Der Frauenhändler

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Mailand: B. C. Dalai, 2010, Titel: 'Appunti di un venditore di donne', Seiten: 397, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2012, Seiten: 400, Übersetzt: Claudia Franz

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Jürgen Priester
Ein Bravo für Bravo

Buch-Rezension von Jürgen Priester Okt 2011

"Ich heiße Bravo und habe keinen Schwanz." - der erste Satz dieses Romans wird eher nicht in die Rubrik Berühmte Erste Sätze eingeordnet werden, aber es ist einer, dem man Aufmerksamkeit zollt. Bravo ist der Ich-Erzähler der Geschichte und beginnt seine Vorstellung gleich mit dem, was ihn am meisten von (fast) allen Männern unterscheidet. Vor Jahren war es zu einer blutigen Auseinandersetzung mit einem Konkurrenten gekommen. Dabei wurde er seines "edelsten" Teils beraubt, dessen Fehlen er psychisch noch nicht überwunden hat. Obwohl er mit Nonchalance darüber zu erzählen versucht, entlarvt ihn sein Zynismus. Bravo, dessen Klarnamen nur die Polizei und die Mafia kennt, ist Zuhälter in Mailand. Er ist nicht einer von den Luden oder Loddels, die ihre Pferdchen zum Anschaffen auf den Strich schicken oder in Bordellen für sich arbeiten lassen. Er sieht sich selber lieber als Agent oder Vermittler, denn die Geschäftsbeziehungen zwischen ihm und einem guten Dutzend attraktiver Frauen laufen auf freiwilliger Basis. Bravo knüpft die Kontakte zu den Freiern, handelt die Honorare aus und kümmert sich auch sonst um die Belange "seiner Mädchen". Ein Fulltime-Job, der aber äußerst lukrativ ist. Bravos Provisionen fallen üppig aus, da der Kundenkreis sehr exklusiv und entsprechend gut betucht ist.

Trotz der reichlich fließenden Einnahmen führt Bravo ein vergleichsweise bescheidenes Leben. Er fährt ein schlichtes Auto, lebt in einer kleinen Wohnung. Richtige Freunde hat er nicht, eher Kumpels, mit denen er schon mal eine Nacht durchmacht, oder seinen blinden Türnachbarn Lucio, mit dem er kryptische Worträtsel austauscht. Von der Damenwelt hält er sich – bis auf die beruflichen Kontakte – ganz fern wohl aus Scham über sein Handikap, die in der Macho-Vorstellung gründet, ein Mann ohne Penis könne einer Frau nicht genügen.

Bewegung kommt in sein beschauliches Leben, als er Carla Bonelli kennenlernt. Die anmutige, wie geheimnisvolle junge Dame spricht er auf Wunsch seines Zechkumpans Daytona an, der sich ein Schäferstündchen mit ihr gut vorstellen kann. Seit ihrer kurzen Begegnung geht Carla Bravo nicht mehr aus dem Kopf. Eine Ablenkung zur Unzeit, denn er steht in sensiblen "diplomatischen" Verhandlungen mit einem lokalen Mafiaboss. Dessen Leibwächter erhebt alleinigen Anspruch auf eine von Bravos Hostessen und drückt seine Eifersucht auch physisch aus. Um eine friedliche Lösung des Konfliktes bemüht, schlägt Bravo dem Capo einen Deal vor, der ihn leider in arge Bredouille bringen wird. Die neue Bewegung in Bravos Leben wird endgültig zu einer Abwärtsbewegung, als eine Sexparty bei einem hohen Politiker, zu der er drei seiner Mädchen geschickt hat, außer Kontrolle gerät. Bewaffnete dringen in das hermetisch abgeriegelte Villengelände ein und richten ein Blutbad an. Die Polizei verdächtigt Bravo der Mittäterschaft. Ihm schwant, dass jemand ihn zum Sündenbock machen will.

Der Frauenhändler spielt im April des Jahres 1978. Am 16. März war der damalige Ministerpräsident Aldo Moro von den "Roten Brigaden" gekidnappt worden. Zur Zeit des Romans dauerte die Entführung noch an. Im Nachhinein wird die Entführung und Ermordung Moros als einen der Höhepunkte der Gewalt des Linksterrorismus angesehen, der Italien seit dem Beginn der 1970er Jahre heimsuchte. Giorgio Faletti geht in seinem Roman nicht explizit auf die politischen Ereignisse dieser Zeit ein. Auf Moros Schicksal nimmt er mehrmals Bezug, um auf das aufgeheizte Klima innerhalb der Polizeikräfte oder des Inland-Geheimdienstes einzugehen, mit dem auch sein fiktiver Held konfrontiert wird. Leider ist die Sprache des ich-erzählenden Bravo zu locker und leichtgewichtig, als dass man Italiens Realitäten als solche wahrnehmen kann. Faletti will unterhalten, nicht politisieren. Das merkt man letztendlich am süßlichen Epilog, fast schon american-style, der zehn Jahre nach der Haupthandlung spielt.

Als Tipp für einen Politthriller, der die ganze harte Realität Italiens in den 1970er Jahren zeigt, sei auf Giancarlo de Cataldos "Romanzo Criminale" verwiesen.

Zu Beginn seiner späten schriftstellerischen Laufbahn hat Giorgio Faletti gut gepunktet. Seine ersten beiden Thriller Ich töte (2005) und Im Angesicht des Todes (2007) wurden nicht nur bei den Krimi-Couch-Rezensenten mit Begeisterung aufgenommen, auch die Leserschaft konnte sich an Falettis Einfallsreichtum anfreunden, was sich besonders in Italien mit hervorragenden Verkaufszahlen niederschlug. Mit Im Namen des Mörders (2008) und Ich bin Gott (2010) rutsche er ins Mittelmaß ab. Zwischendurch gab es noch einen Band mit Erzählungen: Fürchte dich nicht (2009), über dessen Qualitäten der Rezensent nicht aussagen kann.

Der Frauenhändler macht wieder Hoffnung, dass Faletti zu seiner alten Form zurückfindet. Den Plot hat er seinem Helden auf den Leib geschneidert. In Bravo, der sich mit Humor, Charme, Chuzpe und einer guten Portion Altruismus durch die Welt der Mafia- und Politgrößen manövriert, kann man einige Wesenszüge des Autors wiedererkennen. Der Rezensent hat dazu ein bisschen über den Allroundkünstler Giorgio Faletti recherchiert. Wie dem auch sei, Der Frauenhändler bietet abwechslungs- und temporeiche Unterhaltung, die auch sprachlich zu überzeugen weiß. Eine ideale Strandlektüre – nicht nur für den Italien-Urlaub.

Der Frauenhändler

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