Radikal von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2011
bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 1990 - 2009.
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Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2011.
ISBN:
978-3-462-04338-9. 397 Seiten.
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[Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011.
Gesprochen von Stephan Schad.
gekürzt.
ISBN:
3899033191. 5 CDs.
'Radikal' ist erschienen als
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In Kürze:
Lutfi Latif ist die deutsche Antwort auf Barack Obama: Ein charismatischer Intellektueller mit ägyptischen Wurzeln, einer ebenso klugen wie hübschen Frau und dem Potenzial, die deutsche Islamdebatte komplett aufzurollen. Aber kaum in den Bundestag gewählt, gerät der Vorzeigemuslim ins Fadenkreuz von Radikalen. Mitten im Berliner Regierungsviertel kommt es zu einem Anschlag auf Latif. Das Terrornetzwerk al-Qaida bekennt sich zu der Bluttat, die deutsche Politik gerät in Aufruhr, die Stimmung im Land verschärft sich: Osama Bin Ladens Schergen haben in Deutschland zugeschlagen, mit Ansage. Doch Latifs Assistentin Sumaya al-Shami und der Terrorexperte Samuel Sonntag haben Zweifel. Sie ermitteln auf eigene Faust – und stellen bald fest, dass der Kreis der Verdächtigen größer ist. Ihre Ermittlungen führen sie in die Abgründe des Extremismus, in Kreuzberger Internetcafés und Zehlendorfer Villen, in Sozialwohnungen im Wedding und an Potsdamer Seegrundstücke. Vor allem aber bringen ihre Nachforschungen sie in Gefahr, denn für die Suche nach der Wahrheit müssen sie weit gehen, vielleicht zu weit. Und was ist das überhaupt: die Wahrheit?
Das meint Krimi-Couch.de: »Besser als jedes Sachbuch!«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Für Die Grünen zieht der charismatische Lutfi Latif in den Deutschen Bundestag ein. Doch der gebürtige Ägypter macht sich schnell Feinde, denn seine Bemühungen, sich für die Integration von Muslimen in Deutschland einzusetzen, sind vielen ein Dorn im Auge. So erhält Latif schon bald zahlreiche Zuschriften, in denen er mit dem Tode bedroht wird. Vor allem dem Terrornetzwerk Al-Qaida und dessen Umfeld ist er verhasst, sieht man in seinem Verhalten vor allem ein Anbiedern an den Westen und – noch schlimmer – den Verrat religiöser Grundwerte. Latifs neue Mitarbeiterin Sumaya al-Shami entdeckt bei der Durchsicht der Drohbriefe und Mails, dass auch deutsche Radikale unverhüllt Drohungen aussprechen, denn in der steigenden Zuwanderung sehen sie den Untergang des Abendlandes.
Latif nimmt die Drohungen zwar ernst, lehnt aber den vom BKA angebotenen Personenschutz strikt ab. Dafür willigt er ein, dass ihm mit dem Terrorexperten Samuel Sonntag ein Sicherheitsberater zur Seite gestellt wird. Samuel ist kaum verpflichtet, da kommt es in einem Fernsehstudio zu einem verheerenden Bombenanschlag, dem letztlich vierzehn Menschen zum Opfer fallen. Darunter auch Latif selbst, der wenig später seinen Verletzungen erliegt. Kaum wurde der Anschlag verübt findet Samuel im Internet ein Bekennervideo von Al-Qaida, welches echt zu sein scheint. Doch ihm und Sumaya bleiben Zweifel, sie glauben vielmehr dass ein mysteriöser Polit-Salon hinter dem Anschlag steht, in dem teilweise hochkarätige Personen darüber diskutieren, wie man den Durchmarsch des Islam in Deutschland aufhalten kann. Um herauszufinden, was es mit dem »Kommando Karl Martell« auf sich hat, bleibt Samuel nur ein Weg. Er muss den maßgeblichen Polit-Salon infiltrieren, womit er sich schnell in höchste Gefahr begibt …
Yassin Musharbash schrieb 2006 das Buch Die neue Al-Qaida (erschienen bei KiWi) und pflegt zudem auf www.spiegel-online.de den »Blog al-Qaida«. Mit Radikal hat sich Musharbash nun erstmals über einen Thriller des Themas Terrorismus angenommen und dabei – um es gleich vorwegzunehmen – einen Roman vorgelegt, der es locker mit jedem Sachbuch aufnehmen kann. Altmeister John Le Carré: "Als ich Marionetten schrieb, war der Austausch mit Musharbash eine Inspiration für mich. Ich glaube, sein Debüt wird ein Triumph." Dem ist nur wenig hinzuzufügen.
