Schule der Lügen von Wolfram Fleischhauer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Piper.

  • München; Zürich: Piper, 2006. 523 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2008. ISBN: 978-3-492-25159-4. 523 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: Steinbach, 2006. Gesprochen von Mathias Herrmann. ISBN: 978-3886988648. 8 CDs.

'Schule der Lügen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Es ist keine Seltenheit, daß der junge Student Edgar von Rabov seine Abende in der Berliner Eldorado-Bar zubringt. Doch diese kühle Februarnacht des Jahres 1926 ist anders, mit ihr beginnt für Edgar etwas Neues: Eine bemerkenswert schöne junge Inderin erregt sein Interesse. Immer wieder scheint auch sie Edgars Blick zu suchen. Als sie das Eldorado in Begleitung eines mysteriösen älteren Herrn verläßt, steckt sie Edgar eine Notiz zu: »Übermorgen hier. Ich erwarte Sie.« Edgar, Erbe einer Farbenfabrik und Sohn einer norddeutschen Adelsfamilie, kann sich dem exotischen Zauber der jungen Frau nicht entziehen – und begibt sich damit auf eine verstörende Reise in die Vergangenheit seiner Familie, die ihn bis nach Indien führen wird. Wolfram Fleischhauer zählt zu den besten und meistgelesenen deutschen Erzählern. Sein großer Familienroman aus den politisch und philosophisch bewegten Tagen der Wei­marer Republik handelt von Verführung und Täuschung, Intuition und Intrige. Es ist eine Schule der Lügen und die Suche eines jungen Mannes nach sich selbst.

Das meint Krimi-Couch.de: »&Gott und die Welt, Sekten und Sektierer« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Edgar Falkenbeck-von Rabov sollte eigentlich sein Chemie-Studium in Berlin vorantreiben, um dereinst die Fabrik seines Vaters in Hamburg zu übernehmen, aber der junge Mann verbringt seine Stunden lieber in verruchten Kaschemmen mit allen Lastern, die in der Zeit zwischen zwei Weltkriegen verfügbar sind. Während die Einen nach der Herrschaft des Proletariats schreien, sehen die Anderen ihren Messias in einem Österreicher namens Hitler. Doch all das kümmert Edgar überhaupt nicht.

Auf kuriose Art und Weise lernt er die Inderin Alina und ihre Begleitung Phil Manings kennen. Edgar verfällt der jungen Frau, die mit ihm die zwielichtigsten Lokale und Veranstaltungen besucht und ihm totale sexuelle Freizügigkeit zeigt. Doch Edgars Familie ist mit diesem Arrangement gar nicht einverstanden. Sein Vater ist todkrank und braucht einen Nachfolger und so versuchen Großmutter, Onkel und Cousin mit teils drastischen Mitteln Edgar zur Vernunft zu bringen, denn wenn Edgar etwas zustoßen sollte, dann geht das Familienerbe an Wilhelm Falkenbeck, der von der Familie verstoßen wurde und nun in England residiert.

Phil Manings wird von Cousin Robert und dessen rassistischen Mittätern brutal zusammen geschlagen. Und Alina ist plötzlich spurlos verschwunden. Edgar weiß, das dies alles mit seiner Familie zu tun hat und beginnt Nachforschungen anzustellen. Was ist auf dem ehemaligen Gut der von Rabovs passiert? Das Anwesen ist zerstört und in Zeitungsberichten von damals ist von einem toten Inder zu lesen. Edgars Mutter hatte offenbar auch eine Schwester, die wegen eines unehelichen Kindes nach Indien geflohen war. Doch ihre Existenz wurde von der Familie totgeschwiegen. Ist Edgar etwa gar nicht derjenige, der er glaubt zu sein? Alle Spuren führen nach Indien, also macht sich Edgar auf den beschwerlichen Weg seine Wurzeln und Alina zu finden und das Rätsel, um seine Herkunft und das Verschwinden seiner Tante Leonie zu lösen …

Wolfram Fleischhauer hat bei Piper seinen neuen Roman Schule der Lügen veröffentlicht. Über 500 Seiten lässt er seinen jungen Helden Edgar auf Identitätssuche durch Deutschland, England und Indien irren, wobei man wegen des möglicherweise gewaltbedingten Verschwindens mehrerer Personen bei vorsichtiger Beurteilung von einem Spannungsroman sprechen kann.

