Sorry von Zoran Drvenkar

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.

  • Berlin: Ullstein, 2009. ISBN: 978-3-550-08772-1. 400 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2010. ISBN: 978-3-548-28183-4. 396 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Ulrich; u.a. Berkel, Christian; Pleitgen. gekürzt. ISBN: 3899036514. 7 CDs.

'Sorry' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Sie sind seine Opfer. Er macht sie zu Tätern. Vier Freunde folgen einem scheinbar harmlosen Auftrag und stehen plötzlich einer grauenvoll zugerichteten Leiche gegenüber. Er zwingt sie, sich in seinem Namen bei dem Opfer zu entschuldigen. Als sie darauf eingehen, nimmt ein unvorstellbar perfides und grausames Spiel seinen Lauf. Zoran Drvenkar ist mit diesem Buch ein zutiefst verstörender Thriller gelungen, der ihn auf Anhieb zu einem neuen Star dieses Genres machen wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sometimes Sorry is the Hardest Word« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Was kann dabei herumkommen, wenn ein vor allem durch Kinder- und Jugendbücher erfolgreicher Autor mit kroatischen Wurzeln, der in einer alten Mühle in Brandenburg seine Kreativität auslebt, einen Thriller abliefert? Kurz und mehr als gut: mit Sicherheit einer der besten des Jahres – da muss man kein großer Prophet sein – und mehr als wahrscheinlich sogar einer der besten deutschsprachigen Thriller überhaupt. Einer mit internationalem Format.

Zoran Drvenkar erzählt in Sorry die Geschichte einer Berliner Clique, von Kris, von Wolf (seinem kleinen Bruder), von Frauke und von Tamara. Viel gerissen im Leben haben die vier noch nicht, aber eine Bombenidee: eine Agentur für Entschuldigungen! Keiner ist fehlerfrei, tappt hier und da mal ins Fettnäpfchen, vergreift sich im Ton. Und wie vielen fällt es dann schwer, einfach sorry zu sagen? Das kann man den Menschen doch abnehmen, denken sich Kris, Wolf, Frauke und Tamara und gründen eine Firma mit eben diesem Ziel. Das Unternehmen brummt, sogar so sehr, dass sie ihre Geschäftsräume schon nach kurzer Zeit in eine Villa am Kleinen Wannsee verlegen können. Endlich haben die Freunde mal etwas auf Beine gestellt. Doch die Rechnung ohne einen äußerst schwierigen Klienten gemacht.

Dieser spezielle Kunde hört auf den Namen Lars Meybach und sonst auf nicht viel anderes. Er ist ein Mörder, kein zimperlicher. Sein erstes Opfer endete mit einem Nagel durch die Stirn an der Wand eines Berliner Altbaus. Und er ist perfide: Nicht nur, dass er die Agentur »Sorry« beauftragt, sich in seinem Namen bei der Toten zu entschuldigen. Nein – mit einem Blumenstrauß und einer netten Karte ist es diesmal nicht getan: Sie soll die Leiche entsorgen. Und der Täter hat sie im Griff – er weiß alles über Kris, Wolf, Frauke und Tamara …

Sorry ist in jeder Hinsicht das Originellste, was deutschsprachige Autoren von Spannungsliteratur in letzter Zeit abgeliefert haben. Wer nervenstark genug ist, den Einstieg mit der Mordszene zu überstehen, wird verwundert feststellen – so geht’s nicht weiter. Es ist kein Thriller, der von seiner Brutalität lebt. Dennoch ertappt der Leser sich, den Roman streckenweise als einen solchen wahrzunehmen. Einen Nagel in die Stirn eines lebenden Menschen zu kloppen, ist sicherlich kein Pappenstiel. Auch wenn es um den sexuellen Missbrauch von kleinen Jungen geht, darf sich jedem der Magen umdrehen. Aber das sind Szenen, äußerst kurze Schnitte, undetailliert. Das Schlimme spielt sich zwischen den Zeilen ab.

Und daran hat Zoran Drvenkars erst konfus wirkende, aber höchst durchdachte Sprache und Struktur einen enormen Anteil. Allein die Titel der Kapitel: »Davor«, »Du«, »Danach«, »Kris«, »Tamara«, »Frauke«, »Wolf«, »Der Mann, der nicht da war« – in ständiger Rotation. Gefährlich sind dabei vor allem die Du-Kapitel – denn hier spricht der Mörder den Leser direkt an, was eine Nähe erzeugt, die keinem recht sein kann und sich die Nackenhaare sträuben.

