Die eisblaue Spur von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
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ISBN-10: 3-596-18343-X, ISBN-13: 978-3-596-18343-2.
'Die eisblaue Spur' ist erschienen als
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In Kürze:
Dóra Guðmundsdóttirs vierter Fall führt die Reykjaviker Anwältin ins eisige Grönland. In einem entlegenen Forschungscamp sind zwei isländische Arbeiter verschwunden, der Rest des Teams weigert sich, ins Camp zurückzukehren. Dóra muss der Sache auf den Grund gehen. Warum verhalten sich die Einheimischen so ungewöhnlich feindselig? Offenbar ermittelt die Anwältin an einem verbotenen, heiligen Ort. Als sie bei einem heftigen Schneesturm im Camp festsitzt, entdeckt sie alte Kultgegenstände und menschliche Knochen. Doch nachdem der Sturm sich gelegt hat, macht die grönländische Polizei einen viel grausigeren Fund.
Wenn sich Banken aufmachen, um in unwirtlichen Gegenden Geld zu verdienen, kann aus einer gutgemeinten Investition leicht beträchtliches Risikokapital erwachsen. In Yrsa Sigurdardòttirs Die Eisblaue Spur führt das Bauunternehmen Bergtaekni Probebohrungen auf Grönland durch. Island verspricht sich neue Arbeitsplätze, der Konzern zu erschließende Bodenschätze von dem Projekt. Da verschwinden zwei Arbeiter. Eine Geologin wird vermisst und ein kurzer Film weist bestenfalls auf die Folgen einer Körperverletzung, schlimmstenfalls auf einen Mord hin. Dem Bauunternehmen laufen die Arbeiter weg, und ein britischer Bergwerkkonzern erwägt, eine Bürgschaft in Anspruch zu nehmen.
Ein Fall für Juristen somit. Auch wenn sich mitten im Schneesturm schlecht mit Paragraphen argumentieren lässt. Für Dóra Gudmundsdóttir trotzdem eine Abwechslung von ihrem Alltag als Scheidungsanwältin. In ihrem vierten Fall führt Yrsa Sigurdardòttir ihre Anwältin an einen verbotenen Ort. Eine seltsame Krankheit, womöglich die spanische Grippe hat vor langer Zeit die Bewohner dieser abgelegnen Region aussterben lassen. Seitdem sollen ihre Seelen keine Ruhe finden. Geister ihr Unwesen treiben.
Es hängt irgendwie mit dem Gesicht und den Sinnesorganen zusammen. Das Blut soll den Körper durch Augen, Mund und Nase verlassen. Sogar durch die Ohren. Das Gesicht läuft blau an und wenn man kein Blut mehr hat, folgt man den Geistern ins Eis auf einer blauschimmernden Spur, wie eine Ader im Schnee.
Vom Fluch
Dass die Schändung mittels moderner Technik verbotener Orte oder heiliger Stätten nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Das wusste schon Karl Mey oder heutzutage Preston/Child. Längst sind alle Länder vermessen, fremde Völker katalogisiert, entwächst das Grauen wie bei Schätzing den Tiefen der Weltmeere oder werden wie bei Yrsa Sigurdardòttir vom Eis konserviert.
Trotzdem entgeht die Autorin der Gefahr eines blanken Schauermärchens, was am ruhigen Ton liegt, mit dem sie die Eiswüste, wie die Bewohner einfängt. Während Dóra Fakten sammelt, bei den Einheimischen auf Feindseligkeit stößt, versteht die Autorin es, die Unfähigkeit der modernen Welt mit den tradierten Überlieferungen der alten Welt an persönliche Schicksale wie dem des Jägers Igimaqs und seiner Tochter Usinna zu knüpfen.
Den Naturwissenschaften, wie der Religion werden Grenzen aufgewiesen. Die Einheimischen versuchen, im Einklang mit der Abgeschiedenheit und den Auswüchsen der Vergangenheit zu leben. Das ausgerechnet das Bohrteam selbst die Tragödie auslöst, indem es aus reiner Neugier am Fremden, aus mangelndem Respekt Tabus bricht und in einer von der Autorin fulminanten Szene mit dem Überresten eines Menschen ein Knochenbingo veranstaltet, rückt Yrsa Sigurdardòttir von der breiten Massen der Kultstätten-Thriller ab. Wer lebt da im Einlang mit sich? Jene, die vor Geistern zurückschrecken, oder jene Aufgeklärten, die um einen Knochenschädel eine Verlosung ausrufen, um ihn als Briefbeschwerer auf den Schreibtisch zu stellen.
Jedem Fluch liegt ein Unheil zu Grunde. In Die Eisblaue Spur sind es am Ende ganz profane Gründe, wieso ein Mensch sterben muss. Dieser Krimi ist kein Mysterien-Spiel. Hier greifen nicht Tote nach den Lebenden, werden versprengte Seelen nicht in ihrer umtriebigen Dasein gestört. Yrsa Sigurdardòttir erzählt von einer Verwahrlosung, die hausgemacht ist.
Wer von Islands Staatsbankrott, vom Aufstand seiner Bevölkerung gegen Banken wie Regierung weiß, liest die Geschichte sicher auch vor dem Hintergrund, dass Profit immer schwerer zu erwirtschaften ist. Warum also Skrupel zeigen?
Schließlich ist der Mensch ein Tier und verachtet nichts mehr als sich selbst.
Wolfgang Franßen, Februar 2010
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| heinrich zu »Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur« | 28.01.2010 |
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