Tödliche Kantaten

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Ellert & Richter, 2011, Seiten: 192, Originalsprache

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Carsten Jaehner
Musikkrimi um Originalhandschriften von Bach

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2011

Durch Zufall findet Dietrich Heinzmann, genannt Didi, Hausmeister der Thomaskirche in Leipzig, unter der Grabplatte des Komponisten Johann Sebastian Bach eine Kassette mit Fotonegativen und einem handschriftlichen Notenblatt. Er bittet den Hamburger Detektiv Pit Koch, den er von früher kennt, um Hilfe, und es stellt sich schnell heraus, dass es sich um eine originale Handschrift Bachs und um Fotos von weiteren Noten handelt. Doch was macht man damit, ohne dass es auffällt?

Pit Koch begibt sich auf die Spur, zumal auf einem Fotonegativ die Geschichte der Kassette steht. Danach sollen sich die Originale der fotografierten Noten, allesamt verschollene Werke Bachs, an einem bestimmten Ort in Sicherheit vor dem Zugriff der staatlichen Organe befinden. Koch wittert ein großes und lukratives Geschäft. Koch setzt bei dem Hausmeister an, der Didis Vorgänger war, da laut Dokumenten zu dessen Zeit die Kassette im Grab deponiert wurde.

Zur gleichen Zeit produziert der Medientycoon und Musikaliensammler Napoleon Newman Aufnahmen von vermissten Partituren, und das nur für den Eigengebrauch. Seine Musiker sind zum Schweigen verpflichtet, und wer nicht schweigt, wird unsanft zum Schweigen gebracht. Als er über Umwege von den Bachpartituren erfährt, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um die Noten vor dem Vergessen zu retten und dass Pit Koch seinen Auftrag Didi gegenüber erfüllen kann.

Zu oberflächlich

Schon des öfteren wurde bei Musikkrimis das Motiv bemüht, dass unbekannte Werke wieder auftauchen und dass darum ein finanzieller Krimi gesponnen wird. Dabei ist das tatsächlich gar nicht mal so unwahrscheinlich, gibt es doch unzählige vermisste und verschollene Werke namhafter Komponisten, die entweder auf Dachböden schlummern oder tatsächlich für immer verloren sind. So kriminell und tödlich wie bei Sebastian Knauer ging es jedoch selten zu.

Das Buch beginnt mit der "Entsorgung” einer zu neugierigen Flötistin, und hier ist man auch direkt an James Bond erinnert, wenn sie aus dem Hubschrauber über der San Francisco Bay geworfen wird, wo sie anderntags am Ufer aufgefunden wird. Dabei bilden Newman und sein Gorilla Miles ein Gespann von Bösewichtern wie aus dem Lehrbuch, mit sympathischen Zügen und auf ihre Weise eigentlich ganz nett, wenn sie nicht neben ihrer künstlerischen Aufgabe einen leichten Hang zum Verbrechen hätten.

Folgerichtig verliebt sich die neue Flötistin Magdalena auch in ihren neuen Gönner, was sich natürlich ändert, als sie herausfindet, was er mit ihrer Vorgängerin und ehemaligen Freundin gemacht hat. Da hat sie schon längst Kontakt zu Pit Koch, dem Detektiv, der allerdings gegenüber Newman ein wenig blass geraten ist. Er hat wenig Ecken und Kanten und wirkt eher wie eine graue Maus denn wie ein engagierter Detektiv. Immerhin nimmt er zwischendurch Magdalena bei sich auf, geduldet von seiner Freundin Natascha, was die beiden Frauen gleich zusammenschweißt.

Hightech trifft auf Barock

Pits Reisen auf der Suche nach den Originalen der Noten führen ihn nach London und nach Los Angeles, doch irgendwie mag bei seinen Recherchen keine rechte Spannung aufkommen. Interessanter wird es jedoch, wenn Magdalena wieder mal für Newman unterwegs ist. Insgesamt kommt jedoch keine rechte Spannung auf, da einiges vorhersehbar ist, anderes zu überzogen, als hätte man direkt ein Drehbuch vor sich. Gerade wenn sich Natascha erbarmt und in Newmans Villa fliegt, um die Originalnoten zu entwenden. Hier trifft Hightech auf Barock, eine seltsame, wenn auch interessante Kombination.

Man hätte sich gewünscht, dass Hausmeister Didi selber mehr tut und nicht nur zu Hause in Leipzig darauf wartet, dass ihm Pit Koch ein Ergebnis präsentiert. Diese Passivität macht ihn tatsächlich zu einem beinahe klischeehaften, leicht dümmlichen Mann, der auf seine Rente mit seiner Frau wartet, die ihm sein Detektiv nun ermöglich soll.

Unterhaltsam ist er in jedem Fall, der Roman, der keine 200 Seiten umfasst. Sprachlich und auch von der Handlung her einfach gestrickt, erwarten den Leer jedoch keinerlei Tiefgang, wenngleich der Autor den Alten Bach in kleinen Rückblenden auch persönlich zu Wort kommen lässt. (Man fragt sich jedoch letztlich, warum?) Allerdings erfährt man einiges über die Musik Bachs, und dass tatsächlich viele seiner Werke verschollen und daher wertvoll sind, sollten sie je wieder auftauchen. Die zum Teil doch überzogene Handlung, heruntererzählt und sonderliche Überraschungen, lässt den Leser die Lektüre jedoch auch schnell wieder ad acta legen und vielleicht doch mal wieder zu einer CD mit Musik des Alten Bach greifen. Da hat man bestimmt mehr Bach-Erbauung.

Das angekündigte B-A-C-H-Rätsel des Klappentextes findet auch nur eben auf dem Klappentext statt und nicht im Roman. Da hätte sorgfältiger lektoriert werden dürfen. Insgesamt eine Lektüre, die nicht wehtut, aber auch nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird. Durchschnitt mit Lehransatz.

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