Sprachlich ist Drvenkar deutlich, glasklar, stilsicher, zeitgemäß, kompromisslos, passagenweise kunstvoll. Und sein unsichtbarer Erzähler vermittelt ständig das Gefühl, mitten drin im Geschehen zu sein, den Tick mehr zu erahnen, ohne es auszusprechen. Das bedrückt, das beängstigt, stößt ab und fesselt. Psycho-Thrill in Rein- wie Bestform.

Dass Drvenkar in Perspektive wie Zeit springt, auf den einen Protagonisten verzichtet und es geschafft hat, vier unterschiedliche wie eigenständige Charaktere durch seinen Plot zu führen, ist großes Kopf-Kino. Leicht amerikanisch dank der kurzen Kapitel, aber sprachlich wie inhaltlich so eigenständig, dass sich jeder Vergleich zu US-Thrillern verbietet.

Sorry ist einer der ganz wenigen Must-Reads dieses Genres – dazu innovativ. Ein packendes wie erschreckendes Ereignis. Ich wünsche Ihnen Nerven wie Drahtseile!

Lars Schafft, Februar 2009

Ihre Meinung zu »Zoran Drvenkar: Sorry«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

ArsMoriendi zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 16.01.2012
... Wahnsinn. Ein Kriminalroman hat mich lange nicht mehr so fesseln können. Der Schreibstil ist erfrischend anders, man ist gezwungen sich dem Autor "auszuliefern" und die schnellen Wechsel der Erzählperspektiven mitzumachen, kann das große Ganze unmöglich selbst vor dem phänomenalen Ende entwirren. Und die epische Größe, zu der das Grundthema am Ende anwächst, hat mir den Atem verschlagen. Und mich sehr, sehr nachdenklich gemacht. Kein Buch für jedermann... Aber ich bin auch nicht jedermann. Perfekt. 97°.
Piet Hein zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 26.10.2011
Grausam. Wenn es wirklich zur Kunst gehören sollte, das man sich sölche grausame Sachen vorstellen muss, wie das Geschehene mit dem kleinen Junge, dann wird man geistig und gefühlsmässig krank. Ein Thriller der davon lebt, das Dunkelste der Menschenseele auf zu decken, so wundert es mich, wer möchte so was lesen? Wer möchte wirklich sich während des Lesens vorstellen, den Schmerz, die Konzequenzen für die kindliche Seele. Jeder der selber Kindern hat, ist zum Tiefsten entsetzt, sieht die Welt ab dann erst mal als grundsetzlich feindselig, duster und böse. Warum wollen Menschen sich immer wieder sölche wahnsinnige Gedanken und innerliche Bildern freisetzen? Was treibt einem Schriftsteller, dies so ausführlich zu tun. Ein Buch, das ich nicht ausgelesen habe. Ich traue mich nicht meine richtige Name her zu hinterlassen.
authorhans zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 08.08.2011
Ich kann mich Lars Schafft auch nicht so ganz anschließen; die Story ist sicherlich spannend, aber die holprige, schwierige Sprache (die Herr Schafft als stilsicher und glasklar beschreibt?!?) wirft mich immer wieder aus dem Text - unter GLASKLAR verstehe ich etwas anderes. Wem es aber gelingt, hinter diesem eigensinnigen Stil die Story zu entdecken, wird sie fesseln und in die Mangel nehmen. So oder so ist SORRY mal etwas ganz, ganz anderes
kathrinchen999 zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 05.06.2011
Ich kann mich eurer Berwertung nicht anschließen. "Sorry" ist eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Von konfusem Stil kann keine Rede sein, es ist dem Autor gelungen, durch den ihm sehr eigenen Schreibstil die Spannung stets auf höchstem Niveau zu halten. Was mich hier besonders berührt hat, ist eine Traurigkeit zu spüren, die aus dem Thema an sich kommt. Danke, Zoran Drvenkar
Dieter Deginus zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 10.05.2011
Ich habe mich mit dem Schreibstil sehr schwer getan. Nach 140 Seiten habe ich es dann aufgegeben. Seit Jahren mal wieder, ich habe einfach aufgrund der Schreibweise keinen Zugang zum Inhalt des Buches gefunden. Die Art uns Weise wie sich die Gechichte entwickelt, hat bei mir keine Spannung aufkommen lassen. Vielleicht bin ich ein zu "konservativer" Leser.
axelp zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 09.05.2011
zum Glück brauche ich nicht so viel zu schreiben, Torsten hat alles schon gesagt.
Ich habe zum Glück das Buch nach 130 Seiten weggelegt (was bei mir sehr selten passiert, sonst wuschtle ich mich durch). Aber der Schreibstil ist entweder mittelalterlich oder der Schriftsteller kommt von einem anderen Stern. Es läßt sich einfach nicht flüssig lesen und Spannung kommt gar nicht erst auf.
Auch ich frage mich, wie kann das Buch solche Bewertungen bekommen und auf die Stufe mit renommierten Autoren gestellt werden?
Ich hoffe, daß meine 30 Grad nicht geblockt werden.
Torsten zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 05.04.2011
Wieder einmal kann ich nicht nachvollziehen, was die offensichtliche Mehrheit der Kommentatoren (und auch KC) dazu bewogen haben könnte dieses Buch so in den Himmel zu loben.
Ganz ohne Zweifel ist der Stil so wie ihn auch Lars Schafft beschreibt: konfus nämlich. Eine Kunst dahinter kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen - ich habe mich bis so etwa zu Seite 300 nur über den schwer erträglichen Stil geärgert (schon allein die Art Dialoge stets mit Spiegelstrichen zu beginnen finde ich furchtbar) und erst die letzten 100 Seiten haben durch so etwas wie Spannung und Auflösung der Verstrickungen ein wenbig Spass gemacht.
Übrig geblieben ist ein eigentlich fast banal zu nennender Plot von Missbrauch und Rache, angereichert mit kaum glaubhaft gemachten Sinnfragen nach Schuld und deren Vergebung.
Nicht nur, dass alle Protagonisten ziemlich oberflächlich und blass, ja geradezu austauschbar charakterisiert wirken - auch sämtliche Handlungen und auch deren Beweggründe scheine mir äusserst unglaubwürdig. Zum angeblich so kunstvoll überhobenen Stil passt dann auch das Ende - wenn man denn überhaupt von einem Ende sprechen kann. Fantasie ist für einen Leser ja immer gut, aber wenn man nicht nur das ganze Buch hindurch ständig rätselt wer jetzt gerade handelt und über wen wer gerade wohl sprechen mag und man sich dann noch den Sinn des "Endes" selbst erfinden muss, dann schmälert das das LEsevergnügen doch massiv. Für eine moralisch-ethische Grundsatzfrage über Schuld und Sühne eignet sich jedenfalls weder Genre noch ganz besonders der gewählte Stil.
Mit Mühe 30 Grad.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
theili zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 24.02.2011
GROSSARTIG! AUFWÜHLEND! ERSCHRECKEND!

