Das glühende Grab von Yrsa Sigurdardottir

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Aska, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Fischer Taschenbuch Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Island / Westmännerinseln, 1990 - 2009.
Folge 3 der Dóra-Guðmundsdóttir-Serie.

  • Reykjavík: Veröld Publishing House, 2007 unter dem Titel Aska. 380 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008. Übersetzt von Tina Flecken. ISBN: 978-3-596-18140-7. 362 Seiten.

'Das glühende Grab' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Auf den isländischen Westmännerinseln werden bei Ausgrabungen im Sommer 2007 drei Leichen und ein abgetrennter Kopf gefunden. Sie liegen im Keller des Elternhauses von Markús Magnússon, das bei einem Vulkanausbruch vor mehr als dreißig Jahren verschüttet wurde. Da Markús mit Hilfe seiner Anwältin Dóra die Ausgrabung unbedingt verhindern wollte, steht er plötzlich unter Mordverdacht: Hat er als Jugendlicher drei Menschen getötet und verstümmelt? Und was hat seine Jugendliebe Alda mit dem Fall zu tun? Rechtsanwältin Dóra glaubt an Markús’ Unschuld und will herausfinden, was wirklich geschehen ist. Doch dann wird Aldas Leiche entdeckt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Dreieinviertel Leichen und ein lang zurückliegendes Verbrechen« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

1973 kommt es auf den Westmännerinseln zu einem heftigen Vulkanausbruch, so dass alle Inselbewohner evakuiert werden müssen. Nach mehr als dreißig Jahren sollen nun einige der ganz oder teilweise verschütteten Häuser im Rahmen des Projektes Pompeji des Nordens wieder freigelegt werden, was Markus Magnusson mit allen Mitteln verhindern will. Damals hat er auf Wunsch seiner großen Jugendliebe Alda ein Kästchen in den elterlichen Keller gebracht, welches er später noch besser verstecken wollte. Der Vulkanausbruch verhinderte dies. So lässt sich Markus schließlich auf einen Kompromiss ein, wonach er der Ausgrabung zustimmt, sofern er zuvor besagtes Kästchen aus dem Keller holen darf.

Dies hätte er jedoch besser nicht getan, denn in dem einsturzgefährdeten Keller findet er drei Leichen, woraufhin er erschreckt das Kästchen fallen lässt. Aus diesem rollt zu allem Überfluss der abgetrennte Kopf eines Menschen und Markus gilt plötzlich als Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Sollte der damals jugendliche Markus kurz vor dem Vulkanausbruch vier Menschen ermordet und im Haus seiner Eltern versteckt haben? Wegen des ominösen Kästchens erhofft sich Markus die Hilfe seiner alten Freundin Alda, die ihm sicher aus der Patsche helfen könnte, doch leider wird Alda ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden.

Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir glaubt an die Unschuld ihres Mandanten, aber Zeugen von damals sind rar gesät. Viele sind verstorben oder dement oder wollen nicht aussagen. Zudem stellt sich die Frage nach der Identität der vier Leichen, denn vier vermisste Inselbewohner wären selbst bei den Turbulenzen, die der Vulkanausbruch auslöste, aufgefallen. Zudem fragt sich Dora, ob zwischen den alten Mordfällen und der Ermordung Aldas ein Zusammenhang besteht? Zumindest für den Zeitpunkt von Aldas Ermordung hat Markus ein Alibi …

Yrsa Sigurdardottirs dritter Roman (nach Das letzte Ritual und Das gefrorene Licht) ist eine gelungene Weiterentwicklung der Serie um die Rechtsanwältin Dora, in deren Privatleben ein wenig Ruhe eingekehrt ist. Nachdem Doras siebzehnjähriger Sohn Gylfi noch vor einem Jahr ungewollt seine Freundin schwängerte, erfreut sich Enkelchen Orri bester Gesundheit. Mit Ex-Mann Hannes gibt es mittlerweile einen entspannten Umgang und Doras neuer Freund Matthias hat einen Job in Reykjavik in Aussicht. Alles bestens, wäre da nicht dieser neue verzwickte Fall.

Viele Blindspuren und Verdächtige sorgen für konstante Spannung

Wie man es von den Vorgängern schon kennt, gilt es Nachforschungen über ein lange zurück liegendes Verbrechen anzustellen, was naturgemäß mit einigen Hindernissen verbunden ist. Markus Vater könnte zur Aufklärung beitragen, wäre er nicht inzwischen dement. Auch andere Personen könnten helfen, so zum Beispiel Aldas Mutter, doch da Markus gleichzeitig des Mordes an seiner alten Jugendliebe verdächtigt wird, ist deren Hilfsbereitschaft verständlicherweise gering.

Die Lösung ist stark überkonstruiert und der einzige Schwachpunkt.

Damit es nun aber nicht ausschließlich um die alte Geschichte geht, gibt es neben zahlreichen Gesprächen über den damaligen Vulkanausbruch und seine Folgen für die Westmännerinseln bzw. deren Einwohner auch noch aktuelle Ereignisse, die zur allgemeinen Verwirrung beitragen. Hierin beweist die Autorin einmal mehr ihre Stärken. Zahlreiche Blindspuren und Verdächtige werden präsentiert und zum großen Finale kommt dann eine Auflösung, mit der man nicht unbedingt nicht rechnen konnte. Allerdings ist das Ende der Schwachpunkt des Plots, denn hier wird ein wenig zu viel konstruiert. Zwar wird grundsätzlich alles akzeptabel und nachvollziehbar aufgeklärt, aber ein leicht unangenehmer Beigeschmack bleibt zurück, da die Auflösung – insbesondere die der undurchsichtigen Familienverhältnisse – doch arg übertrieben erscheint.

