Du von Zoran Drvenkar

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Ullstein.

  • Berlin: Ullstein, 2010. ISBN: 978-3-550-08773-8. 528 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2011. ISBN: 978-3-548-28362-3. 295 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2012. ISBN: 978-3-548-28397-5. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2010. Gesprochen von Matthias Brandt. ISBN: 3899031814. 6 CDs.

'Du' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Nimm einen Mann, der durch ganz Deutschland reist und keine Gnade kennt. Wo er hinkommt, bleibt niemand am Leben. Nenn ihn »Der Reisende«, mach ihn zum Mythos und fürchte ihn. Nimm fünf Freundinnen, die erst dem Chaos die Tür öffnen und dann die Flucht ergreifen. Leg ihnen fünf Kilo Heroin und eine Waffe ins Gepäck. Nenn sie »Die süßen Schlampen« und fürchte sie. Nimm einen Vater, der verfolgt wird von seiner Vergangenheit und es ganz und gar nicht komisch findet, dass sein Heroin verschwunden ist. Stell dir vor, dieser Vater hat nur ein einziges Ziel: Er will die fünf Freundinnen aufhalten. Um jeden Preis. Nenn ihn »Der Logist« und meide ihn. Sie alle bewegen sich aufeinander zu, sie sind voller Rache und haben keine Ahnung, dass du sie beobachtest. Zoran Drvenkar legt nach Sorry erneut einen äußerst raffiniert komponierten Roman vor. Um Freundschaft und Angst geht es – und um die dunkle Sehnsucht des Menschen nach Chaos und Grausamkeit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Du, der Massenmörder« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Der Name ist Programm. Wie schon im Vorgänger Sorry, für den Zoran Drvenkar erst kürzlich mit dem Friedrich-Glauser-Preiser ausgezeichnet worden ist, irritiert auch in Du sofort eines: Drvenkar spricht den Leser direkt an. Im ersten Kapitel aus der Sicht eines Massenmörders, der in einer bitterkalten Nacht im Stau auf der Autobahn auf die bizarre Idee kommt, die Fahrer und Fahrerinnen hinter ihm kaltblütig zu ermorden. Er soll später als »Der Reisende« wieder auftauchen. Neben zwei weiteren Handlungssträngen: »Die süßen Schlampen«, fünf junge Gören, beste Freundinnen, die die Flucht ergreifen müssen – mit einer Waffe und Heroin im Gepäck. Die Drogen stammen vom »Logist«, ein Vater, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. »Der Reisende«, »Die süßen Schlampen« und »Der Logist« bewegen sich in einer höllischen Spirale aufeinander zu. Kommt es zum Big-Bang?

Mehr kann und darf an dieser Stelle nicht verraten werden. Keine dankbare Aufgabe für den Rezensenten, will er nicht groß erklären und vor allem vorwegnehmen. Eigentlich hat er im ersten Absatz schon zuviel von der Story preisgegeben. Denn Drvenkars Du ist komplex, hochkomplex, eine strukturelle Meisterleistung. Sie verlangt dem Leser aber auch vieles ab.

Da sind auf der einen Seite über zehn (!) verschiedene Erzählperspektiven, die lange Zeit kaum etwas miteinander zu tun haben. Weder zeitlich, noch, räumlich, noch von den Personen her. Als Leser ist man fast schon dankbar, dass die Kapitel der »süßen Schlampen« hintereinander stehen. Wie diese mit dem »Logisten« oder dem »Reisenden« zusammenhängen – darin besteht die Aufgabe des Lesers, die Ausdauer aufzubringen, eben dies herauszufinden.

Auf der anderen Seite bringt Zoran Drvenkar das zum Ausufern, was Sorry ausgezeichnet hat: Die direkte Anrede des Lesers in der zweiten Person Singular. Das verstörte bei Sorry ungemein, war aber eben auch dessen Aushängeschild. In Du beschränkt sich der gebürtige Kroate nun nicht mehr nur auf ein paar Kapitel, sondern spricht durch die Bank den Leser mit du an. Mit einem ungewohnten emotionalen Effekt: Manche Kapitel (also Erzähler) sind schrecklich nachvollziehbar, es taucht teils Mitleid, teils Verständnis, teils Mitfühlen auf. Bei anderen hingegen eher Distanz, Abscheu und Wut. Formidabel, wenn diese Gefühle ein Autor beim Leser erwecken kann!