Das ist ein Meisterwerk. Zoran schafft es die Spannung über die gesamte Geschichte aufrecht zu halten.
Die Idee die Kapitel mit den sechs Hauptfiguren zu betiteln, finde ich ebenfalls gelungen.
Das mit dem "DU" ist sowieso sehr speziell: Der Leser ist eine Romanfigur und erfährt im Laufe des Buches was er alles erlebt und erlebt hat. Echt Klasse!

Ich freue mich bereits auf Zoran nächsten Roman: DU
HarryHole zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 08.02.2011
Der beste Beweis dafür, dass sich Spannung nicht unbedingt in Litern messen lässt ... ganz großes Kino!
Ersteres fällt besonders im direkten Vergleich mit epochalen Splatter-Orgien à la Kilborns "Angst" (nur EIN Beispiel) auf.
Verstörtheit des Lesers inbegriffen und unbedingt beabsichtigt.
Zoran, schick uns bitte mehr davon aus Irland!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mo zu »Zoran Drvenkar: Sorry« 21.01.2011
Stimmt für Liebhaber authentischer Krimis wohl zu kontruiert. Trotzdem auf Grund seiner sprachlichen und inhaltlich gegiederten Feinarbeit sehr spannend und vor allem originell! Für Leser die sich nicht nur eine Who-Done-it Handlung sondern auch sprachliche Kunstfertigkeit erwarten. Wirklich empfehlenswert! Man wird schwer etwas Vergleichbares am deutschen Krimimarkt finden.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 58.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Sorry

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: