Alle Rache will Ewigkeit

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • London: Little, Brown, 2010, Titel: 'Trick of the dark', Seiten: 451, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 2011, Seiten: 608, Übersetzt: Doris Styron

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Wolfgang Weninger
Grund(s)exkurs in weiblicher Triebhaftigkeit

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Okt 2011

Doris Styron hat Trick of the Dark übersetzt und heraus gekommen ist dabei ein 567 Seiten langer Roman, den der Knaur Verlag als Alle Rache will Ewigkeit vermarktet, wohl wissend, dass viele zu so einem Schmöker greifen, weil die privaten Affinitäten der Autorin durchaus bekannt sind und ein wenig Lesben-Sex so manchem Leser als erotische Würze gefallen kann.

Und Val McDermid greift auch gleich ins volle Programm. Im ersten Buchteil werden auf 130 Seiten jede Menge gleichgeschlechtlich eingestellte Damen aufgezählt und der Leser mit den dazugehörigen Querverbindungen verwirrt. Da wäre allen voran die Protagonistin und Psychiaterin Charlie Flint, die gerade eine berufliche Auszeit nehmen muss, weil aufgrund eines Ihrer Befunde ein vermeintlicher Verbrecher aus Mangel an Beweisen (berechtigt) freigesprochen wurde, nach dem Freispruch aber vier Menschen ermordet hat, weil nicht klar genug zum Ausdruck kam, dass der Mann gefährlich sei und weggeschlossen gehörte. In Charlies seelischem Tief wird sie von ihrer Frau der Zahnärztin Maria betreut, gehegt und gepflegt.

Bis dann auf ungewöhnlichem Weg Charlie zu einer eigenartigen Recherche geführt wird. Denn am St. Scholastika College in Oxford wird während der Hochzeitsfeierlichkeiten der Bräutigam ermordet, während die Braut nichts Besseres zu tun hat, als sich ihrer gleichgeschlechtlichen Triebe und der Liebe zu ihrer ehemaligen Babysitterin bewusst zu werden.

Die Braut, eine gewisse Magda, ist zufällig die Tochter einer ehemaligen Dozentin Charlies und da Frau Dozent nicht nur gegen die nunmehrige Beziehung ihrer Tochter ist, sondern auch glaubt, dass deren neue Flamme am Tod deren Ehemanns Schuld hat, schickt sie Charlie als Ermittlerin los, um die vermeintliche Mehrfachmörderin Jay Macallan Stewart, eine skrupellose Dotcom-Millionärin, genauer zu durchleuchten.

Wer bei diesem Grundexkurs in weiblicher Triebhaftigkeit und Trivialverhalten das Buch noch nicht entsorgt hat, darf sich freuen, denn die Lektüre wird um einen Hauch besser. Zumindest beginnt Frau McDermid endlich zu schreiben und bringt außer Verwirrung auch den netten Versuch zustande, einen halbwegs plausiblen Lebenslauf der vermeintlichen Übeltäterin in Form eines Tagebuchs in die Handlung einzubauen. Dass dabei die sonstigen Personen schlimmer agieren, als man es aus jeder RTL-Soap kennt, ist schon fast zu viel des Schlechten. Alle Frauen gucken sich nur bescheuert in die Augen, dann trifft der Blitz ihr erotisches Hinterstübchen und es kommt zu Gefühlskomplikationen, wer mit wem, warum oder warum doch nicht, oder vielleicht doch, wenn ...

Für diese Form der lesbischen Zurschaustellung hat Frau McDermid ganz klar die Goldene Zitrone verdient, denn in meinem Bekanntenkreis gibt es einige Damen mit erkennbarer Zuneigung zum eigenen Geschlecht, aber nicht eine davon würde sich so hirnverbrannt benehmen, wie es die zitternde und schwitzende Damenwelt in diesem Machwerk macht oder zu verhindern sucht.

Dass man dennoch wissen will, wie denn die ganze Misere endet, zeigt vom schreiberischen Potential der Autorin. Konstruktion und Aufbau der Story wären so übel nicht, wenn die Personen nicht so emotional fehlgesteuert wären. Dass man spätestens zu Beginn des dritten Teils weiß, wie die Häsin läuft, macht den Roman nicht besser.

Val McDermid hat hier einen Groschenroman abgeliefert, der wirklich nur bei einschlägigem Publikum auf Wohlwollen stoßen könnte. Und dieses Urteil hat keinesfalls etwas mit den sexuellen Vorlieben der Autorin und ihrer handelnden Personen zu tun, sondern lediglich mit der Anhäufung von Trivialszenen, die so grottenschlecht geschrieben sind, dass es über weite Strecken nervig ist, sich mit der Thematik zu befassen. Sorry, aber mit diesem Machwerk hat die Autorin keinesfalls eine Bresche für die gleichgeschlechtliche Liebe geschlagen, sondern eher das Gegenteil bewirkt.

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