Torso von Wolfram Fleischhauer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.

  • München: Droemer Knaur, 2011. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2011. Gesprochen von Detlef Bierstedt. ISBN: 3839811201. 6 CDs.

'Torso' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

In einem leerstehenden Berliner Hochhaus macht die Polizei einen grausigen Fund. Ein makaber drapierter Frauentorso stellt alles in den Schatten, was Hauptkommissar Zollanger in seiner Laufbahn je zu sehen bekam. Anderswo in Berlin will eine verzweifelte junge Frau nicht an den »Selbstmord« ihres Bruders glauben – und sticht ahnungslos in ein Wespennest aus Gier, Verrat und Vertuschung übelster politischer Machenschaften.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn der Lockstoff versagt« 55°

Krimi-Rezension von Dieter Paul Rudolph

Es gibt Themen, die kommen uns langsam aus den Ohren raus, aber es hilft nichts: Wir müssen uns mit ihnen beschäftigen, sie sind zu essentiell. Die Finanzkrise ist so ein Thema. Niemand blickt mehr durch, wir verlangen klare Ansagen, möglichst verständliche Erklärungen – ein ideales Feld für die Kriminalliteratur, die uns mit dem Lockstoff Spannung auch die schwierigsten Zusammenhänge des Daseins transparent machen kann.

Mit Krimis, die »irgendetwas mit Banken« zu tun haben, müssen wir also ab sofort rechnen. Einer der ersten ist Wolfram Fleischhauers Torso. Er spielt – was man aber selbst rauskriegen muss – im Jahr 2003 und behandelt ein höchst reales Ereignis, den »Berliner Bankenskandal« nämlich, dessen Hintergründe bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind und der die Bundeshauptstadt an den Rand der Insolvenz getrieben hat. Dabei beginnt es bei Fleischhauer wie ein gewöhnlicher Leichenshow-Thriller. Ein Frauentorso, auf den ein Ziegenkopf montiert wurde, wird gefunden. Makaber, makaber. Kommissar Zollanger, früher bei der DDR-Polizei und nicht so ganz freiwillig Demokrat geworden, tappt mitsamt seiner Mann- und Frauschaft im genreüblichen Dunkeln. Natürlich tauchen bald weitere gruselig drapierte Leichenteile von Mensch und Tier auf, kryptische Hinweise desgleichen. In einem zweiten Erzählstrang lernen wir die junge Elin kennen, die nicht glauben will, dass sich ihr Bruder erhängt haben soll. Beide Fälle hängen zusammen – wir haben es auch gar nicht anders erwartet.

Was wird das? Ein Thriller halt, wie man sie zur Genüge kennt. Leichen werden kunstvoll arrangiert, der Kommissar befindet sich in einer Sinn- und Lebenskrise, was mittlerweile zum Beamtentum zu gehören scheint wie die Pension. Seine Mitarbeiter grübeln auch herum – und irgendwo zieht das Böse seine diabolischen Fäden und wartet darauf, ein Gesicht zu bekommen.

Aber Torso will eben mehr sein als das. In einer für Liebhaber dieser Spielart von Krimi leichtverdaulichen Gestalt soll uns die skandalöse Wirklichkeit der Zocker und gewissenlosen Banker, der politischen Spielchen und der Massenmanipulation untergejubelt werden. Eine durchaus anerkennenswerte Strategie – aber sie geht gründlich schief. Was vor allem an den Personen liegt, die Fleischhauer auffährt. Kommissar Zollanger ist natürlich ein Gegner des Kapitalismus, ebenso Elin, die am liebsten in einer geld- und fleischlosen Welt leben würde. Der böse Banker ist ein böser Banker, was uns in sehr deutlichen Worten eingebläut wird, damit wir gar nicht erst auf die Idee kommen, es handele sich hier möglicherweise um einen ganz normalen Menschen. Die Politiker haben keine Ahnung, dafür Heidenangst, was sie beliebig lenkbar macht. Und so weiter. In diesem Roman gibt es keinen Platz für Zwischentöne.

