Das Nest der Nachtigall

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Palermo: Sellerio, 2011, Titel: 'Odore di chiuso', Seiten: 198, Originalsprache
  • München: Pendo, 2012, Seiten: 224, Übersetzt: Luis Ruby

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Andreas Kurth
Die Schönen und Reichen waren schon immer dekadent

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jan 2012

Die Familie des Barons Bonaiuti di Rocapendente ist an einem Freitagabend auf dem Familien-Schloss versammelt. Das Oberhaupt des Clans hat zwei Gäste zu einem Jagd-Aufenthalt über das Wochenende eingeladen. Der eine ist der Fotograf Ciceri, im Sommer 1895 noch eine seltene Erscheinung, und der andere hat sich als Autor eines Kochbuches einen Namen gemacht. Der bekannte Gourmet Pellegrino Artusi hat allerdings auch durchaus eine detektivische Ader, und die wird in der Hitze der Toscana schon nach kurzer Zeit gefordert. Denn am Sonnabend wird in der Frühe von einer der Damen des Hauses die Leiche des Majordomus des Anwesens in einem verschlossenen Vorraum zum Keller gefunden – sie hat durch das Schlüsselloch gespäht. Während Artusi seine ersten Schlussfolgerungen zieht, werden zunächst ein Arzt und dann ein Kommissar herbeigerufen. Der Polizist nimmt die Ermittlungen auf, und schon bald wird das Zimmermädchen Agatina scheinbar als Mörderin überführt – zumal sie auch noch auf den Baron geschossen haben soll. Artusi ist nun gefordert, nicht seine kulinarische, sondern vielmehr seine kriminalistische Kompetenz zu beweisen. Angesichts des "Hühnerhaufens" von aufgeregten Schlossbewohnern wird das allerdings sowohl für den Gourmet wie für den Kommissar zu einer harten Nuss.

Das Nest der Nachtigall ist ein höchst ambivalentes Buch. Für Freunde historischer Romane bietet es wohl durchaus gute und abwechslungsreiche Unterhaltung, denn das farbenfrohe und wortgewaltige Sittengemälde einer sich langweilenden Adels-Familie im Italien des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist hervorragend gelungen. Und auch die knappe Zeichnung der politischen Verhältnisse im jungen italienischen Nationalstaat ist für einen historischen Roman durchaus angemessen.

Als Kriminalroman vermag das Buch indessen nicht wirklich zu überzeugen. Stärken, die der Autor in seinen zeitgenössischen Krimis noch gepflegt hat, sind hier doch allzu sehr in den Hintergrund getreten. Zwar wird die Dekadenz des Adels mit den dazu gehörenden Exaltiertheiten perfekt beschrieben – aber der eigentliche Kriminalfall braucht doch reichlich Anlauf. Denn Marco Malvaldi lässt sich zunächst lang und breit über die Personen auf dem Schloss aus. Der Baron selbst ist ein alternder Adeliger, der einerseits unter der Knute seiner betagten Mutter steht, andererseits mit zwei höchst ungleichen Söhnen geschlagen ist – und undurchsichtige eigene Interessen zu verfolgen scheint. Dann sind da noch mehr oder minder wichtige weibliche Mitglieder der Familie, jede Menge Dienstboten und schließlich die zwei Gäste.

Der Fotograf bleibt als Figur komplett blass, lediglich einmal tritt er aus dem Schatten, als es ihm vergönnt ist, mit einer seiner Aufnahmen zum Fortgang der Ermittlungen beizutragen. Und der große Kochbuch-Autor? Er gefällt sich in philosophischen Exkursen, und gibt auch reichlich Fachwissen aus seinem kulinarischen Fundus zum besten. Aber er wird keineswegs selbst als Ermittler aktiv, sondern beschränkt sich gezwungenermaßen darauf, dem nicht so ganz findigen Kommissar hier und da die entscheidenden Hinweise zu geben. Richtige Spannung kommt im Grunde erst auf den letzten Seiten des Buches auf, als es an die überraschende Lösung des Falles geht.

Marco Malvaldi ist durchaus ein guter Geschichten-Erzähler, und als historischer Roman ist sein Buch auch feine Unterhaltung für verregnete Nachmittage. Aber wer hier spannende Kriminalliteratur erwartet, dürfte nach der Lektüre mehr als enttäuscht sein. Auch von einem historischen Krimi erwarte ich etwas mehr Spannung und fesselnde Ermittlungsarbeit als bei dieser Mischung aus Schelmenroman und Gesellschaftskritik.

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