Falsche Fährten

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2011, Seiten: 2, Übersetzt: Wolfram Koch

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Jochen König
Ich sehe was, was du nicht siehst

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2012

In seinem aktuellen Buch räumt Stephan Harbort mit dem oft verkündeten CSI-Verdikt auf, dass Tatortspuren nicht lügen können. Das klingt zwar auf den ersten Blick plausibel; doch unterschlägt diese Prämisse "täter- und tatbezogene Leerstellen", die "zwangsläufig Hypothesen" erfordern,

 

widerstreitende Gutachten der Sachverständigen, [&] oft nicht mehr als eine Arbeitshypothese, der Versuch einer Deutung,

 

und immer Menschen, die in Tatorte reinpfuschen, sei als Zeuge, Täter, Ermittler oder sogar Opfer. Manchmal weisen Spuren auch in falsche Richtungen, können Zusammenhänge oder Umstände erst später so gedeutet werden, dass sie auf den wahren Sach- und Tatverhalt hinweisen. Kriminalirrtümer können gar nicht ausbleiben. Manchmal führen genau diese Irrtümer über Umwege zur Lösung eines Falls, aber

 

es existiert kein Naturgesetz, dass dem Fehlurteil zwangsläufig die Erkenntnis zu folgen hat. Vielfach reiht sich zunächst Irrtum an Irrtum. Das macht es so schwierig, aber auch so reizvoll.

 

Stefan Harbort hat Fälle aus gut einem Jahrhundert Kriminalgeschichte gesammelt und veröffentlicht, die diese These belegen sollen. Unterteilt in acht Kapitel, welche die jeweiligen Quellen der zugrundeliegenden Kriminalirrtümer benennen. Große Justizirrtümer bleiben allerdings ausgespart.

Das beginnt bei "Trugspur oder Täterspur" und endet mit der Thematik "Fehlerfreies oder fehlerhaftes Gutachten". Innerhalb dieses Spektrums findet sich Tragisches, Komisches, beinahe Alltägliches und gelegentlich Erstaunliches. Wofür meist der unberechenbare Faktor Mensch sorgt &

Am Erschütterndsten sind die Passagen, in denen klar wird wie leicht Kindern, und anderen Schutzbefohlenen, (tödliche) Gewalt angetan werden kann, und deren Verursacher damit durchkommen können. Hochinteressant ist auch die Geschichte "Der Tiermensch", die darauf hinausläuft, dass der Serienmörder Bruno Lüdke ein Produkt nationalsozialistischen Kalküls gewesen sein könnte. Ein mental derangierter Mann, der für über 50 Morde verantwortlich gemacht wird, bessert auf einen Schlag die Verbrechensstatistik und ist zugleich der mörderische Beweis, dass die Herrenrasse geradezu verpflichtet ist derartige Untermenschen auszurotten.

Harbort fasst sich kurz in seinen Geschichten. Das kann er gut. Auch wenn ihm das literarische Geschick eines Ferdinand von Schirach ein wenig abgeht, bleibt er angenehm unaufgeregt und vermeidet größtenteils bleiernes (Polizei)beamtendeutsch. Abgesehen von der ein oder anderen "Absuche". Da Harbort aber nicht ohne Sinn und Verstand auf dem Amtsschimmel durch seine Fallgeschichten galoppiert, lassen wir ihm die wenigen holperigen Fachtermini gerne durchgehen.

Das ist oft spannend, kenntnisreich und fokussiert verfasst, wenn auch die ein oder andere Geschichte etwas höhepunktarm oder auf eine magere Pointe zielend vor sich hin plätschert. Man hat Harborts Anliegen verstanden und kommt sich vor wie ein Zuhörer beim trauten Polizeistammtisch. Wobei es dem Autor gelingt, nicht in Sentimentalitäten, hohles Pathos oder Übertreibungen auszubrechen. Und wichtiger noch, trotz seines sachlichen Tonfalls, bzw. gerade deswegen, spart er nicht an Empathie für die Opfer. Ein sensationsgeiles Ausweiden grausiger Tatumstände bleibt glücklicherweise aus.

"Seppuku" ist allerdings besonders für Männer schwer verdaulich. Ein Wort wie "Hodenfilettierung" schmerzt bereits beim Lesen.

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