Wie schon in Sorry spielt in diesem Figuren-Kuddelmuddel dabei die Familie jedes Einzelnen eine große Rolle. Sie ist kein Rückzugsort, keine Lokalität mit Friede, Freude und Eierkuchen. Sie kann Schlimmes hervorrufen – und eben nur noch Weniges kitten. Diese Erkenntnis ist noch schlimmer als der Body-Count, mit dem der »Reisende« in Du eine Spur der Toten hinter sich zieht.

Halten wir noch kritisch fest, bevor wir zum abschließenden, großen Lob kommen: Du ist nicht mehr ganz so innovativ wie Sorry, phasenweise sogar experimentell. Und auch, wenn sich an den »süßen Schlampen« vielleicht etwas zu deutlich zeigt, dass Zoran Drvenkar auch im Jugendbuch- Bereich beheimatet ist (und deswegen Du durchaus hätte etwas straighter, also von der Seitenzahl her kürzer, hätte sein können), so ist dennoch dabei ein äußerst intensives Buch herausgekommen, das das Wort »Leseerlebnis« neu definiert.

Zoran Drvenkar nimmt den Leser mit auf eine Achterbahn, die mehr tiefe Gefälle als steile Anstiege hat. Die Lektüre ist ein Wagnis, wenn man sich darauf einlässt. Groß ist die Gefahr, sich in einer der vielen Charaktere wiederzuerkennen, Verständnis für etwas aufzubringen, was nicht sein darf. Aber vielleicht sein muss. Du ist ein perfides Spiel mit Ängsten. Wer offen für neue Erzählformen und den direkten Zugriff aufs Emotionale in jedweder Form ist, lernt Psychothriller von einer ganz anderen Seite kennen.

Lars Schafft, November 2011

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sbbsnl zu »Zoran Drvenkar: Du« 31.03.2011
Hallo Du,

Du liest hier eine Rezension über das Buch "Du" von Zoran Drvenkar, ein in Kroatien geborener Schriftsteller, der heute in der Nähe von Berlin lebt.

Du wirst in dem Buch folgenden Inhalt vorfinden:

Ein Mann fährt durch die Nacht und hinterlässt über Jahre in ganz Deutschland eine Spur des Grauens, fünf jugendliche Freundinnen teilen Ihre Probleme, Schicksale und Tragödien miteinander und eine dramatische Jagd auf eine von ihnen durch den Logisten beginnt...

Was kannst Du erwarten:

Es dreht sich in dem Roman um verschiedene Personen, die auf unterschiedliche Arten miteinander verbunden sind. Ihr Geschichten, ihr Leben und Ihre tragischen Verhältnisse zueinander wirst Du kennenlernen und es zwischendurch vor Spannung kaum aushalten.

Zoran Drvenkar schreibt für Dich in einem sehr eigenwilligem Stil. Das "Du" spielt durchgängig eine große Rolle, da er alles in dieser Schreibform hält. Grundsätzlich handelt es sich um eine wirklich gutes Buch. Es ist anders und nicht ganz leichte Kost, aber spannend und wirklich interessant geschrieben. Die Erzählungen über den Reisenden und die teilweise tiefgehenden Geschichten über die vielen Personen in dem Buch haben mich am meisten gefesselt. Die vielen Sprünge in den Zeiten werden Dich vielleicht anstrengen und erst etwas überfordern, aber dranbleiben lohnt sich. Gestört hat mich lediglich die Teenagersprache und das Schreiben in Wortfetzen, aber das wirst auch Du verschmerzen können. Die Verbindungen untereinander, die sich ganz langsam zeigen und immer klarer werden, sind dafür sehr, sehr spannend und machen das Buch aus.

Natürlich wirst Du hier nichts über den Schluß erfahren, aber Du wirst sehen, es bleibt auch am Ende ein wirklich lesenswertes Buch und Du wirst aus meiner Sicht, das Lesen und die Gewöhnung an den etwas eigenwilligen Schreibstil nicht bereuen.

Meine Fazit für Dich:

Warum immer nur den einfachen Weg des Lesens gehen? Ein wenig Abwechslung und Arbeit für den Kopf schadet ja auch Dir sicher nicht. Am Ende wirst auch Du mit "Du" mehr als zufrieden sein...