Und selbst wenn man ihn auf seine Thrillerhülle reduzieren würde, ginge er letztlich nicht auf. Fleischhauer fährt das volle Programm mit sehr viel Action und Cliffhangern, das Ganze steuert auf einen völlig überzogenen und unglaubwürdigen Schluss zu, bei dem denn noch die Stasi und tiefe Bruderkonflikte herhalten müssen. Es bleibt wohl bei der Auflösung ein bitterer Nachgeschmack, er bleibt aber leider auch beim Leser, der sich hier leicht unterfordert, um nicht zu sagen ziemlich unterschätzt fühlt. Wer aus diesem groben Schnittmuster des Guten und des Bösen so etwas wie »Denkanstöße« zieht oder gar »ins Grübeln« kommt, scheint nicht von dieser Welt zu sein. Die nämlich ist viel spannender und irritierender als Torso – trotz und gerade wegen fehlender Leichenteile mit Ziegenköpfen.

Dieter Paul Rudolph, November 2011

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Mordsbuecher zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 19.02.2017
Gleich zu Beginn begibt man sich mit Kommissar Zollanger auf dem Weg zu einem Hochhaus in die Hauptstadt Berlin, wo man eine weibliche Leiche fand. Eher gesagt einen Torso, der aufwendig dargestellt wurde, ohne Arme und Beine, aber was sehr außergewöhnlich war, mit einem Ziegenkopf. Martin Zollanger und sein Team stehen vor einem großen Rätsel, denn sowas haben sie noch nicht erlebt. Bald darauf finden die den nächsten Torso und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Parallelen zu den Geschehnissen kann die Hamburgerin Elin immer noch nicht glauben, das ihr Bruder Erik Selbstmord begangen haben sollte. Von der ersten Minute an war für sie klar, es war Mord!!! Aber um dies zu beweisen, macht sie sich auf den Weg nach Berlin, um nach Hinweisen zu suchen und nimmt Kontakt zu Martin Zollanger auf, der in diesem Fall ermittelt hat.

Hat Erik was mit dem Morden an den Frauen zu tun??? Oder ist das das Ergebnis aus Habgier, Betrug oder Macht aus der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ging man da zu weit oder hielt einer dem Druck nicht mehr stand!??

Ich gehöre zu den glücklichen Lesern, die das Buch vor dem Erscheinungsdatum lesen durften. Als ich das Buch in der Hand hielt, wollte ich es sofort lesen denn das Cover, was ich sehr gelungen finde und die Kurzbeschreibung haben mich sehr neugierig gemacht.

Das war mein erstes Buch was ich von Wolfram Fleischhauer gelesen haben und meine Meinung ist etwas gespalten. Die Idee mit den Leichen und den Fundorten fand ich sehr gelungen. Doch waren sehr viele langatmige Szenen darin, die man hätte verkürzen können. Ging mir dann doch zu sehr ins Detail von Politik und Wirtschaft und man musste sich gedulden, bevor die Spannung wieder anstieg. Wer sich für diese Themen interessiert, der hat mit diesem Buch einen Volltreffer gelandet.
vulpecula zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 08.09.2013
ich fand das hörbuch klasse!!! und gut gelesen! in der mitte des buches lies die spannung etwas nach, aber ansonsten wirklich gut! meiner meinung nach sehr zu empfehlen. gerade zum schluss gibt es einige nicht vorauszusehende wendungen. auch wenn es für manche zu weit hergeholt scheinen mag, ich finde es gut, dass ein kritisches thema aufgegriffen wird.
anderstom zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 06.05.2013
dummes zeug, wer ist wolfram fleischhauer?
will hier jemand seiner familie imponieren. der vater ist ein sesselhocker. die mutter versucht die selbstsüchte der kinder zu stillen die in ihrem wahn um jeden preis berühmt werden wollen alles tun. jeder gegen jeden.
dabei fehlt es jedem an dem entscheidenten punkt. nämlich talent.
genau da liegt das problem. wenn sie verstehen was ich meine.
th1978 zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 01.03.2013
also ich verstehe die negative Rezensionen nicht ganz - im Gegenteil - ich habe wenig (zumindest gute) krimis zum thema bankenkrise und ihre machenschaften gelesen - vielleicht auch deshalb, weil mich dieses thema eigentlich so gut wie gar nicht interessierte - bis zu torso - ich habe es als hörbuch gehört und "verschlungen". auch die tatsache, dass zollanger als charakter eher im hintergrund blieb fand ich gut - die konzentration lag auf der geschichte und seien wir ehrlich, Krimis, wo gerade die Charaktere länge mal breite zerkaut werden gibt es bereits reichlich am markt.
hab schon lange nicht mehr so einen guten Krimi gehört!
Doris zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 09.07.2012
Ich kann mich der Kritik von Herrn Rudolph nur bedingt anschließen. Denn so schlecht ist das Buch auch wieder nicht wie er vermerkt...
Unterhaltsame Urlaubslektüre allemal, uns sie regt zum Nachdenken an was ja durchaus positiv ist.
Der Schluss ist eher mager, aber ich würde das Buch trotzdem weiterempfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tom_ate zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 31.03.2012
Vielleicht hätte ich mir das Hörbuch "TORSO" nie beschafft, wenn ich auf die Rezi von Herrn Rudolph gehört hätte.

