Mondlicht steht dir gut

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 1998, Seiten: 350, Übersetzt: Regine Hilbertz
  • London, New York: Simon & Schuster, 1996, Titel: 'Moonlight becomes you', Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 287
  • München: Heyne, 2004, Seiten: 352

Couch-Wertung:

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Odile Odile
Jeder wird zum Serienmörder stilisiert

Buch-Rezension von Odile Odile Mai 2003

 

Hintergrund:

 

Zu allen Zeiten haben die Menschen wohl Angst davor gehabt, lebendig begraben zu werden. Der Fachausdruck dafür lautet Taphophobie. Im 18. und 19. Jahrhundert war diese Angst besonders ausgeprägt und so wurden Vorkehrungen getroffen, diesem grausamen Schicksal zu entgehen.

Eine Möglichkeit war, eine entsprechende Klausel ins Testament zu schreiben. So verfügte der Dichter Nestroy, dass seiner Leiche ins Herz gestochen werde. Alfred Nobel legte fest, dass ihm nach seinem Tod die Pulsadern geöffnet wurden.

Die andere Möglichkeit bestand in Gerätschaften, die es den Scheintoten ermöglichen sollten, Hilfe herbei zu rufen.

Dazu gehörten die viktorianischen Totenglocken. In einem Loch im Sargdeckel wurde ein Lüftungsrohr angebracht, das bis zur Erdoberfäche reichte. Durch dieses Rohr wurde eine Schnur gezogen, die an einem Ende an der Hand des Verstorbenen befestigt wurde und auf der anderen Seite mit einer Glocke verbunden war. Diese stand auf dem Grab und wurde sieben Tage lang überwacht, so dass die geringste Bewegung bemerkt wurde.

Eine andere Apparatur war der Rettungswecker, der nach einem ähnlichen Prinzip funktionierte.

Im niederösterreichischen Währing wurde 1828 ein solches Gerät aufgestellt. Die aufgebahrten Toten wurden wiederum mit einer Schnur mit dem Weckapparat verbunden, der in der Kammer des Totengräbers stand.

Die Hysterie ebbte allmählich ab, nachdem die ersten Leichenhallen entstanden (z. B. 1791 in Weimar) und obligatorisch eine 2-3 tägige Aufbahrung der Toten vor der Beerdigung eingeführt wurde.

Denn nicht immer war die Angst unbegründet!

Besonders tragisch erscheint mir das Schicksal des Dichters Gogol. Dieser litt nachweislich zeitlebens an Taphophobie.

Als man nach Jahrzehnten seinen Sarg öffnete, liess die völlig verdrehte Lage des Skeletts keinen anderen Schluss zu, als dass Gogol lebendig begraben worden war!

 

Zufällig trifft Maggie Holloway, eine erfolgreiche Fotografin, ihre Stiefmutter Nuala wieder. Sie freut sich sehr, denn dieser Frau verdankt sie die glücklichsten Jahre ihrer Kindheit. Spontan nimmt Maggie Nualas Einladung an, bei ihr den Urlaub zu verbringen. Sie spürt, dass irgendetwas ihre Stiefmutter ernsthaft beunruhigt.

Voller Vorfreude startet Maggie nach Newport. Aber sie kommt zu spät. Nuala wurde brutal ermordet. Einen Tag vor ihrem Tod hatte sie noch überraschend ihr Testament geändert und ihren gesamten Besitz Maggie vermacht. Diese beschliesst noch in Newport zu bleiben, da sie nicht an einen simplen Raubmord glaubt.

Bald erregt die luxuriöse Seniorenresidenz "Latham Manor" Maggies Interesse. Von Greta Shipley, Nualas Freundin und Bewohnerin des Altenheims, erfährt sie, dass ihre Stiefmutter kurzfristig ihren lange geplanten Einzug ins "Latham Manor" absagte. Warum?

Bei einem Besuch auf dem Friedhof entdeckt Maggie, dass vier von Nualas Freundinnen erst in den letzten Wochen gestorben sind. Alle wohlhabend, alle alleinstehend und alle Bewohnerinnen des Altenheims. Ein Zufall?

Als auch Greta plötzlich stirbt, glaubt Maggie an ein Mordkomplott. Auf Nualas Grab findet sie eine viktorianische Totenglocke versteckt, ebenso auf den Grabstätten ihrer Freundinnen. Was hat das zu bedeuten?

Fatalerweise begeht Maggie den selben Fehler wie Nuala. Sie gräbt eine der Glocken aus und nimmt sie mit. Prompt gerät auch sie ins Visier des Mörders. Als Maggie die Herkunft der Totenglocken entdeckt, gerät sie in eine tödliche Falle...

Mary Higgins Clark beginnt diesen Krimi mit einem Paukenschlag. Die Heldin erwacht aus einer tiefen Ohnmacht und stellt entsetzt fest, dass sie lebendig begraben wurde. Verzweifelt versucht sie sich bemerkbar zu machen und zieht an der Schnur, die ihren Finger mit einer Totenglocke verbindet. Woher soll sie auch wissen, dass der Klöppel entfernt wurde?

Nun beginnt die eigentliche Geschichte, die drei Wochen früher einsetzt und schildert, wie Maggie in ihre missliche Lage kam. Der Autorin gelingt es vorzüglich, den Leser, nachdem sie zunächst seine Neugier geweckt hat, ans Buch zu fesseln. Sie steigert die Spannung allmählich, aber stetig. Bis kurz vor Schluss habe ich mir den Kopf über die Identität des Täters zerbrochen und wurde dann doch noch überrascht.

Ihre Heldin zeichnet Mary Higgins Clark als Karrierefrau, intelligent, sympathisch und mitten im Leben stehend. Doch es gibt auch noch eine andere verletzliche Maggie, die schon einiges an Leid im Leben erfahren hat und der es schwer fällt, anderen zu vertrauen. Auch die anderen Charaktere zeichnet die Autorin mit Sorgfalt, was die Figuren lebendig und glaubwürdig erscheinen lässt.

Gut gefallen haben mir auch die Sequenzen, die aus der Sicht des Täters geschrieben sind. So erhöht Mary Higgins Clark die Spannung, ohne dabei die Identität des Mörders zu verraten.

Nebenbei erfährt der Leser noch einiges Interessantes über Bestattungsriten, luxuriöse Seniorenresidenzen (die wir uns alle niemals leisten könnten) und die herrliche Landschaft rund um Newport.

Mary Higgins Clark schreibt ungekünstelt, einfach, und flüssig. Ich habe dieses Buch in Rekordzeit gelesen und es hat mir gut gefallen.

Allerdings gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zu kritisieren. Mir erscheint der Versuch, eigentlich jeden der Beteiligten zum möglichen Serienmörder zu stilisieren, etwas konstruiert und unnötig. Auch empfinde ich Maggies leichtsinniges Verhalten gegen Ende des Romans als etwas unglaubwürdig. Würde sich eine gestandene Frau von zweiunddreißig Jahren wirklich ohne jede Rückversicherung in Lebensgefahr begeben?

Gestört hat mich auch die Tatsache, dass Worte/Ausdrücke/Sätze, die der Autorin wohl besonders wichtig erscheinen, kursiv gedruckt sind! Zumindest in meiner Ausgabe. Das kann ich nicht leiden, ich entscheide gern selbst, was mir wichtig ist.

Trotz dieser Kritik kann ich den Krimi empfehlen. Für ein, zwei spannende Abende auf der Couch garantiert er genügend Spannung und Unterhaltung

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