Die Sprache des Feuers

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Knopf, 1999, Titel: 'California fire and life', Seiten: 337, Originalsprache
  • Berlin: Der Audioverlag, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Dietmar Wunder

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Jochen König
Dead Duck, Bad news, Beat the crimes of which you stand accused - Dance through the fire...

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2011

Jack Ward hat das Talent aus den richtigen Gründen das Falsche zu tun. So hat er seinen Job als Brandermittler verloren, seine Freundin und seine Reputation. Immerhin verschafft ihm sein Expertenstatus einen Job als Schadensregulierer bei der "California Fire And Life"-Versicherung. Zwölf Jahre nach dem Rauswurf bei der Polizei stößt er auf die verbrannte Leiche Patricia Vales. Ermittler vor Ort ist der laxe Bentley, genau jener Kollege, der seinerzeit maßgeblich seinen Rauswurf mitverschuldet hat. Offiziell wird so der Unfalltod einer alkoholabhängigen Frau konstatiert, die mit einer brennenden Zigarette im Bett eingeschlafen ist. Der Klassiker. Doch Ward hat bald einen ganz anderen Verdacht: Er vermutet hinter dem Ableben der jungen Mutter ihren Gatten Nicky, den smarten Exilrussen, der sich den American Way Of Life zu Eigen gemacht hat wie kein Zweiter. Zusätzlich motiviert dadurch, dass die Tote die Schwester seiner großen Liebe Letty ist, stochert er in der Asche herum und findet bald Belege für seine These. Nicht nur für den Mord, sondern für eine Intrige, die aus Nicky Vale, dem klammen Geschäftsmann mit tiefriechenden Beziehungen zum organisierten Verbrechen und dem ehemaligen KGB, wieder einen unabhängigen und reichen Mann machen sollen.

Jack mag der fähigste Schadensregulierer bei "California Fire And Life" sein, und auch sein detektivisches Talent ist ausgeprägt. Vielleicht ist er ein bisschen zu überzeugt von sich selbst und dass eine Institution existiert, die für Recht, Moral und Gesetz eintritt. Er will dem auf die Sprünge helfen und das Richtige tun. Dabei merkt er nicht, dass er sich mit Kräften anlegt, die viel weitreichender sind, als er ansatzweise vermutet und zudem aus unerwarteten Richtungen auf ihn einwirken. Der Abstand zwischen Gewinner und Verlierer ist manchmal kürzer als der Lauf eines stupsnasigen Revolvers…

Selten, dass ein deutscher Titel den originalen zwar nicht toppt, aber eine ernsthafte Alternative darstellt. Die Sprache des Feuers wird von Don Winslow sehr genau analysiert. So erfahren wir im ersten Drittel viel über die Entstehung von Bränden, ihre Unterschiede, Einflüsse, Spuren und Auswirkungen. Ein Freudenfest für Pyromanen und Brandbekämpfer, aber eine Herausforderung an den Leser, der sein Feuer nur schätzt, wenn es im Kamin schwelt. Feuer ist die Essenz des Romans, sein Anfang und sein Ende. Jack Wade ist fasziniert davon, ein akribischer Analytiker und genauer Beobachter. Was Brandursachen und –wirkung angeht. Doch was nützt ihm sein Wissen, sein Engagement, seine Integrität, wenn er die Wesen unterschätzt, die Brände verursachen und ihre Folgen bearbeiten.

Der Originaltitel ist nicht umsonst der Name der Versicherung, für die Jack arbeitet. Obwohl "California Fire And Death" passender wäre. Denn der Tod schafft die Voraussetzung für das Wohlergehen der Überlebenden. Dafür werden Beiträge gezahlt. Und nur darum geht es: Um den geregelten Finanzfluss. Die alte Regel, die besagt, wer das Geld hat, hat auch das Recht auf seiner Seite. Jack Wade hat das zwar intuitiv begriffen, aber nie verstanden welche verschlungenen Pfade die Finanzen gehen, um jene zu bereichern, die damit umzugehen wissen. Jack Wade ist zu besessen von seinem Metier und seiner Lauterkeit, um wahrnehmen zu können, dass er ein Spielball ist, eine Flipperkugel, die dahin gefeuert wird, wo ihr Nutzen gerade am Größten ist.

