wendet sich der Millionär an seinen Rechtsanwalt Tom Eichel, einen Profi anzuheuern. Eichel hat gute Kontakte zur irischen und amerikanischen Unterwelt und Killian scheint ihm eine gute Wahl zu sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, schickt Eichel ihm den russischen Profikiller Markow hinterher, dessen Auftrag sich aber in einem nicht unwesentlichen Punkt unterscheidet. Eine gnadenlose Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt.

Vor einem Jahr hatte Killian beschlossen, nach aufreibenden Jahren seinen lukrativen Job in der Unterwelt an den Nagel zuhängen, um sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen, ein Architektur-Studium. Eine finanzielle Notlage zwang ihn, den eingeschlagenen Weg in eine mehr bürgerliche Existenz wieder zu verlassen. Routiniert beginnt er auch diesen Auftrag, der, wie er erhofft, sein letzter sein wird. Rachel und die Kinder sind schnell gefunden, doch der russische Killer ist ihm dicht auf den Fersen, wenn nicht gar einen Schritt voraus. Killians eh schon brenzlige Situation hat sich noch verschärft, da er nach dem ersten Zusammentreffen mit Rachel und ihren Töchtern Gefallen an ihnen gefunden hat und sich in der Rolle des Beschützers wiederfindet. Wie bei den sagenumwobenen Köpfen der Hydra scheinen, nachdem er ein Problem gelöst hat, zwei neue zu entstehen. Er, ein Mann, der es gewohnt ist, Probleme bevorzugt Kraft seiner Worte und seiner natürlichen Autorität zu lösen, wird von einer Spirale zunehmender Gewalt in die Tiefe gerissen. Sein persönliches Barometer fällt stetig und es ist am Ende nicht abzusehen, ob er diesen Sturm überleben wird.

Als Rezensent hat man ja nicht oft die Gelegenheit, die Covergestaltung eines Buches zu loben. Das Keltenkreuz, das wohl einen Grabstein krönt, vor einer Küstenlandschaft in leicht bedrohlichen Abendstimmung passt perfekt zum Inhalt des Romans. McKinty befasst sich ausführlich mit irischen Wurzeln und Traditionen, die sich nicht nur auf die Kelten oder auf die frühen Christen unter St. Patrick zurückführen lassen. Im Laufe der Jahrhunderte, die Geschichtsschreibung ist da nur vage, hat sich in Irland die soziokulturelle Untergruppe der "Pavee" gebildet, die sich durch eigene Sprache, Kultur und Wertesystem, aber nicht ethnisch von den Iren unterscheiden. Pavee heißt Reisende. Von den Iren werden sie auch Itinerants (Umherziehende oder Wandernde), von den Engländern Tinker oder Travellers genannt. Zu dieser Gruppe "Fahrenden Volkes" gehört auch Killian. Während seiner Irrfahrten durch Irland findet er bei ihnen einen sicheren Unterschlupf. Vertraute aber längst vergessene Erinnerungen an seine Kindheit und Jugendzeit in dieser verschworenen Gemeinschaft werden in ihm geweckt. Der Kontrast zu seiner Zeit in den USA oder seinem jetzigen Leben könnte nicht größer sein und er fragt sich, ob er nicht in seiner Lebensplanung den falschen Weg eingeschlagen hat.

Es scheint Adrian McKinty ein Anliegen gewesen zu sein, über Irland und die Iren zu schreiben, aber was kann man von einem Patrioten anderes erwarten. Schon in der Eingangsszene des Romans, die in einer auf "Irish Pub" getrimmten New Yorker Bar spielt, sinniert Killian über heilige Stätten auf irischem Boden und die Vergänglichkeit irischer Traditionen (ein vierblättriges Kleeblatt, das sich als Shamrock ausgab). Irlands bewegte Geschichte des letzten Jahrzehnte (Nordirlandkonflikt, Gewaltverzichtsabkommen) wird dennoch nur am Rande gestreift, ist aber unabdingbarer Bestandteil eines jeden Romans, der in Irland spielt, weil die Auseinandersetzung zwischen den katholischen Nationalisten und den protestantischen Unionisten alle Lebensbereiche tangiert.

Versiert gelingt es McKinty, seine kleinen sachbezogenen Exkurse in den von Dialogen geprägten Thriller-Plot einzuarbeiten, ohne dass Tempo und Spannung negativ beeinflusst werden.