So ist Das glühende Grab ein wenig schwächer als der Vorgänger, bleibt aber dennoch eine klare Empfehlung für all jene Leserinnen und Leser, die es gerne etwas komplizierter haben. Dies fängt schon mit den Figuren an, deren Namen kaum auszusprechen sind. Wie gut, dass sich alle Isländer grundsätzlich mit dem Vornamen anreden.

Jörg Kijanski, Dezember 2008

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Mario Bezani zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 19.08.2010
Spannung pur, leicht und flott zu lesen,- leider zu dick um es in einer Nacht zu verschlingen...
Nach der Gewöhnung an die isländischen Namen ein ganz tolles Buch, nur der Schluss ist etwas ungewöhnlich. Weniger wäre da mehr gewesen. Trotzdem: Spannend, realistisch und ein prima Leseerlebnis, gut, das Buch im Urlaubskoffer zu haben!
mylo zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 12.08.2010
Nun es hat sich das fortgesetzt, was man nach den ersten beiden Büchern erwartet gute Krimikost aus Island mit der sehr erfrischend daher kommenden Hauptfigur Dora. Die Geschichte wieder geschickt und spannend entwickelt, interessante Personen eingebaut und verschiedene Handlungsstränge die sich zu einem vollkommen anderen Schlussbild zusammen finden als erwartet. Ob übertrieben oder zu stark konstruiert lass ich dahin gestellt sein - mir hat es wieder sehr gefallen, man konnte von der Geschichte wieder kaum lassen. Das sind 80 Punkte, schon alleine deshalb weil es sehr zu meiner Entspannung in meinem Urlaub beigetragen hat.
klein_my zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 24.05.2009
Ich möchte mich den anderen meinungen anschließen.Ein sehr spannender und fesselnder Krimi bis zur letzten Seite. Die Autorin legt viele Spuren sodass man gut kombinieren muss und trotzdem überrascht wird.
Eines ist mir allerdings aufgefallen...Warum spricht Dora mit Leifur über Markus und aufeinmal antwortet Markus selbst? Ich denke hier ist nur ein Übersetzungs- oder Druckfehler passiert. ; )

Alles in allem sehr empfehlenswert.
MH zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 21.02.2009
Das Buch hat mich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Vier Morde im Jahre 1973 und ein aktueller Fall. Beide Fälle hängen offensichtlich zusammen, oder vielleicht doch nicht? Die Autorin legt zahlreiche Spuren zu dem oder den Tätern, dem Leser bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten und die Frage, wer denn nun der Täter ist, bleibt fast bis zur letzten Seite spannend. Etwa 5 Seiten vor Schluss wird der Fall dann aufgeklärt. Schon kurz nach der letzten Seite drängte sich mir dann allerdings die Frage auf: "Wieso das denn?" - "Hast Du etwas überlesen?" Also die letzten Seiten noch einmal gelesen, was mir aber nur die Erkenntnis brachte, dass ich alles richtig wahrgenommen hatte. Der Schluss ist nicht, wie Krimi-Couch-Rezensent Jörg Kijanski schreibt, "stark überkonstruiert", sondern schlicht und einfach unglaubwürdig. Der Täter hat kein Motiv und vor allem hat er kein Motiv für die Grausamkeit der Tat.
Christian zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 28.12.2008
Wer Island, die Vestmannaeyjar und ihre Geschichte kennt, wird dieses Buch mögen. Die Bewohner und Gebräuche sind überzeugend dargestellt, der historische Rückgriff zum Ursprung der Story ist anlässlich der wahren Ereignisse in Vergangenheit und Gegenwart absolut passend.
Wie bei Yrsa üblich, sind immer wieder Überraschungen dabei. Die Spuren legen dem Leser fast jeden mal als Verdächtigen ans Herz. Das Ende hält davon wieder mal mehrere bereit, ist aber gerade deshalb außerordentlich gelungen.
Hauptfigur Dóra macht auch nach dem dritten Fall noch Lust auf mehr.
Einfache Krimikost ist "Das glühende Grab" sicher nicht. Nicht-Islandkenner werden das schon aufgrund der Namen empfinden. Wer aber gern selbst mitdenkt und kombiniert, Handlungsstränge verbindet und dennoch immer wieder überrascht werden möchte, hat mit diesem Buch eine gute Wahl getroffen.
Eine Steigerung zu den beiden auch schon sehr ordentlichen Vorgängern ist "Das glühende Grab" aus meiner Sicht vor allem aufgrund des guten Plots außerhalb der reinen Ermittlungsarbeit.
Rinquinquin zu »Yrsa Sigurdardottir: Das glühende Grab« 25.12.2008
Fesselnd und vielfältig. Das für mich bisher beste Buch von Yrsa Sigurdardóttir. Zähe polizeiliche Ermittlungen, die schweigsamen Inselbewohner, die absolut nicht erzählen wollen, was sich damals abspielte, die hartnäckige Anwältin Dóra - das alles zusammen hält die Spannung bis zum Schluss.
Auch ein Einblick in frühere Zeiten, als die Menschen es vorzogen, lieber zu schweigen.
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