Winslow ist äußerst geschickt darin, Erwartungshaltungen zu erzeugen und wieder zu brechen. Er betrachtet das einzelne Segment, hat aber die größeren Zusammenhänge immer im Auge. Das unterscheidet ihn eklatant von seinem Protagonisten. Den er einführt als hartnäckigen Arbeiter, als Koryphäe auf seinem Gebiet, ein Bonus für jede Gemeinschaft, die der Aufklärung verhaftet ist. Nicht nur von Bränden. Und der sofort auf die Schnauze fällt, wenn er es mit Gegnern zu tun bekommt, die nach Regeln spielen, in denen so sinnlose Worte wie Gewissen, Verantwortung, Moral und Achtung vor den Mitmenschen, nicht vorkommen. So wird der klassische Antiheld, der aufrechte Kämpfer gegen die Windmühlenflügel der Amoralität, der Korruption in den eigenen Reihen, von Beginn an zum Opfer. Ihm gelingt es nicht einmal, die zu schützen, für die er den geliebten Beruf, seine gerichtsrelevante Reputation aufopferte. Eine gewissenlos abgefeuerte Kugel zeigt mehr Wirkung als der verzweifelte Versuch Integrität aufrecht zu erhalten.

Vor dreizehn Jahren ist California Fire And Life im Original erschienen. An der Aktualität hat sich kaum etwas geändert. Das Verbrechen hält immer weiter Einzug in den Alltag, die Grenzen verschwimmen täglich ein bisschen mehr und lediglich ein kurzes Aufflammen von Scham und Gewissen hält sie manchmal sekundenlang am Leben. Schmutzige Deals reißen sie aber fortwährend ein.

Winslow zeigt wie eng der Traum vom Aufstieg eines Selfmademans, mit der Bereitschaft über Leichen und Gesetze hinweg zu gehen, zusammen hängt. Damit ist er dem schwedischen Kollegen Arne Dahl, der mit Gier so unterhaltsam ärgerlich wie kläglich scheiterte, um mehr als ein Jahrzehnt voraus und wesentlich überzeugender. Weil er dort bleibt, wo er sich auskennt. Zwischen Surfbrett und Brandstiftern. Nicht nur den ideellen. Die Sprache des Feuers ist ein spannender, desillusionärer und stilistisch so effektiver wie anschaulicher Roman über die alte Weisheit, dass das Geld die Welt regiert. Mit einem furiosen Showdown.

Einen kleinen Romantizismus erlaubt sich Winslow allerdings: Ganovenehre darf tatsächlich persönliche Geschicke und Seinszustände nachhaltig beeinflussen.

Die Sprache des Feuers

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Letzte Kommentare:
02.09.2014 07:26:11
mg11

Nicht so stark wie "Tage der Toren", aber dennoch ein tolles Buch und lesenswert. Besonders der Schreibstil von Winslow gefällt mir.
Eine etwas andere Geschichte mit dem Thema Brände und Versicherungsbetrug, vermischt mit dem Wirken der russischen Mafia. Eine andere, aber erfrischende Kombination.

Von mir gibt es gute 85°!!

02.01.2013 22:56:03
DerSton

Die Sprache des Feuers ist ein typischer Roman von Winslow. Wieder angesiedelt im idyllischen Kalifornien, wieder gibt es "Surfer-Buddys" und eine Menge Gewalttaten von undurchsichtigen kriminellen Geflechten. doch eines ist hier im Vergleich zur Savages-Reihe (Kings of Cool, Zeit des Zorns) und Tage der Toten anders, die Drogen spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Und das ist, trotz aller "Hitze", sehr erfrischend.

Die Thematik der Brandermittlung und die Kreisläufe der amerikanischen Versicherungswirtschaft werden in einem angemessenen Rahmen verständlich erklärt um den Rahmen der Handlung verständlicher zu machen. Denn aus diesen zentralen Themen ergibt sich eine rasante Erzählung mit einem noch rasanteren Ende.

Für mich 89°, besser als die Savages-Reihe, jedoch nicht so stark wie Tage der Toten.

30.08.2012 12:00:29
Marius

Feuer, Feuer!

Don Winslow ist mit „Die Sprache des Feuers“ ein brandheißer Roman gelungen, der unerbittlich wie eine Feuerwalze auf den Leser zurollt und diesen erst nach einem wahrhaften Purgatorium wieder freigibt.