Viel eher fällt diese Lektüre unter das Metier Familiensaga. Dabei kann man es durchaus auch als Zeitbild der Zwanziger Jahre sehen, denn Politik und Gesellschaft der Zwischenkriegszeit sind in diesem Roman ständig gegenwärtig und prägen das Handeln der Charaktere. Dabei sinnieren sie über Gott und die Welt, Sekten und Sektierer, und versuchen vor allem den Wandel der Werte und die unsicheren Zeiten unter einen Hut zu bringen. Dass die Hauptperson dabei in der Mitte steht und eigentlich nicht weiß, was sie tut, außer zu lieben und die Wahrheit zu suchen, hat der Autor gut konstruiert und mit viel philosophischem Anspruch bei stetig steigender Spannung aufbereitet.

Die Lösung des Falles erfährt der Leser schlüssig, aber zu guter Letzt vorhersehbar, nach vielerlei Wendungen, in denen er sowohl Anteil an den Recherchen und Reisen nimmt, als auch mit den Tagebüchern bzw. Briefen der Verwandten konfrontiert wird, was gelegentlich zu langatmigen Passagen führt. Bis man glaubt, zu wissen, worum in diesem Buch geht, muss man sich bereits wieder mit neuen Fakten im Familienimperium Falkenbeck-von Rabov befassen, und wer solcherart Familienstress in spannender Buchform mag, ist mit Herrn Fleischhauers Schule der Lügen bestens bedient.

Wolfgang Weninger, Juni 2007

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angsthase zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 17.04.2011
großartig geschrieben, so stelle ich mir die zeit vor und so kann faschismus entstehen glaube ich
es war einmal ein junger belgischer industriellensohn .bis er schwer krank wurde... doch niemand konnte ihn von seinem lebensekel heilen.da traf er in leipzig einen naturheilkundigen.er solle einfach aufhören fleisch zu essen und gesund leben...das gar nicht er selber krank war sonder seine umgebung.krank war die lebensweise die zwänge und regeln.die nur dazu dienten eine profitable industrie zu füttern
Juergen zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 05.06.2009
Wolfram Fleischhauers neues Buch wird viele Leseinteressen befriedigen. "Die Schule der Lügen" ist ein Roman, der eine äußerst spannende Identitätssuche mit einem zeitlichen Hintergrund verbindet, der sehr genau ausgeleuchtet ist. Dabei verknüpft Fleischhauer mystisch-religiöse Sinnsuche mit dem gärenden politischen Zündstoff der zwanziger Jahre. Mit Liebe zum Detail und einem großen Gespür für geheimnisvolle Spannung entwirft er ein farbiges Panorama zwischen Berlin und Indien, zwischen London, dem Lago Maggiore und der schwermütigen, norddeutschen Gegend um Rendsburg.

1926: Der junge Adelige Edgar von Rabov-Falkenbeck genießt in Berlin ein unbeschwertes Studentenleben. Die Nächte sind abwechslungsreich, in Berlin gibt es keine Tabus. Er verliebt sich in eine geheimnisvolle Inderin, deren ungewöhnliche Art ihn so fasziniert, dass er sich dem Drängen seiner Verwandtschaft, sich endlich sinnvoll - d.h. auch politisch für Hitler - zu betätigen, immer wieder widersetzt. Nach kurzer Zeit verschwindet Alina - die Edgar auch spirituell viel zu geben hat - und ihr sehr viel älterer, englischer Begleiter wird zusammengeschlagen. Wer ist dieser Mann, der sich als Diplomat ausgibt und warum hat Edgars Familie plötzlich ein so großes Interesse an ihm? Was hat es mit den vielen esoterisch-religiösen Zeichen auf sich, die Edgar plötzlich erhält?
Er beginnt, sich für seine Familiengeschichte zu interessieren, die so viele Ungereimtheiten aufweist, dass er schließlich zu einer Reise aufbricht, die ihn nicht nur um die halbe Welt sondern auch ganz tief in ihn selbst führen wird...

