Zwölf Schritte

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Reykjavík: Bjartur, 2009, Titel: 'Spor', Seiten: 256, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011, Seiten: 256, Übersetzt: Ursula Giger

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Mareike Höckendorff
Island, deine Alkoholiker

Buch-Rezension von Mareike Höckendorff Okt 2011

Magni kommt gerade aus der Entzugsklinik als seine Exfrau, Kriminalkommissarin Iðunn, ihn mit einer Bitte überfällt. Bei ihrem ersten Mordfall kommen allem Anschein nach sowohl Täter als auch Opfer aus dem Kreise der anonymen Alkoholiker. Als "Fachmann" bittet sie Magni sich in so vielen Meetings wie möglich umzuhören. Darüber hinaus soll er Iðunn und ihren Kollegen alles über die Methoden dieser in Island recht weit verbreiteten und gut besuchten Organisation erklären. Magni blickt seiner neuen Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits tut es ihm gut, so viele der Treffen wie möglich zu besuchen. Auf der anderen Seite ist er sich der Gefahren einer Zusammenarbeit mit seiner Exfrau bewusst. Nach wie vor liebt er die Frau, die er mit seiner Sucht am meisten belastet hat und nicht selten fühlt er sich durch sie von seiner eigenen Arbeit an den "12 Schritten der anonymen Alkoholiker" abgelenkt. Als es zu einem zweiten und dritten Mord an ehemaligen Suchtkranken kommt, beginnt Magni sich auf den Zusammenkünften immer weniger wohl zu fühlen.

Seine Freude über den schnell gefundenen Vertrauensmann Geir schwindet und er bleibt beim fünften Schritt hängen. Als der Mörder sich in einer Frau, mit der Magni kurz zuvor ein Verhältnis begonnen hatte, sein nächstes Opfer sucht, fangen Iðunn und ihre Kollegen an, Magni zu verdächtigen. Schließlich erkennt die hinzugezogene Profilerin, dass der Täter seine Opfer bestrafen möchte. Seiner Ansicht nach schwanken sie zu sehr auf ihrem Weg zu einem gesunden Leben und vernachlässigen die zwölf Schritte. Der Druck wird für Magni zu hoch, er wird rückfällig und damit zum idealen Opfer des Serienmörders.

Der isländische Dan Brown?

Mit ihrem Debutroman Zwölf Schritte gewann Lilja Sigurðardottir einen Wettbewerb, bei welchem ein isländischer Verlag den "neuen Dan Brown" suchte. Die beiden Autoren verbindet vor allem die religiöse Thematik. Wie Brown hat Sigurðardottir ihren Kriminalroman in ein Umfeld eingebettet, in dem der Glaube eine große Rolle spielt. Durch das Bewusstsein einer helfenden Macht sollen die Suchtkranken zurück in einen normalen Alltag finden. Viele der Alkoholiker tun sich gerade mit diesem Aspekt der Therapie schwer. Einige von ihnen, so auch das erste Opfer, sind homosexuell und sehen einen starken Widerspruch zwischen ihrem eigenen und einem religiös geprägten Lebensstil. Dem Täter hingegen liegt vor allem dieser Aspekt der Genesung am Herzen. Außerdem ist er selbstverständlich mit allen sonstigen Kriterien ausgerüstet, die nach der Profilerin für einen Serientäter unabdingbar sind. Er war als Kind Bettnässer, grausam zu Tieren und hatte ein problembelastetes Elternhaus.

Auch den Kniff, einen "Experten" zum Protagonisten zu wählen statt der ermittelnden Kommissarin, könnte Lilja Sigurðardottir von Dan Brown übernommen haben. Da die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und Magni jedoch sehr eng ist, ähnelt Zwölf Schritte doch eher dem klassischen Ermittlerkrimi europäischer Tradition als dem amerikanischen Thriller. Auch bleiben Einsichten in die Persepektive des Täters weitgehend aus. Obwohl Magni dem Mörder ins Visier gerät, scheint dieser darum bis zum Schluss merkwürdig ungreifbar zu bleiben.

Die Idee, den Täter anhand der zwölf Schritte vorgehen zu lassen und das Millieu der anonymen Alkoholiker vor der tristen isländischen Kulisse, sind mit einem hohen Authentizitätsanspruch gewählt. Die Atmosphäre der leicht gekünstelten Treffen bei denen sich die kühlen nordischen Gemüter am Ende alle gegenseitig umarmen müssen, wird vor allem durch die Ich-Erzählperspektive sehr nah an den Leser heran gebracht. Nur der Spannungseffekt will sich trotz sorgsamer Konstruktion dieses Kriminalromans höchstens zögernd einstellen. Zu durchsichtig ist die konstruiert wirkende Story, selbst die falsche Fährte, die Magni nach zwei Dritteln des Romans aufnimmt, kann den Leser nicht wirklich verwirren.

Eine blasse Hauptfigur und ein deutlich sichtbarer Täter

Tatsächlich wird bereits auf Seite 40 klar erkennbar, wer der gesuchte Serienmörder ist. Dabei ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die helfende Profilerin aufgetreten. Ganze 189 Seiten mehr, einen Toten im direkten persönlichen Umfeld der Hauptfiguren und eine akute Gefahr für den Protagonisten brauchen die "Profis", um das Rätsel des fanatischen AA-Mitglieds zu lösen. Der Weg, den die Ermittler bis dahin zurücklegen ist mühsam und wenig nachvollziehbar. Der entscheidende Schlüssel, die Verbindung zwischen den Opfern, bleibt ihnen auch am Ende noch verborgen.

So authentisch die Situation, in der er sich befindet, gestaltet ist, so blass bleibt der Ich-Erzähler selbst. Es will einfach keine klare Kontur für dieses isländische Mannsbild entstehen, das erst zum Trinker und dann zum ordnungsliebenden Softie wird, der mit Vorliebe frische Salate für sich und seinen ebenfalls trunksüchtigen Bruder zubereitet. An einer Stelle drückt Magni seine Verwunderung darüber aus, dass Männer "manchmal sehr merkwürdig" sein können. Diese Meinung scheint ihn eher mit seiner Autorin als mit seinen realen Geschlechtsgenossen zu verbinden. Auch das Bedürfnis gebraucht zu werden und die Angst vor der Dunkelheit passen nicht zu dem Zecher, der sich nächtelang herum getrieben und seine Frau mehr als einmal allein gelassen hat.

Insgesamt bleibt Lilja Sigurðardottirs Debüt also etwas farblos und lässt die Spannung und Mystik vermissen, die eingefleischte Krimifans von ihren isländischen Autorenkollegen gewohnt sind. Die Perspektive Magnis wird weder realistisch ausgefeilt noch vom Text eindeutig begründet. Die Kommissarin Iðunn wäre sowohl für den Leser als auch für die Autorin selbst wohl die bessere Alternative geblieben. An das amerikanische Vorbild Dan Brown, der mit seinen Thrillern Millionen Menschen in Hochspannung versetzte, kann diese isländische Jungautorin leider nicht heran reichen.

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