Habe ich zum Glück aber nicht.

So konnte ich das von Detlef Bierstedt hervorragend vorgetragene Hörbuch genießen. Mit seiner wandlungsfähigen Stimme verleiht er allen Mitspielern den jeweils eigenen Charakter.

Zwar finde ich den Plot stellenweise etwas dick aufgetragen, aber der Banker in diesem Stück ist nun einmal ein "böser" Banker. Mir fiel auch sofort der reale Name von einem Machtmenschen ein, der - natürlich zusammen mit anderen Tätern mit weißem Kragen - den Berliner Bankenskandal verursachte. Von den Auswirkungen dieser Machenschaften hat sich die Stadt Berlin bis heute nicht erholt. Das verlorene Geld fehlt überall im öffentlichen Leben.

Und es waren Politiker und Banker (zum Teil in Personalunion), die andere ins Unglück stürzten.

Der Rezi folgend scheine ich nicht von dieser Welt zu sein, denn mir wurden viele Denkanstößevon Wolfram Fleischhauer geliefert. Mag einiges auch überzogen sein (es ist schließlich ein Roman und kein Tatsachenbericht), aber wenn ich täglich in den Zeituneng lese, wie ganze Staaten an den finanzillen Abgrund geraten, kann komme ich schon ins Grübeln. Denn die großen Verlierer sind immer und überall die kleinen Leute, nie aber die Banker im Hintergrund. Da gibt es keine Zwischentöne.

In einem Punkt stimme ich Herrn Rudolph zu: Der Schluß war tatsächlich ein bisschen schwach, da in Wirklichkeit die ganze Lügenkonstruktion einkrachte und selbst der Regierende Bürgermeister 2001 über diesen Skandal stürzte.

Hier noch ein Link zum Berliner Bankenskandal :

http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
baiba zu »Wolfram Fleischhauer: Torso« 08.12.2011
nach dieser niederschmetternden rezension von herrn rudolph, der nicht nur das buch runtermacht, sondern auch gleich noch den leser, der das ganze eventuell gut finden könnte(zitat:Es bleibt wohl bei der Auflösung ein bitterer Nachgeschmack, er bleibt aber leider auch beim Leser, der sich hier leicht unterfordert, um nicht zu sagen ziemlich unterschätzt fühlt.) in eine ecke stellt...
kein wunder, dass sonst noch niemand etwas hier schrieb!
ich traue mich jetzt einfach und sage: ich fand das buch sehr spannend. zum thema bankenkrise und machenschaften in diesem "milieu" hatte ich bis dahin noch keinen krimi gelesen und somit war es für mich keine bereits abgegraset wiese. was mich störte: die ermittler waren allesamt farblos. selbst zollanger wollte nicht so recht griffig werden.fleischhauer hätte sich etwas mehr mühe mit dem gestalten seiner charaktere geben können.
aber ansonsten fand ich das ganze stimmig.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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