Kalter Hund

  • Grafit
  • Erschienen: Januar 2014
  • 5
  • Dortmund: Grafit, 2014, Seiten: 256, Originalsprache
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Lars Schafft
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonMär 2014

Alles geht vor die Hunde

Das Motiv ist uralt: Ein Kleinkrimineller benötigt Geld, hat natürlich keine Möglichkeit dieses aufzutreiben, und wird so zu einen richtigen Kriminellen. Genauso geschieht es dem Deutsch-Araber Bilal Gösemann. Nur, und damit wird es von Anfang an richtig orignell, Bilal Gösemann benötigt eine fünfstellige Summe, um aus der Asche seines verstorbenen Freundes und Haustieres Diego einen Diamanten anfertigen zu lassen. Das, so meint er, sei er ihm schuldig. Dumm nur, dass ihm die paar Botengänge für die libanesische Mafia nicht das nötige Kleingeld einbringen...

Bilal Gösemann ist der eigentliche Protagonist in Rainer Wittkamps zweitem Roman Kalter Hund, der offiziell zu der Reihe Martin Nettelbeck gehört. Nettelbeck ist LKA-Ermittler in Berlin und passionierter Posaunist, was der Serienfigur allein schon eine singuläre Stellung einbringt. Doch Nettelbeck ist nicht wirklich die Hauptfigur in diesem Roman, denn es passiert eine ganze Menge, so dass der Leser lange Zeit nicht weiß, wo Autor Wittkamp hinmöchte.

Ein heilloses Tohuwabohu

Denn neben Bilal gibt es einen Mafiaboss, der händeringend auf der Suche nach einer Frau für seinen jüngsten Spross ist, zwei Restaurantbetreiber, die fernab jeglicher Legalität ihre Investitionen zu sichern suchen und einen millionenschweren Playboy mit Erektionsstörungen. Diese Figuren – unterschiedlicher die Herkunft kaum sein könnte – führt Wittkamp in einem wahren Clash of Cultures zusammen. Es muss ausgehen, wie es ausgehen muss: Ein heilloses Tohuwabohu, in dem auch Nettelbeck die Übersicht zu flöten scheinen geht.

Auf dem Buchrücken wird Rainer Wittkamp mit Quentin Tarantino verglichen – das ist vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Großes Chaos beherrschen die Amerikaner vielleicht doch besser als wir Deutschen. Nichtsdestotrotz erfindet Wittkamp seinen eigenen Stil. Der Leser wird ihn finden zwischen Zeilen aus Gangsterthriller, Gaunerkomödie, Slapstick und Polizeiroman.

Ein ganz eigener Stil zwischen den Zeilen

Die große Leistung des Autors liegt darin, diese Genres miteinander zu verweben und die gelungene Balance zwischen Komödie und Spannung zu halten und so den Kalten Hund zu etwas werden zu lassen, was weit über das 08/15 der deutschen Krimiproduktion herausragt.

Kalter Hund ist etwas außerordentliches in der deutschen Kriminalliteratur, weil es sich vom üblichen Ermittlung-Täter-finden-Fall-geklärt wohltuend abhebt. Wenn es Rainer Wittkamp gelingt, die bewussten Stilbrüche dieses Romans in Zukunft konsequent zu seinem eigenen Stil zu machen, dürfen wir uns durchaus auf weitere Werke des gebürtigen Münsteraners freuen.

Kalter Hund

Rainer Wittkamp, Grafit

Kalter Hund

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