»Wie armselig sind jene, die das Diesseits um den Preis des Jenseits kaufen! Gehört nicht zu ihnen! Denn seid gewiss, der Dschihad wird weitergehen bis zum Tag der Auferstehung.«
Realistischer und intensiver kann man sich dem Terrorismus kaum nähern. Gekonnt werden die Mechanismen, die Anwerbungen und auch die Schläfer-Thematik beschrieben. Wie leicht es dabei den Terrornetzwerken mitunter fällt, neue Rekruten und sogar Konvertiten zu gewinnen, zeigt sich an dem Dilemma, in dem viele Muslime in Deutschland stecken. Einerseits möchte man sich ein wenig anpassen, um nicht ständig diskriminiert zu werden, andererseits seine Herkunft nicht verleugnen, um – beispielsweise – die Erwartung der Eltern in der Heimat nicht zu enttäuschen. Sumaya al-Shami bezweifelt daher wiederholt, dass es ein »Verständnis« zwischen den Kulturen überhaupt geben kann. Dies ist einer der ganz wenigen Schwachpunkte des Romans, denn hier wird allzu klischeehaft geschrieben. Sumaya, angeblich tolerant und weltoffen, dennoch gleich bei jeder Lappalie auf 180 und beleidigt.
»Aber du weißt so gut wie ich, dass es nicht passt. Das Video. Zum Beispiel.«»Samson, ich sehe, was ich sehe, o.k.? Ich bin kein Bulle, o.k.? Ich muss nichts aufklären. Aber ich rieche es, wenn etwas stinkt. Und das hier stinkt. Mächtig.«
Doch radikale Kräfte gibt es auch unter den Deutschen. So leitet ein hochrangiger Beamter einen der zahlreichen Polit-Salons, in denen große Debatten geschlagen werden, wie man dem Islam hierzulande Einhalt gebieten kann. Erste konkrete Maßnahmen werden praktisch umgesetzt, um die Muslime aufzustacheln. Die sattsam bekannten Ressentiments treiben scheinbar ungebremst ihrem Höhepunkt entgegen.
Sehr geschickt gibt der Autor Einblicke in den Politikbetrieb, das Leben der Muslime in Deutschland und vergisst dabei nie das Wesentliche, nämlich den Plot voranzutreiben. Auch die dramatischen Ereignisse von »Nine-Eleven« und deren Vorgeschichte nehmen einen nicht unwesentlichen Teil des Plots ein. Dass man bei all den Verflechtungen dabei schon mal den Überblick verlieren kann, verwundert nicht und so nimmt selbst für Hobbyermittler Samuel die Handlung eine dramatische Wende. Nach der Lektüre passiert das, was aus Radikal ein besonderes Buch macht. Man legt es nicht wie die übliche Dutzendware als erledigt achtlos auf Seite, sondern bleibt nachdenklich zurück. Ja, dieser Roman hat eine bedenkliche Langzeitwirkung.Jörg Kijanski, Oktober 2011
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| Mel.E zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 04.02.2012 |
|---|---|
| Frostkoeddel zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 28.01.2012 |
| Anja S. zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 29.12.2011 |
| manni zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 14.11.2011 |
| meier13 zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 13.10.2011 |
| anyways zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 09.09.2011 |
| subechto zu »Yassin Musharbash: Radikal« | 05.09.2011 |