Viel Spaß beim Lesen...sbbsnl
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Markus zu »Zoran Drvenkar: Du« 29.01.2011
In meinen Augen maßlos überschätzt. Wer dem Ende etwas abgewinnt, sollte dieses Ende einmal ansatzweise erklären. Es bleibt mir ein großes Rätsel. Der Roman ist völlig über-konstruiert, dazu auf jeder Seite mit wortreichen Vergleichen und sonstigen Metaphern überfrachtet. Kein einziger ambivalenter und damit interessanter Charakter wird entfaltet, sondern nur austauschbare eindimensionale Typen präsentiert. Unrealistisch ist manches zudem. Die Darstellung der Mädchenclique erinnert an Enid Blytons "Fünf Freunde" und passt nicht zu der brutalen Welt, in der sie sich befinden. Insgesamt für mich enttäuschend.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Klaus zu »Zoran Drvenkar: Du« 05.01.2011
"Du" ist für mich der beste und originellste Krimi, den ich bisher gelesen habe. Es erinnert mich an den Film "Pulp Fiction", was das Milieu und die Verschachtelung der Zeitebenen im 1. Teil betrifft.

Kleine Kritik an Lars Schaffts Kritik: Mit "Du" wird nicht der Leser angesprochen, sondern die Person, aus deren Perspektive das jeweilige Kapitel geschildert wird. "Du" ist also immer wieder jemand anderes. Die Frage ist eher: Wer ist "Ich", der "Du" sagt ? Der Leser ? Der Author ?
lenchen_196 zu »Zoran Drvenkar: Du« 04.01.2011
Nicht ich und nicht er, sondern DU


Der Roman DU besteht aus drei Erzählsträngen, die der Autor genial zusammenführt, was aber nur am Ende der Geschichte völlig klar wird. Natürlich, sonst wäre es ja nicht so spannend!
Ein gefühlloser Massenmörder reist durch das Land und tötet in regelmäßigen Abständen Fahrer, die im nächtlichen kilometerlangen Stau stehen, oder die Bewohner ganzer Dörfer.
Es gibt auch einen kleinen Familienclan aus Berlin, Vater und seine zwei kriminelle Söhne, die auch ihre unglaublichen Rollen im Sujet spielen.
Und dazu noch fünf freche Teenager-Freundinnen, oder der „Club der süßen Schlampen“, wie der Autor sie nennt.

Die sind alle in die Geschichte verwickelt und es geht rasant vor. Opfer, Täter, Drogen, Waffen, große Gelder, gefrorene Leiche und gestohlene Autos, von allem gibt es genug in diesem Roman und darum kommt es manchmal fast unglaublich vor.
Das Coverbild schon ist sehr interessant und birgt eine optische Täuschung (ob nun absichtlich oder nicht). Eigentlich zeigt es einen Mann mit geschlossenen Augen, wenn man das Cover jedoch aus einigen Metern Entfernung anschaut, scheint es so, als sähe er einem direkt in die Augen. (Und das mit grusligen weißen Augen).

Der Titel des Buches heißt auch nicht umsonst DU. Es ist nicht nur der Titel, sondern auch die Erzählform der Geschichte. Und genau diese Form ist etwas, was vielleicht nicht jeder so leicht annehmen kann. Ich kann mich mit keiner der Figuren identifizieren und ich will es auch nicht. Soll ich Mitleid zu einem haben und mich wie in seiner Haut fühlen? Nicht unbedingt. Mir sind alle zu kriminell ;-) Darum ärgert mich auch diese DU-Form. Es ist zwar modern und ungewöhnlich, aber auch verwirrend und nicht dringend nötig. Ich fand mich mit dieser Form der Erzählung erst nach den ersten hundert Seiten zurecht, bevor ich begriffen habe, dass es im jeden einzelnen Abschnitt um eine jeweils andere Person geht, obwohl sie alle für den Lesern DU sind. Ich musste anfangs immer ein bisschen zurückblättern, um das ganze Bild im Kopf zu haben. Nur die Bezeichnungen der einzelnen Abschnitte verraten uns, um wen es diesmal geht. Man muss die ersten (paar) Seiten wirklich überwinden.