Dabei fängt eigentlich trotz des schnell geschnittenen Auftaktes erst einmal alles ganz gemächlich an. Don Winslow erzählt in geschickt miteinander verknüpften Erzählsträngen vom momentanen Leben des für die California-Fire-and-Life-Versicherung tätigen Schadenregulierers Jack Wade und davon, wie es geschehen konnte, dass er, der beste Brandermittler Kaliforniens, aus dem Polizeidienst ausscheiden musste.Diese Rückblenden fügen sich absolut harmonisch in den Roman ein und vermitteln dem zunächst Leser fast wie in einem Sachbuch die wichtigsten Grundlagen von Feuer und Brandstiftung. Erst allmählich nimmt aber die Geschichte Fahrt auf, analog zu einem kleinen Feuerfunken, der sich am Ende zu einem alles vernichtenden Feuer auswächst.Immer schneller prasseln die Geschehnisse auf Jack Wade ein und er muss feststellen, dass er offenbar nur ein kleine Randfigur in einem großen Kampf zwischen seiner Versicherung und einem ehemaligen KGB-Agenten ist. Doch obwohl er sich bereits in seinem früheren polizeilichen Leben im Orange County schon einmal gehörig die Finger verbrannt hat, beschließt Jack Wade auch diesmal seinem Gewissen zu folgen und auf eigene Faust zu kämpfen – Last man standing quasi.

Die Geschichte, die Don Winslow in „Die Sprache des Feuers“ erzählt, ist zunächst trügerisch ruhig. Sobald man aber denkt, man hätte den Plot durchschaut und könne abwarten, beginnt der kalifornischer Autor erst einmal aufzudrehen. Mit trockenem Humor und in immer höheren Drehzahlen jagt er seinen Brandermittler gerade ab der Mitte des Buches bis zum Ende hin durch ein wirkliches Fegefeuer. Diese stetige Klimax, die bis wenige Seiten vor Ende des Buches andauert, gefiel mir besonders gut, da ja einigen vielversprechenden Romanen nach einem fulminanten Beginn irgendwann die Luft ausgeht. Hier ist es genau umgekehrt: Ruhiger Beginn und immer stärker werdendes Tempo. Dieses ist zwar nicht so hoch wie in den späteren Werken, z.B. aus der Boone-Daniels-Reihe, dennoch ist dieser Roman aus dem Jahr 1999 deutlich schneller getaktet als die meiste aktuelle Literatur. Bei mir sorgte diese Geschwindigkeit und der Sog, der sich aus der Erzählung entwickelt, dafür, dass ich das Buch innerhalb eines einzigen Tages verschlang.

„Die Sprache des Feuers“ ist schnell, hart, sehr cool und nebenbei mit einem großartigen Cover ausgestattet. Mit diesem Frühwerk erbringt Don Winslow erneut den Beweis, dass er einer der aktuell besten und talentiertesten Autoren Amerikas ist – ein Buch, das breiteste Aufmerksamkeit verdient!

26.08.2012 20:31:05
mylo

Ein ganz ordentlicher und gerade zum Schluss rasant spannender Roman von Winslow, der allerdings nicht ganz an die Genialität von Tage der Toten heran reicht. Für mich gab es zu viele Längen durch die all zu detaillierte Darstellung von brandtechnichen Abläufen und chemischen Weisheiten. Der Roman hätte keine Verluste an Spannung wenn man hier etwas weniger breit dargestellt hätte und die Druckerei hätte sich den Druck von etlichen Seiten ersparen können.
Trotzdem bleibt es eine interessante Story, hervorragend mit Witz erzählt in einer Sprache die das lesen leicht macht.
Somit keine 100 Punkte wie für Tage der Toten, aber immerhin 85 für eine spannendes Lesevergnügen.

14.05.2012 16:22:10
Dennis O.

Ein wunderbares Buch von Don Winslow. Gehört für mich mit Tage der Toten mit zu den besten von ihm.Die Story ist absolut toll und spannend geschrieben und fesselt einen bis auf die letzte Seite. Sie gibt einen Einblick in die Machenschaften der Versicherungsmafia und zeigt auch, welche Kraft und Macht Feuer besitzt. Sehr spannend fand ich auch die Arbeit eines solchen "Feuerexperten". Was man alles über ein Feuer erfahren kann.Absolute Empfehlung!

04.05.2012 09:07:00
mo

Und wieder einmal einer von den "guten" Winslow-Romanen! Nachdem mir der Stil von Satori und die Auferstehung des Bobby Z überhaupt nicht gefallen hat, hier wieder ein absolut lesenswertes Buch. Wer mehr über die nicht immer legale Arbeit von Versicherungen, Brandlegung und vor allem das Wesen des Feuers wissen möchte ist hier richtig. Winslow beschreibt akribisch genau die Abläufe bis es zu einem Großbrand kommt und wie ein Versicherungsermittler im Nachhinein Brandstiftung nachweisen kann. Obwohl das Who-donit von Anfang an klar ist hat Jack Wade scheinbar wenig Chancen den/die Schuldigen zur Strecke zu bringen. Er kämpft gegen die Windmühlen der Justiz, des organisierten Verbrechens und seines eigenen Arbeitgebers. Die Handlung ist spannungsgeladen, logisch konzipiert und bis zum Ende durchdacht. Bitte mehr davon!