Die Bruderschaft

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • New York: Doubleday, 2000, Titel: 'The Brethren', Seiten: 366, Originalsprache
  • München: Heyne, 2002, Seiten: 447, Übersetzt: Dirk van Gunsteren
  • Berlin: Ullstein, 2003, Seiten: 6, Übersetzt: Charles Brauer, Bemerkung: gekürzt
  • Köln: Random House Audio, 2005, Seiten: 6, Übersetzt: Charles Brauer, Bemerkung: gekürzt
  • München: Heyne, 2006, Seiten: 447
  • München: Heyne, 2001, Seiten: 6, Übersetzt: Charles Brauer, Bemerkung: gekürzt

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Peter Kümmel
Unglaubwürdige Story und stereotype Charaktere

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Da das Buch in zwei unabhängigen Handlungssträngen voneinander abläuft, möchte ich auch den Inhalt so schildern.

Da ist zunächst das amerikanische Bundesgefängnis Trumble, in dem unter anderem die drei ehemaligen Richter Spicer, Yarber und Beech - genannt "Die Bruderschaft" - einsitzen. Sie schlichten in inszenierten Gerichtsverhandlungen Streitigkeiten unter den Gefangenen und geben ihren Mithäftlingen gegen Entlohnung Beistand bei deren Berufungsverhandlungen. Doch nebenher versuchen sie, durch Erpressung reich zu werden. In einschlägigen Magazinen geben sie sich über Kleinanzeigen als junge Homosexuelle aus, die Briefkontakt zu älteren Herren suchen. Der Briefwechsel erfolgt über ihren Anwalt Trevor, der die Briefe aus dem Gefängnis heraus und auch wieder hinein schmuggelt. Trevor beschafft sich durch Detektive Informationen über die Briefeschreiber. Wohlhabende und angesehene Männer werden dann anschließend kräftig zur Kasse gebeten, so daß sich auf dem geheimen Bankkonto, dass der Anwalt auf den Bahamas für die verschworene Gemeinschaft führt, recht schnell 6-stellige Dollarsummen ansammeln.

Der zweite Handlungsstrang beginnt im CIA-Hauptquartier in Langley, wo der CIA-Direktor Teddy Maynard eine Unterredung mit dem Abgeordneten Aaron Lake führt. Lake ist überrascht zu erfahren, dass er vom CIA unter vielen Kandidaten dazu auserkoren wurde, bei den gerade begonnenen Vorauswahlen zur Präsidentschaftskandidatur einzusteigen. Maynard verspricht Lake, dass er der nächste Präsident der USA werden wird, sofern er dafür verspricht, den Militärhaushalt zu verdoppeln, da aus dem Osten große Gefahr drohe. So beginnt eine beispiellose Wahlkampagne, von der CIA über die Rüstungsindustrie organisiert und dadurch mit unermeßlichen finanziellen Mitteln ausgestattet. Durch Bestechung und Erpressung werden andere Kandidaten ausgeschaltet und wichtige Persönlichkeiten zur Unterstützung des eigenen Kandidaten gewonnen. Auch vor inszenierten Terroranschlägen schreckt man nicht zurück, sofern dies Lake Nutzen bringt.

Die Verbindung dieser beiden Handlungsstränge möchte ich natürlich nicht verraten, doch dürfte diese wohl auch nicht allzu schwer zu erraten sein.

Sehr geschickt baut Grisham seinen Roman mit den bereits geschilderten nebeneinanderher laufenden Handlungssträngen auf. Zunächst kapitelweise wechselnd, dann in kürzeren Abschnitten wartet man förmlich auf die Verbindung, die unweigerlich kommen muß. Dabei bildet der Plot um den Präsidentschftskandidaten Aaron Lake den weitaus interessanteren Teil. Es ist schon sehr faszinierend, einmal hinter die Kulissen blicken zu dürfen, was mit genügenden finanziellen Mitteln alles möglich ist und wie die öffentliche Meinung durch die Medien manipuliert werden kann. Leider oder vielleicht glücklicherweise werden wir jedoch kaum erfahren, wieviel Wahrheit in der Geschichte steckt, dass und wie ein Kandidat vom CIA als Marionette aufgebaut wird.

Doch damit ist auch schon so ziemlich alles Positive über John Grishams neuesten Roman gesagt. Nach seinen letzten schwächeren Werken "Der Verrat" und "Das Testament" wurde die Hoffnung auf Besserung leider nicht erfüllt. Im Gegenteil, "Die Bruderschaft" ist der mit Abstand schwächste Roman des Autors und als absolute Enttäuschung zu bezeichnen. Obwohl auch diesmal Richter und Anwälte vorkommen, hält sich Grisham wie bereits weitgehend in seinen letzten Romanen, diesmal gänzlich aus den Gerichtssälen fern. Zum erstenmal auch verzichtet Grisham komplett auf einen Protagonisten. Es gibt nur große und kleine Gauner, mächtige und gelenkte Männer und ein paar mehr oder weniger große Opfer.

Die Story scheint recht weit hergeholt zu sein und wirkt zunehmend unglaubwürdiger. Hochspannung wie bei den Grisham-Klassikern kommt zu keiner Zeit auf. Das Buch ist zwar sehr einfach geschrieben, so daß es flüssig zu lesen ist, doch wartet man vergebens darauf, dass es so richtig in Fahrt kommt. Begonnene Geschichten von Erpressungsopfern werden einfach vergessen, nicht mehr erwähnt. Der so mächtige Agentenapparat, der einfach alles weiß und lenkt, versagt bei den einfachsten Sachen. In Erwartung zumindest eines tollen Schlußgags liesst man sich von Seite zu Seite, um dann am Ende nochmal richtig enttäuscht zu werden. Ohne großen Showdown geht das Buch im gleichen Stil zu Ende. Millionen werden von Konto zu Konto irgendwelcher obskurer Banken auf Karibikinseln verschoben und verlieren sich wie so manche noch offene Frage. Die weiteren schwachsinnigen Punkte möchte ich nicht einzeln aufführen, um denjenigen, die sich trotz allem nicht davon abhalten lassen, das Buch zu lesen, auch noch etwas Spaß zu gönnen. Man hat förmlich den Eindruck, dass Grisham von seinem Verlag unter Druck gesetzt wurde, endlich zum Ende zu kommen und sein Buch abzuliefern.

Die Darstellung der Charktere bildet ebenfalls keine Meisterleistung des Autors. Die drei Richter der Bruderschaft wirken dermaßen stereotyp, dass ich mir bis zum Schluß kein unterschiedliches Bild machen konnte und Einzelheiten nicht den Namen zuordnen konnte. Genauso erging es mir mit den Agenten des CIA, von denen auf einzelne auch genauer eingegangen wurde. Sie blieben für mich allesamt gestalt- und charakterlose Wesen. Auch die weiteren Personen, selbst die Hauptdatsteller Lake und Maynard, bleiben recht blass, obwohl doch auf fast 500 Seiten genügend Zeit gewesen wäre, diese bildhafter darzustellen.

So einfallslos hab ich Grisham noch nie erlebt. So allmählich bekomme ich den Eindruck, er ruht sich auf seinen Millionen aus und veröffentlicht nur noch Pflichtromane. Wer gerne einfach geschriebene und spannende Romane liesst, dem empfehle ich die ersten sechs Bücher des Autors. Alles, was nach "Der Regenmacher" kommt, ist mittelmäßig, "Die Bruderschaft" sogar absolut schwach. Wer sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, diesen Stuss zu lesen, soll sich hinterher nicht bei mir beschweren.

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