Die Story selber fand ich spannend. Stellenweise märchenhaft, was mehrere Stränge angeht – es wird im wahren Leben nie passieren, diese „zufälligen“ Treffen oder der leichte Sieg der „starken“ 15-jährigen Mädchen gegen Profikiller usw. Der Autor kann sich über fehlende Fantasie nicht beschweren. Aber genau deswegen lässt sich der Thriller schnell und flüssig lesen, wenn man wie erwähnt diesen DU-Aufbau der Geschichte schnell genug versteht. Die Spannung steigt von Seite zu Seite und man bekommt das Buch kaum aus der Hand, bis man es fertig hat. Der Stil ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber das Buch ist interessant zu lesen und sehr empfehlenswert für alle Thriller-Liebhaber.
Das Ende bleibt mehr oder weniger offen – ob wir wohl auf eine Fortsetzung warten dürfen?
Samara zu »Zoran Drvenkar: Du« 28.12.2010
Das Buch hat mir Spaß gemacht zu lesen. Ich mag die Mädels und das was sie verbindet. Die letzten 200 Seiten jedoch gingen mir einfach zu schnell. Zu viele Dinge die passieren und ein Ende dass mich zum Teil verstehen lässt, zum anderen aber im Dunkeln zurück lässt. Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, vor allem wegen der ausgefallenen Schreibweise duch die Anrede mit DU... Das macht das ganze interessant. Nur das Ende lässt mich noch ein wenig darüber nachdenken.
Thomas Böker zu »Zoran Drvenkar: Du« 17.11.2010
Weltklasse!!! Ein fantastisches Buch. Spannung pur, tolle Sprache, eine in sich schlüssige Handlung. Wie will er das nochmals toppen? Aber das muss er auch gar nicht. Ganz stark. Man muss beim Lesen Pausen einlegen, um durchzuatmen. Dies ist eines der Bücher, die man zum einen unbedingt zu Ende lesen will, am Ende aber traurig ist, wenn man das Buch zu ist. Danke, Herr Drvenkar!
koepper zu »Zoran Drvenkar: Du« 04.11.2010
Er fiel mir schwer in das Buch hinein zu finden. Ständige Perspektivwechsel, kurze Kapitel, jeweils aus der Sicht eines der vielen Protagonisten, Zeitsprünge. Es dauerte schon eine Zeit, bis Fluss in die Geschichte kam. Mit Fortgang der Handlung wird „DU“ durchaus spannend. Dennoch: Der Thriller reicht leider nicht entfernt an sein herausragendes „Sorry“ heran. Der Autor hat zu viel in seine knapp 580 Seiten gepackt. Die bedingungslose Freundschaft der fünf Mädchen, das Thema Rache, und Motive die einem Familienroman entspringen könnten, das alles ist ein bißchen viel. Er erzählt mehrere Geschichten, die vorerst nichts miteinander zu tun haben, irgendwann aber zusammenlaufen. Das ist arg konstruiert. Mir ist Drvenkar auch zu geschwätzig. Einige Kürzungen in den Schilderungen der handelnden Personen hätten dem Buch gut getan. Spannung gewinnt der Thriller, weil schnell klar wird, dass die Geschichte auf einen alles entscheidenden Showdown zuläuft. Da will man dann doch schon wissen, wie das Ganze ausgeht. „Du“ ist kein Volltreffer aber durchaus lesenswert.
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Dominik zu »Zoran Drvenkar: Du« 26.10.2010
Nur ganz schnell: Habe die ganze Nacht durchgelesen. Brillanter geht es nicht. Jetzt brauche ich Schlaf. Träume von dem Buch. Wieso nur 570 Seiten? Will mehr. Was für ein Plot, verrückter geht es nicht. Als wäre alles gewachsen. Nichts konstruiert. So dunkel und böse. Und die Mädchen sind der Hsmmer.
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Lechalinn zu »Zoran Drvenkar: Du« 15.10.2010
Leider kein Vergleich mit "Sorry".
Die Geschichte ist arg konstruiert, letztendlich erstaunlich sinnleer und nicht einmal richtig spannend. Außerdem bleiben für mich die Heldinnen unsympathisch, die Tiefe ihrer Gefühle zueinander wird zwar beschrieben, bleibt aber substanzlos und für mich nicht nachvollziehbar.
Auch die Lebensgeschichten der zahlreichen Nebenpersonen wären eigentlich interessant, bleiben aber beliebig und berühren nicht wirklich. Schade.
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