Die eisblaue Spur von Yrsa Sigurdardottir

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Auðnin , deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Fischer Taschenbuchverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.
Folge 4 der Dóra-Guðmundsdóttir-Serie.

  • Reykjavík: Veröld, 2008 unter dem Titel Auðnin . 330 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 2010. Übersetzt von Tina Flecken. ISBN: 978-3-596-18343-2. 338 Seiten.

'Die eisblaue Spur' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dóra Guðmundsdóttirs vierter Fall führt die Reykjaviker Anwältin ins eisige Grönland. In einem entlegenen Forschungscamp sind zwei isländische Arbeiter verschwunden, der Rest des Teams weigert sich, ins Camp zurückzukehren. Dóra muss der Sache auf den Grund gehen. Warum verhalten sich die Einheimischen so ungewöhnlich feindselig? Offenbar ermittelt die Anwältin an einem verbotenen, heiligen Ort. Als sie bei einem heftigen Schneesturm im Camp festsitzt, entdeckt sie alte Kultgegenstände und menschliche Knochen. Doch nachdem der Sturm sich gelegt hat, macht die grönländische Polizei einen viel grausigeren Fund.

Das meint Krimi-Couch.de: »Knochenbingo« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Wenn sich Banken aufmachen, um in unwirtlichen Gegenden Geld zu verdienen, kann aus einer gutgemeinten Investition leicht beträchtliches Risikokapital erwachsen. In Yrsa Sigurdardòttirs Die Eisblaue Spur führt das Bauunternehmen Bergtaekni Probebohrungen auf Grönland durch. Island verspricht sich neue Arbeitsplätze, der Konzern zu erschließende Bodenschätze von dem Projekt. Da verschwinden zwei Arbeiter. Eine Geologin wird vermisst und ein kurzer Film weist bestenfalls auf die Folgen einer Körperverletzung, schlimmstenfalls auf einen Mord hin. Dem Bauunternehmen laufen die Arbeiter weg, und ein britischer Bergwerkkonzern erwägt, eine Bürgschaft in Anspruch zu nehmen.

Ein Fall für Juristen somit. Auch wenn sich mitten im Schneesturm schlecht mit Paragraphen argumentieren lässt. Für Dóra Gudmundsdóttir trotzdem eine Abwechslung von ihrem Alltag als Scheidungsanwältin. In ihrem vierten Fall führt Yrsa Sigurdardòttir ihre Anwältin an einen verbotenen Ort. Eine seltsame Krankheit, womöglich die spanische Grippe hat vor langer Zeit die Bewohner dieser abgelegnen Region aussterben lassen. Seitdem sollen ihre Seelen keine Ruhe finden. Geister ihr Unwesen treiben.

Es hängt irgendwie mit dem Gesicht und den Sinnesorganen zusammen. Das Blut soll den Körper durch Augen, Mund und Nase verlassen. Sogar durch die Ohren. Das Gesicht läuft blau an und wenn man kein Blut mehr hat, folgt man den Geistern ins Eis auf einer blauschimmernden Spur, wie eine Ader im Schnee.

 Vom Fluch

Dass die Schändung mittels moderner Technik verbotener Orte oder heiliger Stätten nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Das wusste schon Karl Mey oder heutzutage Preston/Child. Längst sind alle Länder vermessen, fremde Völker katalogisiert, entwächst das Grauen wie bei Schätzing den Tiefen der Weltmeere oder werden wie bei Yrsa Sigurdardòttir vom Eis konserviert.

Trotzdem entgeht die Autorin der Gefahr eines blanken Schauermärchens, was am ruhigen Ton liegt, mit dem sie die Eiswüste, wie die Bewohner einfängt. Während Dóra Fakten sammelt, bei den Einheimischen auf Feindseligkeit stößt, versteht die Autorin es, die Unfähigkeit der modernen Welt mit den tradierten Überlieferungen der alten Welt an persönliche Schicksale wie dem des Jägers Igimaqs und seiner Tochter Usinna zu knüpfen.

Den Naturwissenschaften, wie der Religion werden Grenzen aufgewiesen. Die Einheimischen versuchen, im Einklang mit der Abgeschiedenheit und den Auswüchsen der Vergangenheit zu leben. Das ausgerechnet das Bohrteam selbst die Tragödie auslöst, indem es aus reiner Neugier am Fremden, aus mangelndem Respekt Tabus bricht und in einer von der Autorin fulminanten Szene mit dem Überresten eines Menschen ein Knochenbingo veranstaltet, rückt Yrsa Sigurdardòttir von der breiten Massen der Kultstätten-Thriller ab. Wer lebt da im Einlang mit sich? Jene, die vor Geistern zurückschrecken, oder jene Aufgeklärten, die um einen Knochenschädel eine Verlosung ausrufen, um ihn als Briefbeschwerer auf den Schreibtisch zu stellen.

Jedem Fluch liegt ein Unheil zu Grunde. In Die Eisblaue Spur sind es am Ende ganz profane Gründe, wieso ein Mensch sterben muss. Dieser Krimi ist kein Mysterien-Spiel. Hier greifen nicht Tote nach den Lebenden, werden versprengte Seelen nicht in ihrer umtriebigen Dasein gestört. Yrsa Sigurdardòttir erzählt von einer Verwahrlosung, die hausgemacht ist.

Wer von Islands Staatsbankrott, vom Aufstand seiner Bevölkerung gegen Banken wie Regierung weiß, liest die Geschichte sicher auch vor dem Hintergrund, dass Profit immer schwerer zu erwirtschaften ist. Warum also Skrupel zeigen?