Wolfram Fleischhauer erzählt auf mehr als 500 Seiten eine sehr komplexe Geschichte, in der kunstvoll ein Rädchen ins andere greift. Ungeheuer stimmig verwebt er die fiktive Familiengeschichte der von Rabovs mit der in den zwanziger Jahren weitverbreiteten Sehnsucht nach spirituellem Heil und Sinn, in dem die unterschiedlichsten religiösen, esoterischen und auch politischen Strömungen reichen Nährboden fanden. Es ist ein Roman um Sinnsuche und Aufbruch, um das Aufbäumen gegen verkrustete Strukturen und nicht zuletzt die Geschichte einer großen Liebe.

"Die Schule der Lügen" ist ein Leseabenteuer, dass berührt und fasziniert!
Ein originelles und zugleich anspruchsvolles Vergnügen mit Nachklang.
Bitte lesen!
marianne strobel zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 13.10.2008
Marianne S.
Wieder habe ich mir einen Fleischhauer gekauft. Der Plot dünkte mich spannend. Dann aber wurde ich herbe enttäuscht.
Langatmig bemüht Fleischhauer seine Recherchen über die zwanziger Jahre in Berlin in einen angestrengten Roman zu verpacken. Über diese Bemühungen gehen die Charaktere verloren, bleiben ohne Tiefgang. Der verwirrte Protagonist tappt, ach so unverhofft, in eine um die andere Falle, um mal wieder ein wichtiges Detail aus der Familienmottenkiste hervorzuholen. Irgendwann habe ich mir dann die Mühe gemacht mal Fleischhauers Namen zu googeln. Ein Aufstöhnen konnte ich nicht verhindern, da ich ihn jetzt mit dem ebenfalls unsäglich konsturierten Roman "Zehn Minuten mit der Wirklichkeit" in Verbindung bringen konnte, den mir eine Liebhaberin des Tango Argentino so sehr ans Herz gelegt hatte. Meines wurde weder in diesem noch in jenem Roman berührt, nur der Kopf ward arg strapaziert.
Sorry!
elsa zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 05.08.2008
kritik hin oder her. man findet immer was. dieses buch muss einen packen oder nicht. alle in diesem buch verpackten themen sind für mich persönlich interessant und daher ist dieses buch für mich ein hammer. voller leidenschaft und nur das zählt in der kunst, empfindet man sie für etwas oder nicht, ich habe das buch in zwei tagen gelesen und war tief berührt.
Frank S. zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 07.02.2008
Sicherlich kein Krimi im eigentlichen Sinn, doch durchweg gut und spannend geschrieben. Mich hat insbesondere die "indische" Seite des Romans beeindruckt, wußte ich doch bisher nichts über die Anfänge "transzendentaler Meditation" in Europa, noch war mir die "theosophische Gesellschaft" ein Begriff.
Anfangs glaubte ich an Fiktion, doch eine Internetrecherche ergab, daß der Autor genauestens die damaligen Verhältnisse recherchiert und wiedergegeben hat.
Der Plot ist allzu bekannt aber die Ansiedelung der Geschichte in Berlin und im Indien der zwanziger Jahre macht den Roman besonders reizvoll.
Anja S. zu »Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen« 15.07.2007
Dieses Buch ist kein Krimi und sollte nicht unbedingt auf der Krimi-Couch aufgefuehrt werden. Es ist dennoch spannend geschrieben und gut zu lesen, ich wuerde es jedoch als Familienroman in der Weimarer Republik bezeichnen.
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