Der Rezensent hätte Ein letzter Job gerne höher bewertet, aber der Plot ist in einigen Passagen zu klischeehaft (zwei Alleinstehende finden sich in der Not) und zu vorhersehbar (der unverwüstliche Held übersteht 1000 Gefahren). Der intelligente Schluss rettet vieles, aber nicht alles.

Ein letzter Job

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Letzte Kommentare:
03.10.2013 14:55:43
Eglfinger

Inhalt:
Killian ist ein Spezialist im Aufspüren von Menschen. Eigentlich hatte er sich schon zur Ruhe gesetzt, doch dann erhält er seinen Job des Lebens. Für eine halbe Million Pfund soll Killian die Ex-Frau eines einflussreichen, irischen Unternehmers finden und sie und die beiden Kinder zurückbringen. Eigentlich eine Kleinigkeit. Doch bald stellt sich heraus, dass sein Auftraggeber ein doppeltes Spiel spielt und einen russischen Auftragskiller auf ihn angesetzt hat. Als ihm klar wird, dass es sich nicht um eine reine Familienangelegenheit handelt, muss er sich entscheiden, auf welche Seite er sich stellt.

Meine Meinung:
Adrian McKinty entführt den Leser in das Nordirland der heutigen Zeit nach Beendigung des Nordirlandkonflikts durch das Karfreitagsabkommen. Dabei scheint es McKinty wichtig zu sein, über Irland, die Iren und deren Traditionen, die immer mehr verblassen, zu schreiben. Geschickt integriert er geschichtliche und informative Inhalte in die Dialoge, ohne dass darunter das Tempo des Romans leiden muss und man lernt eine Menge Dinge über irische Traditionen. Diesen Tiefgang verbindet McKinty auch noch mit einer Prise Humor, als zum Beispiel gleich zu Beginn unser Held in einem New Yorker "Irish Pub" dem Barkeeper versucht klar zu machen, dass ein vierblättriges Shamrock kein Shamrock sein kann.
Der Spannungsbogen ist einigermaßen gut gelungen doch es bleibt zu oft vorhersehbar, was als nächstes geschieht und es gibt nur wenige überraschende Wendungen. Auch dass sich zwei Alleinstehende in ihrer größten Not finden und sich lieben und der Held allerlei Gefahren übersteht ist mir zu klischeelastig.
Über das Cover schreibe ich selten etwas, da ich es nicht als so wichtig ansehe. Aber hier muss ich den Verlag loben. Ein Keltenkreuz auf einem Grabstein vor einer Küste im düsteren Abendlicht spiegelt genau den Inhalt des Romans wider. Wunderschön.

Mein Fazit:
Ein etwas leicht spannungsarmer Roman, aber mit viel interessanten irischen Details, gespickt mit schwarzen Humor und einem durchdachten Schluss. Von daher gebe ich 82Grad.

Trivia:
"Ein letzter Job" ist ein Spin-off, welcher auf der Dead-Trilogie um Michael Forsythe beruht. Man muss die Trilogie nicht gelesen haben um dieses Buch zu lesen, aber ich kann die Dead-Trilogie nur empfehlen.

Dead-Trilogie:
• Der sichere Tod
• Der schnelle Tod
• Todestag

21.08.2012 13:21:51
Moehrchen

Nur für Irland-Kenner

Rachel ist mit ihren fünf- und siebenjährigen Töchtern Sue und Claire auf der Flucht vor ihrem Exmann. Immer wieder muss sie die Wohnung wechseln, weil ihr Ex, ein einflussreicher Unternehmer, seine Häscher hinter ihr herschickt. Möchte er seine Töchter vor der drogensüchtigen Mutter schützen oder hat er einen andern Grund, warum er Rachel unbedingt finden möchte? Schließlich wird der Auftragsverbrecher Killian damit beauftragt Rachel und ihre Töchter zu finden. Doch alles läuft anders als gedacht...

Der Hauptprotagonist des Buches ist der Pavee - ein fahrendes Volk irischer Abstammung - Killian. Er ist ein Auftragsverbrecher, der sein Geld bisher mit Scheidungsgeschichten, vermissten Personen und Einschüchterungen verdient hat. Nun, da er in den Vierzigern ist, hat er sich zur Ruhe gesetzt und möchte an der Universität den Bachelor in Architektur machen. Doch dann nimmt er doch noch einen letzten Fall an, der sein Leben verändern wird.