Schließlich ist der Mensch ein Tier und verachtet nichts mehr als sich selbst.

Wolfgang Franßen, Februar 2010

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Corinna zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 13.10.2011
Die ganze Reihe von Yrsa ist eigentlich zu empfehlen. Egal welches Buch es war - ich hatte es innerhalb 2-3 Tagen durch. Eine klasse Schriftstellerin, die es versteht, ihre Leser zu fesseln. Zwar ist dieses Buch eines der Bücher, die man auch mal aus der Hand legen kann, um seiner Arbeit nachzugehen, aber nicht weniger lesenswert als die anderen :)
Corinna zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 13.10.2011
Die ganze Reihe von Yrsa ist eigentlich zu empfehlen. Egal welches Buch es war - ich hatte es innerhalb 2-3 Tagen durch. Eine klasse Schriftstellerin, die es versteht, ihre Leser zu fesseln. Zwar ist dieses Buch eines der Bücher, die man auch mal aus der Hand legen kann, um seiner Arbeit nachzugehen, aber nicht weniger lesenswert als die anderen :)
mylo zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 19.10.2010
Nun ich habe alle vorherigen Bücher gelesen und mich auch auf dieses Buch gefreut. Aber unsere Heldin war nicht so wie sonst, ich kann es gar nicht so richtig sagen wieso, bin aber mit meiner Empfindung scheinbar nicht alleine. Das Buch liest sich auch nicht so gut wie die Vorgänger obwohl es eine interessante Story ist, die auch teilweise eine gute Spannung erreicht.Aber es sind große Längen drin, durch die man sich durch kämpfen muss. Nun nicht jedes Buch kann das Beste sein. aber für 70 Punkte ist es noch gut.
Alexandra zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 06.07.2010
Ich zitiere den Beitrag weiter oben (ohne Namen): "Wer Mühe hat mit den vielen Personen..."
Schon lange habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, während des Lesens ein Namenverzeichnis anzulegen - mit Verweisen auf die handelnden Personen.
Nicht nur bei isländischen Krimis, auch bei P. D. James u. a. ist das sehr hilfreich, vor allem wenn man nicht jeden Tag weiterlesen kann. Das hilft ungemein, nicht den Überblick zu verlieren ;-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Remo Dalef zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 27.04.2010
Das ist jetzt nun der vierte Sigurdardottir Roman, den ich gelesen habe. Auf seltsame Weise hat die Autorin es geschafft, gleichzeitig sowohl den besten als auch den schlechtesten Roman aus der Reihe vorzulegen. Der Plott ist origineller und wahrscheinlicher, als alles davor Geschriebene, das teilweise an den Haaren herbeigezogen war. Dafür war die Qualität der Dialoge grauenvoll, hölzern. Man hat häufig den Eindruck, die Figuren reden drauflos ohne auch im Geringsten aufeinander einzugehen, sie reden oft gänzlich aneinander vorbei. Auch die Stärke der Heldin, ihre heitere und humorvolle Art, welche eine erfrischende Abwechselung zu ihren oft depressiven Kollegen (gegeißelt von privaten Problemen aller Art, von Drogen bis zu desaströsen Familienverhältnissen) des skandinavischen Krimis darstellt, kommt hier nicht mehr zum Tragen. Ich hatte Schwierigkeiten mich durch den holprigen Text hindurchzukämpfen. Schade! Aus dem Stoff hätte sie sicher mehr machen können.
Frape zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 26.04.2010
Das Positive vorweg: Es gibt einen ungewöhnlichen Handlungsort. In der Handlung werden auch kulturelle Konflikte thematisiert. Aber leider war es das auch für mich schon. Ich musste mich regelrecht durch die Geschichte quälen, die auf über 300 Seiten erzählt, was auch auf 80 Platz gefunden hätte. Ich empfand die ganze Erzählung als furchtbar langweilig. Darüber haben mich auch nicht die Cliffhanger hinweggetröstet, die jedes zweite oder dritte Kapitel abschlossen. Originell ist zumindest, dass es trotz der vielen Toten keinen "klassischen Mord" gibt. (Noch ein Tipp übrigens: Wer Mühe mit den vielen Personen und deren ungewohnten Namen hat, findet auf den letzten Seiten eine Zusammenstellung der Personen. Darauf bin ich nicht gekommen, diese Liste hinten zu suchen! Hätte ich sie von Anfang an gesehen, hätte ich weniger oft den Faden verloren.)
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heinrich zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« 28.01.2010
Ich mag sie – die etwas farblose Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir (die korrekte isländische Schreibweise spar ich mir ausnahmsweise).
Der Reiz der Erzählungen liegt darin, dass sich die Autorin ohne große Ausschmückung, aus dem juristischen Alltagsleben der Protagonistin heraus, den kriminellen und mysteriösen Vorgängen nähert und diese in ein reales Umfeld einbindet. Auch „die eisblaue Spur“ bleibt diesem Konzept treu, wobei Dora zum ersten Mal außerhalb ihrer Heimat mit dem bewährten Begleitern, Bella und Matthias, ermittelt. Im Gegensatz zum GröKaZ(Größter Kritiker aller Zeiten) :-) aus dem Hinternet finde ich den Roman weder unglaubhaft noch langweilig. Da ich die anderen Bücher von Yrsa Sigurdadottir auch gelesen habe, weiß ich , dass mich als Leser nicht die Neuerfindung des Kriminalromans entgegen springen wird, aber eine gut erzählte Geschichte ist viel wert. 80°
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