Die Familiengruft

  • DuMont
  • Erschienen: Januar 1988
  • 6
  • Garden City, N.Y.: Doubleday, 1979, Titel: 'The Family Vault', Seiten: 184, Originalsprache
  • Köln: DuMont, 1988, Seiten: 260, Übersetzt: Daniela Hermes & Achim Schückes
  • Köln: DuMont, 2000, Seiten: 260, Übersetzt: Daniela Hermes & Achim Schückes
  • Frechen: Delta Music, 2006, Seiten: 4, Übersetzt: Susanne Dobrusskin
Die Familiengruft
Die Familiengruft
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Sabine Reiß
93°1001

Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Das meint Krimi-Couch.de:

Charlotte MacLeod war keine unbekannte Autorin für mich, da ich ihre Serie um Professor Shandy im landwirtschaftlichen College von Balaclava bereits kannte. Liegt es da nicht nahe, auch die Protagonistin der Boston-Serie kennenlernen zu wollen?

Sarah Kelling verlor ihren Vater, als sie noch recht jung war. Er starb an einer Pilzvergiftung. Da es im Kelling-Clan durchaus üblich ist, dass Cousins und Cousinen unterschiedlichen Grades heiraten, damit man unter sich bleibt, nimmt sie den Heiratsantrag ihres Cousins Alexander an, der doch einige Jahre älter ist als sie. Sie lebt mit ihm und ihrer Schwiegermutter Tante Caroline in Boston. Die Kellings sind eigentlich nicht arm, doch die Unterhaltung der Häuser kostet einiges, so daß Sarah die Kleidung ihrer längst verstorbenen Mutter aufträgt und als Haushaltsgeld immer nur das wenige zugewiesen bekommt, was Alexander von ihrem Treuhandvermögen als Unterhalt auszahlt.

Tante Caroline führt ein strenges Regiment. Obwohl sie über genug Geld verfügen müßte und der Schmuck der Kellings in ihrem Schließfach lagert, lebt sie auf Kosten ihrer Schwiegertochter. Sie erblindete durch einen Unfall, als sie von einem Boot ans Land zurück schwimmen wollte, um ihrem Mann ein lebensrettendes Medikament zu besorgen. Alexander kümmert sich aufopferungsvoll um sie, so daß ihm und Sarah kaum ein eigenes Leben bleibt.

Max Bittersohn tritt aufs Tapet als Schriftsteller, der ein Buch über Schmuck in einem Verlag veröffentlichen möchte, der einem Freund von Tante Caroline gehört. Ich denke, dass ich nicht zuviel verrate, wenn ich sage, dass sich später herausstellt, dass er eine Art Detektiv ist. Er wird in den folgenden Romanen verschiedene Fälle zusammen mit Sarah Kelling lösen.

In dem vorliegenden ersten Band aus der Serie soll Sarah Kelling eine Beerdigung vorbereiten. Onkel Fred will jedoch nicht auf dem Friedhof beerdigt werden, auf dem alle anderen der Sippe seit einigen Jahren zur Ruhe gebettet werden, sondern er will in der Familiengruft bestattet werden, die seit Jahren nicht mehr geöffnet wurde. Sarah und Cousin Dolph sind bei der Öffnung derselben zugegen. Hinter dem Eingang präsentiert sich eine Mauer, deren Existenz den beiden gänzlich unbekannt war. Nachdem diese niedergerissen wurde, ergibt sich ein grausiger Fund. Das Skelett von Ruby Redd, erkennbar an den Rubinen in ihren Zähnen, liegt mitten in der Gruft und da sie nicht zur Familie gehört, ist eindeutig klar, dass hier ein Mord vertuscht werden sollte. Das Muster der Mauer erinnert Sarah leider an genau diese Bauweise, die ihr Mann und ihre Schwiegermutter bei der Renovierung ihres Landsitzes angewandt hatten. Mysteriöser wird die ganze Sache noch, als der Zeuge der Gruftöffnung, der Ruby identifizierte, tot in seinem Zimmer aufgefunden wird.

Ist etwa Sarahs Mann ein Mörder und was hat der Tod des Zeugen damit zu tun? Sarah begibt sich selbst in Gefahr, weil sie diesem Rätsel auf die Spur kommen will und Max Bittersohn hilft ihr tatkräftig...

Die Romane der Boston-Serie sind so ganz anders als die Fälle, die Peter Shandy am landwirtschaftlichen College lösen möchte. Steht in letzterem der doch recht skurrile Humor im Vordergrund und daß neben den Morden auch noch Schweine verschwinden oder Misthaufen in die Luft fliegen, so befinden wir uns nun eindeutig in der Bostoner Oberschicht, deren Umfeld doch um einiges feiner ist, als wir es im täglichen Leben gewohnt sind. Würde Charlotte MacLeod hier nur einen müden Abklatsch liefern, würde ich als Leser immer nur den Vergleich zu ihrer anderen Serie ziehen. So erlebe ich eine völlig neue Welt, die auf ihre Art ebenfalls sehr reizvoll ist.

Der klassische Detektiv-Roman muß nicht unbedingt in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts angesiedelt sein, denn die Autorin zeigt hier, dass auch noch Ende der Siebziger Jahre Strukturen vorzufinden sind, die das geeignete Umfeld für einen Klassiker bieten. Die Zeit scheint auf dem Beacon Hill stehen geblieben zu sein. Nicht Drogentote oder Verfolgungsjagden in einer amerikanischen Großstadt sind an der Tagesordnung, sondern die Leiche im Keller einer sehr angesehenen Familie. Irgendwie war mir beim Lesen gar nicht klar, wann die Geschichte nun definitiv spielt, aber es ist eigentlich auch egal. Blutrünstige Morde, Thrill und ähnliches spielt hier keine Rolle, zwar steht hier die Entlarvung eines Mörders im Vordergrund, aber das Thema ist nicht vorherrschend.

Charlotte MacLeod erzeugt Spannung, denn ich als geübte Krimi-Leserin hätte mir die Zusammenhänge wirklich erst ganz am Ende so zusammengereimt, wie sie dann tatsächlich aufgedeckt werden. Daß man das eine oder andere Detail schon erahnt (ich sage nur Schmuck), ist wohl nicht zu umgehen, damit nicht alles an den Haaren herbeigezogen wirkt. Die von ihr erschaffenen Figuren erzeugen Sympathie, wenn sie auch wenig realitätsnah sind (oder wer kennt Adlige, die den lieben langen Tag nicht arbeiten und ihr Geldproblem nicht lösen) und man kann herrlich in eine ganz andere Welt eintauchen - eine schöne Milieustudie. Ich war mal wieder so versunken, dass ich fast die Bushaltestellte zum Aussteigen verpaßt hätte.

Ich kann nicht anders, "Die Familiengruft" erhält von mir eine hervorragende Wertung - eindeutige Leseempfehlung für Liebhaber des klassischen Krimis. Für mich und für viele Rezensenten tritt sie mit der Boston-Serie in die Fußstapfen von bekannten Autoren wie Agatha Christie, vergißt jedoch dabei das Augenzwinkern nicht.

Die Familiengruft

Charlotte MacLeod, DuMont

Die Familiengruft

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