Der Autor hat eine geradlinige Story geschrieben, die wenig Überraschendes bietet. Es wird viel Wissen über Irland vorausgesetzt, das mir als "Irland-nicht-so-sehr-Kenner" einfach fehlt. Ich hätte mir hier ein Glossar am Ende des Buches gewünscht. So hatte ich das Gefühl, dass ich vieles nicht mitbekommen habe und irgendwann hatte ich dann auch keine Lust mehr, das Ganze nachzuschlagen.

Adrian McKinty hat Killian und seiner Vergangenheit sehr viel Raum in seinem Buch gegeben, leider auf Kosten der eigentlichen Geschichte. Ihm ist es einfach nicht gelungen Spannung aufzubauen. Das Buch plätschert nur vor sich hin und auch die Ausführungen über das fahrende Volk und Killians Erinnerungen und Auseinandersetzungen damit, haben das ganze nicht spannender gemacht. Es hat mich auch ziemlich gelangweilt, dass so genau beschrieben wurde, welche Straßen - M25, A505 usw. - die Protagonisten verwenden. Das wäre vielleicht interessant gewesen, wenn man den Weg auf einer Karte hätte verfolgen können. Plant der Autor eine Vorsetzung oder wie soll man den Schluss sonst verstehen?

Ein Buch für Irland-Fans, die nicht viel Wert auf Spannung legen und lieber mit dem Protagonisten durchs Land fahren.

07.06.2012 13:12:45
anyways

Killian gehört zu den Pavees, dem fahrenden Volk, in der Umgangssprache auch weniger poetisch Tinker genannt. Auch wenn er die Seinen vor langer Zeit verlassen hat, lässt ihn die Vergangenheit nicht los. Das muss er auch feststellen, als ihn sein „Ziehvater“ auf einen neuen Fall ansetzt, obwohl Killian seinen Job als Auftragskiller an den Nagel gehängt hat, um stattdessen Architektur zu studieren. Der Job klingt leicht, eine Mutter mit zwei Kindern ausfindig machen, dafür eine halbe Million kassieren. Brisant wäre höchstens das die Gesuchte die Ex-Frau des Millionärs Coulter ist, und der seine Kinder unbedingt wieder haben möchte und damit das Ganze ja kein öffentliches Interesse weckt, die junge Mutter war schließlich schon in diversen Entziehungsanstalten ,wird der Profi engagiert. Killian schlägt zu, quälen ihn doch seit der Weltwirtschaftskrise finanzielle Probleme.

Doch sein Zielobjekt ergibt sich nicht so einfach und Killian scheint nicht der Einzige zu sein der die junge Mutter sucht. Stellt sich die Frage: Wer hier falsch spielt, und warum?



Dieser Roman wirkt auf mich von Anfang an überladen. Er hat von allem zu viel, zu viel Wirtschaftskrise und deren Folgen(selbstverständlich die Auslegung des Autors), zu viel Brutalität, zu viel altirischer Mythos und neuirische Lebensweisheiten und zu viele Bösewichter.

Über intermittierende Phasen von 10- 12 Seiten schafft es der Autor eine gewisse Spannung aufzubauen, die dann aber sofort wieder abflacht und ins Gegenteil umschlägt. Ich war mir nie sicher was ich eigentlich lese, ein Geschichtsbuch, altirische Prosa, einen Mafiathriller oder einen Aussteiger- Roman. McKinteys Schreibstil ist zwar stellenweise ausgefeilt, aber unterkühlt und irgendwie leblos. Das ist vom Autor zwar so nicht bezweckt, kommt bei mir als Leser jedoch so an.

Störend empfand ich ebenfalls McKinty‘s tiefe Einblicke in politische Aktivitäten und Gruppierungen einfach aus dem Grund, da er beim Leser zu viel voraussetzt. Mit dem Begriff IRA kann ich etwas anfangen, mit sämtlichen anderen Abkürzungen die der Autor gebraucht leider nicht. Das schafft Verwirrung und eine Unterbrechung vom Lesefluss.

Gefallen hat mir wiederum etwas über Irlands Bevölkerung zu erfahren, dass ich noch nicht wusste.

27.04.2012 09:28:51
Marius

Ir(r)e, dieser Roman

Hat der Suhrkamp bereits die Todes-Trilogie rund um den irischen Bad Boy Michael Forsythe veröffentlicht (Der sichere Tod, Der schnelle Tod, Todestag), legt der Verlag nun mit "Ein letzter Job" nach. Diesen titelgebenden Auftrag muss eine neue Figur im McKinty'schen Kosmos erledigen und zwar der auf den ur-irischen Namen hörende Vagabund Killian, der sich eigentlich aus seinem mörderischen Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Ein letzter Job, dann kann er seinen wohlverdienten Ruhestand antreten, dies verspricht ihm sein Boss Sean, doch wer Adrian McKinty kennt, der weiß, dass dabei meistens etwas schiefgeht und nicht jeder heil aus der Geschichte herauskommt.

