Limassol

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Tel-Aviv: Am oved, 2009, Titel: 'Limassol', Seiten: 187, Originalsprache
  • Zürich: Kein & Aber, 2010, Seiten: 205, Übersetzt: Helene Seidler
  • München; Zürich: Piper, 2011, Seiten: 208

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Andreas Kurth
´Gewissenskonflikt für knallharten Geheimdienstler

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2011

Ein Mitarbeiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes – den Namen des Ich-Erzählers erfährt der Leser nicht – steckt in einer beruflichen und privaten Krise. In den Verhör-Kellern des Schabak – von den Gefangenen "Hölle" genannt - hat er die Aufgabe, wichtige Informationen über potenzielle Selbstmordattentäter aus den inhaftierten Arabern heraus zu holen. Parallel dazu ist er mit einem speziellen Auftrag unterwegs. Er soll das Vertrauen einer israelischen Schriftstellerin gewinnen, um über sie einen mit ihr befreundeten todkranken Araber aus dem Gaza-Streifen heraus zu holen. Dessen Sohn ist ein Chef-Organisator des Terrors gegen den Staat Israel und damit ein vorrangiges Ziel für den Geheimdienst. Als bei einem Verhör in der "Hölle" ein Gefangener unter seinen Händen stirbt, und seine Frau ihn zu Gunsten eines beruflichen und privaten Neuanfangs in Boston verlässt, gerät der Geheimdienstler endgültig ins Wanken. Er konzentriert sich auf seinen Spezialauftrag – was ihm nur weitere Probleme bringt.

Mit seinem zweiten Roman hat Yishai Sarid einen Thriller der leisen Töne vorgelegt. Besonders wohltuend ist dabei, dass er die israelischen Geheimdienstler nicht als die coolen Super-Helden darstellt, wie man es zuweilen bei Daniel Silva und anderen Autoren findet, sondern als teilweise verzweifelte Menschen, die an der Richtigkeit ihres Tuns durchaus auch Zweifel hegen. Sarid macht deutlich, dass der Protagonist nicht damit zufrieden ist, dass sich seine arabischen Untersuchungsgefangenen auf Daten reduzieren, die ihnen von den Schabak-Spezialisten mit unterschiedlichen Verhör-Methoden entrissen werden. Es geht nämlich stets nur darum, Muster und Querverbindungen zu suchen, um dann mit verschärfter Befragung die entscheidenden Fakten ans Licht zu bringen. Wenn dann ein Gefangener am eigenen Erbrochenen erstickt, zeigt der namenlose Agent immerhin Gefühle und Selbstzweifel, auch wenn ihn sein Pflichtbewusstsein dazu treibt, sofort wieder weiter zu machen.

Sarid porträtiert seine Hauptfigur auch als Vater und Ehemann, der ein massiv schlechtes Gewissen wegen der Defizite im Familienleben hat. Und als er schließlich von dem aus Gaza nach Jerusalem geholten todkranken Araber als guter Israeli bezeichnet wird, kommen dem Mann sogar die Tränen. Dem Autoren gelingt es wirklich, seinen Protagonisten durchweg als Sympathieträger zu präsentieren. Und das ist bei so einem "Folterknecht" ja nicht ohne weiteres möglich. Aber Sarid hat einen Roman geschrieben, der nicht von knalliger Action lebt, sondern er steigert die Spannung für den Leser in langsamen Spiralen, indem er den Gewissenskonflikt des Schabak-Mitarbeiters eindringlich und nachvollziehbar schildert. Yishai Sarid hat seinen obligatorischen Militärdienst als Nachrichtenoffizier der Armee abgeleistet. In einem Interview mit einer deutschen Tageszeitung hat er deutlich gemacht, dass die Tätigkeit als Geheimdienst-Mitarbeiter in seiner Heimat ein Job ist, der viel Prestige für das weitere Berufsleben bringt, weshalb etliche seiner Bekannten, die inzwischen als renommierte Ärzte oder Professoren arbeiten, diese Zwischenstation für sich gewählt hätten.

Angesichts der Biografie des Autors würde man daher einen derart nachdenklichen Roman eigentlich nicht erwarten. Die Geschichte um Liebe und Probleme im Familienleben, um den Einsatz für das Überleben des Landes und das Zusammenleben mit der arabischen Bevölkerung ist für einen Thriller höchst ungewöhnlich. Aber der minimalistische Erzählstil von Sarid sorgt für eine Art Schnelldurchlauf, in dem dennoch die Figuren umfassend und anschaulich porträtiert werden. Während dem Agenten ständig die Zeit unter den Fingern zerrinnt, geht seine Ehe trotz aller gegenteiligen Bemühungen krachend in die Brüche. Parallel dazu baut er eine zunächst eigenartige und dann immer enger werdende Beziehung zu Daphna auf, deren Sohn er auch noch retten soll, um ihre Hilfe bei der Kontaktaufnahme zu Hani zu bekommen. Das höchst komplizierte Beziehungsgeflecht führt für den Schabak-Mann zu enormen und kaum überschaubaren emotionalen Konflikten, zumal Daphna andeutet, seine wahren Absichten zu durchschauen. Und so ist der Agent ständig zwischen Pflichterfüllung und moralischen Zweifeln hin und her gerissen. Dabei wird nicht eindeutig erklärt, ob er als Workaholic seine Ehe gegen die Wand fahren lässt, oder aus Verzweiflung über das Scheitern des Familienlebens immer wieder Vergessen in der Arbeit sucht.

Der ungewöhnliche Plot von Yishai Sarid macht das Buch überaus lesenswert. Allerdings hätte er sich und seinen Figuren durchaus noch ein paar Seiten gönnen dürfen, um die Geschichte wirklich rund zu machen. Dennoch ist "Limassol" ein lesenswertes und gelungenes Buch, vor allem weil es dem Leser so viel Unerwartetes und Nachdenkliches bietet. Und trotzdem ist das Buch ein unterhaltsamer Thriller – denn im Finale geht es dann doch noch mal richtig zur Sache.

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