Richard "Dick" Coulter, Besitzer einer Fluglinie, hat Killian über dessen Chef angeheuert, auf dass er seine Ex-Frau Rachel mit den beiden Kindern aufspüre, die nämlich einen Laptop mit kompromittierenden Details in ihrem Besitz hat, den Dick gerne wieder zurück hätte. Kompliziert wird das Ganze aber erst, als alte Animositäten in die Auftragslage und damit in die Jagd Killians hineinspielen, denn ein Untergebener Coulters heuert überraschenderweise noch einen skrupellosen russischen Killer an, der auf Rachel und die Kinder angesetzt wird. Schnell wird aus der Jagd nach Frau und Laptop eine brandgefährliche Gemengelage, in der Killian eindeutig Position beziehen muss. Verrät er seine Auftraggeber und beschützt Rachel vor dem sicheren Tod oder liefert er trotz seiner Skrupel Rachel und ihre Kinder bei Dick ab - mit ungewissem Ausgang?

Sonderlich innovativ ist er ja nicht, der Plot auf dem "Ein letzter Job" basiert. Auch Michael Mann oder andere Regisseure hätten diese Geschichte ersinnen können, allerdings wage ich zu bezweifeln, dass der Roman derart ausgefallen wäre, wie er nun dank Adrian McKinty vorliegt. Ruhige Passagen wechseln sich mit actionlastigen Sequenzen ab, man spürt förmlich das raue Klima und den Charme der grünen Insel durch die Seiten oszillieren - und obendrein gibt es noch ein paar wirklich interessanter und abgründiger Charaktere, die das Buch bereichern. Neben kurzen Gastauftritten (Bridget, Michael Forsythe), die eingefleischte Kenner schon aus Vorgängerwerken kennen, wird mit Killian ein widersprüchlicher aber dennoch liebenswerter Charakter in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt. Eigentlich müde von seinem mörderischen Tagwerk, will er nur noch seine Ruhe, bevor er in die Jagd nach dem Laptop und Rachel verwickelt wird. Diese verlangt ihm auch alles an Geschick ab, das er aufbieten kann. Neben seinen Qualität als Einstecker hat Killian nämlich eine große Gabe, und diese ist weder seine Schnelligkeit oder Kampfkraft (im ganzen Buch gebraucht er nahezu keine Waffen), sondern seine Zunge. Durch seine Eloquenz und sein Verhandlungsgeschick verschafft er es mühelos, säumige Kunden oder Gegner seine Chefs schnell und ohne Gewalt zu überzeuge und sie in die gewünschten Bahnen zu dirigieren.
Im ganzen aus diversen Perspektiven geschilderten Plot ist es diese des Killians, die wirklich am intensivsten in Erinnerung bleibt. McKinty versteht es, der zerrissenen Identität des wahlweise als Pavee oder auch Tinker (eine Art irischer Zigeuner) beschimpften Killians Leben einzuhauchen und so den Plot weg von einer Räuberpistole hin zu einem mehrschichtigen Werk zu bringen.
Doch bei aller Irland-Begeisterung sei auf eine kleine Besonderheit im Schreibstil McKintys hingewiesen, die allen Nicht-Iren möglicherweise etwas aufstoßen könnte. Er gebraucht (und hier ist der guten Übersetzung Peter Torbergs wirklich kein Vorwurf zu machen) jede Menge Begriffe des irischen Lokalkolorits, Zeitgeschehens und täglichen Gebrauchs, die den Lesefluss etwas hemmen. Begriffe wie Stew oder Aye dürfte man noch kennen, aber spätestens bei der Aufzählung und Schilderungen irischer Freiheitskampftruppen wie der IRA, UVF oder RUC wird's kompliziert. Wer sich an diesen Einsprengseln aber nicht stört oder scheut, bestimmte Termini nachzuschlagen, wird mit einem großartig spannend und reflexiven Buch belohnt, das mich zumindest noch über das Zuschlagen des Buchdeckels gefesselt und Lust auf Irland gemacht hat!

Fazit: Ein Roman wie die irische Insel. Abgründig, kantig aber auch unbestreitbar faszinierend!

20.04.2012 09:29:54
€nigma

Inhalt

Die dreißigjährige Rachel Coulter hat gemeinsam mit ihrem geschiedenen Ehemann Richard, dem schwerreichen Besitzer einer eigenen Fluglinie, das gemeinsame Sorgerecht für die beiden Töchter Claire und Sue. Obwohl sich das Paar gut mit dieser Situation arrangiert hat, entführt Rachel eines Tages die beiden Kinder und flieht mit ihnen kreuz und quer durch Irland. Richard, dessen gegenwärtige Ehefrau schwanger ist, möchte seine Kinder unbedingt wiederhaben und in seine neue Familie aufnehmen, zumal Rachel, wie er sagt, in der Vergangenheit immer wieder Drogenprobleme hatte.
Er engagiert den vierzigjährigen Killian, der , den sogenannten Pavee (einer Art irischen Zigeunerverbandes ) entstammend, eine kriminelle Vergangenheit hat und im Ruf steht, jeden Vermissten ausfindig machen zu können. Killian möchte auf seine alten Tage ein ruhigeres, ehrbares Leben führen, beschließt aber, diesen letzten Job anzunehmen, denn er hat ziemlich hohe Schulden. Zwei Dinge irritieren ihn allerdings: er wundert sich, dass für die Auffindung und Rückführung der Kinder eine so große Summe (eine halbe Million) geboten wird und er stellt fest, dass er selbst von einem wenig vertrauenerweckenden Mann beschattet wird, der offenbar dasselbe Ziel verfolgt wie Killian. Als er erkennt, dass es sich bei diesem unliebsamen Zeitgenossen um einen russischen Auftragskiller handelt, glaubt er nicht mehr an die harmlose Geschichte der "Familienzusammenführung" und gerät in ein Duell auf Leben und Tod mit seinem skrupellosen Konkurrenten...

Aufbau
Der Roman ist in der dritten Person und in der Vergangenheit geschrieben, die meisten Kapitel erzählen aus der Perspektive von Killian. Dabei stehen größtenteils der Wettlauf zwischen ihm und dem Russen und die Versuche, sich gegenseitig auszutricksen, im Mittelpunkt. Es sind immer wieder Kapitel eingeschoben, in denen aus Rachels Perspektive während ihrer Flucht berichtet wird.

Persönliche Beurteilung
"Ein letzter Job" ist vom rasanten Anfang bis zum Ende durchgehend sehr spannend, stellenweise aber auch ziemlich brutal und deshalb für empfindliche Leser mit Vorsicht zu genießen. Die Darstellung der Charaktere hat mir sehr gefallen, die Hauptfigur Killian erweckt Sympathie. Er ist zwar kein Bürger mit weißer Weste, hat aber gewisse Prinzipien und Ehrvostellungen und vermeidet Blutvergießen, wo er nur kann. Er hat das Talent, durch überzeugend bedrohliches Verhalten seine Aufträge zu erfüllen, ohne zum Äußersten gehen zu müssen. Andererseits handelt er aber sehr entschlossen und konsequent, wenn es sein muss. Wie viele seiner fiktiven Kollegen kann er allerdings zu viele Verletzungen einstecken und Strapazen verkraften, als dass es noch glaubwürdig wäre.
Interessant ist das Beziehungsgeflecht von Richard Coulter und seinen diversen Mittelsmännern, die mit Killian den regelmäßigen Kontakt pflegen. Killians ursprünglicher "Mentor" Michael Forsythe ist die Hauptfigur der im Klappentext aufgeführten "Todes-Trilogie". Da ich diese Romane nicht kenne, hatte ich manchmal Schwierigkeiten, gewissen Anspielungen zu folgen, was allerdings das Gesamtverständnis nicht sehr beeinträchtigt.
Ich hätte mir eine Karte Irlands im Buch gewünscht, um den stetigen Ortswechseln der Handlung besser folgen zu können. Ebenso wäre ein Glossar hilfreich gewesen, da ich mit einigen Begriffen (Pavee, Tinker, Namen irischer Feste/Traditionen) nicht vertraut war.

Von diesen kleinen Mängeln abgesehen bietet "Ein letzter Tod" spannende Unterhaltung. Das offene Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die ich dann auch lesen würde. Wer die Möglichkeit hat, sollte zunächst die Bücher des Autors um Michael Forsythe lesen, da man sich dann hier vermutlich mit dem Einstieg etwas leichter tut.