Fremde Wasser von Wolfgang Schorlau

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Kiepenheuer & Witsch.
Folge 3 der Georg-Dengler-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006. ISBN: 978-3-462-03748-7. 271 Seiten.

'Fremde Wasser' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Tod im Bundestag. Die Familie der Abgeordneten Angelika Schöllkopf glaubt nicht an ein natürliches Ableben. Georg Dengler ermittelt – und befindet sich plötzlich selbst in Gefahr. Es geht um Wasser – und um die Macht im Land. Angelika Schöllkopf erleidet am Rednerpult des Deutschen Bundestages einen Schwächeanfall. Sie stirbt vor laufender Kamera, bevor sie ihre Rede beginnen kann. Zwei Tage lang dominieren die Bilder ihres Todes die Medien, dann vergisst die Öffentlichkeit den Vorfall. Nur ihre Familie glaubt nicht an den plötzlichen Herztod. Sie beauftragt den Privatermittler Georg Dengler mit Nachforschungen. Dengler macht stutzig, dass das Manuskript der geplanten Rede verschwunden ist, und plötzlich befindet er sich inmitten eines globalen Machtkampfes großer Energiekonzerne.

Das meint Krimi-Couch.de: »Untiefen und Abgründe« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Georg Denglers dritter Fall beschäftigt sich mit einem der Grundelemente des Lebens: dem Wasser und wie der Mensch damit umgeht. Dass damit der Autor Wolfgang Schorlau mit diesem Thema die Aufmerksamkeit seiner Leser auf ein Verbrechen lenkt, dass vor den Augen der Weltöffentlichkeit nahezu unbemerkt durchgeführt werden könnte, macht die Aussagen dieses Romans so wertvoll. Fremde Wasser nimmt wie auch die beiden Vorgängerromane reale Motive auf und legt sie mit der künstlerischen Freiheit des Autors zu einer beängstigenden Vision aus. Im Nachhinein überrascht jedoch die Erkenntnis, dass es wohl gar nicht allzu viel dieser Freiheit des Künstlers bedurft hat.

Erzählt werden zwei Handlungsstränge: Zum einen die Vita des Stefan C. Crommschröder, eines skrupellosen Managers in der Vorstandsriege des VED, eines deutschen Energiekonzerns. Crommschröder ist hier verantwortlich für die Wassersparte des Konzerns, die er aufbauen und profitträchtig auf Expansionskurs bringen soll. Diese Geschichte beginnt in der frühesten Kindheit, führt über die angeschlagene Beziehung zu den Eltern über erste politische Ideale hin zu den Machtkämpfen und Ränkespielen in der Vorstandsetage des VED.

Der Fluss der Handlung

Im anderen Handlungsstrang wird erzählt, wie Georg Dengler mit den Ermittlungen zu den Todesumständen der Politikerin Angelika Schöllkopf betraut wird. Die Hinterbänklerin im Bundestag war gerade auf dem Weg zu ihrem wichtigsten Redebeitrag im Parlament, als sie tot vor dem Podium zusammenbrach. Nur ihre Großmutter glaubt nicht an Tod durch Herzversagen und tatsächlich scheint es einige Unregelmäßigkeiten in den letzten Lebenstagen der Politikerin gegeben zu haben. Sie sollte reden zu einem Gesetz für größeren Wettbewerb in der Wasserwirtschaft, aber ihr Redemanuskript scheint verschwunden zu sein. Was war hier so brisant, dass nun Denglers ehemalige Kollegen vom BKA den Schwaben von seinen Ermittlungen abhalten wollen.

In einem rauschenden Bach aus kurzen Kapiteln fließt die erfrischende Handlung über die Seiten dieses Romans. Gespeist aus einem tiefen Quellsee – denn stille Wasser sind tief – wird insbesondere der Charakter des Stefan C. Crommschröder in allen Facetten beschrieben. Andere wesentliche Charaktere plätschern aus anderen Quellen der Inspiration. Das trifft insbesondere auf Dengler und seine Freunde Martin, Mario und Leopold. Olga, Denglers Freundin, die als Taschendiebin nur von den Reichen klaut (wie ehrenwert) bekommt eine interessante Note, als ihr rumänischer Ex-Mann beginnt ihr nachzustellen. Insgesamt wirken diese Passagen im Fluss der Handlung jedoch zu glatt. Rasant wird es, als die Strudel des Verbrechens, die Untiefen der Politik und die Klippen der Kriminalität dem Leser offenbar werden. Doch Schorlau gelingt es, seinen Kahn ohne große Schäden bis in den Ozean der Diplomatie zu steuern – und auch hier Ruder und Kurs im Griff zu halten.

Modern erzählt

Fremde Wasser ist ein Krimi der gleichzeitig unterhält und zu Nachdenken anregt. In seinen zumeist einfachen, kurzen Sätzen findet der Autor einen modernen Ton anspruchsvoller Literatur. Schorlau geht sogar soweit, die Kräfte der freien Marktwirtschaft grundsätzlich in Frage zu stellen: Sind die selbstregulierenden Kräfte des Marktes wirklich gut für den Menschen oder ist staatliche Kontrolle unumgänglich, wenn es sich um den Umgang mit dem Grundelement Wasser handelt?

Von Schorlau darf man auch in Zukunft noch einiges erwarten. Darf man von ihm auch erwarten, dass er bei folgenden Romanen auf einige »Fremdkörper« verzichtet? Das Kochen und die Auswahl eines guten italienischen Weines darf doch gerne weiterhin Signora Brunetti übernehmen – oder in einem Kochbuch nachgelesen werden. Für Vergewaltigungsszenen braucht ein David Peace auch nicht unbedingt zitiert werden. Es ehrt den Autor, dass er im Nachwort solche Quellen nennt. Leider gibt es aber diese wenigen Stellen, die nicht in den Erzählkontext zu passen scheinen. Dort, wo Schorlau diese Elemente einbaut, verliert der Roman an Authentizität. Authentizität, die der Autor unnötig aus der Hand gegeben hat.

Thomas Kürten, Januar 2007

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Parizifal zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 17.06.2010
Schorlaus Roman ist ein Edelstück von Krimi. Auch wenn mir das Thema "Wasser" und "Privatisierung" von der Bürgerinitiative Wassertisch und der linken Diskussion um die Privatisierung des Wassers in Berlin bekannt sind, hat Schorlau einen packenden Krimi aus dem Stoff gemacht. So kann es hinter den Kulissen zugehen - diesen Eindruck vermittelt Schorlau bestens. Ich vermißte zum Schluss, eine bessere Darstellung Denglers. Am Ende des Romans steht er ein bißchen da wie ein Depp. Dies hat mir nicht gefallen, aber das ist meine Meinung. Der Roman ist trotzdem ein kleines Meisterwerk.
Sebastian Haffke zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 16.03.2010
Ein gutes Buch, von einem Autor dessen Stil ich mag und an dem mir die politsichen Botschaften nicht auf den Geist gehen. Er lässt dem Leser seinen eigenen Interpretationsspielraum. In diesem Buch gelingen auch die Hauptfiguren besser und ich finde es eher angenehm, dass er sich nichtwie viele Krimiautoren zu lange mit den Figuren um den Ermittler herum beschäftigt, sondern auf das Wesentliche konzentriert.
Mistie zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 10.08.2009
Hallo Feisti1706,

Danke für deinen Kommentar doch gab's da nicht einen kleine Irrtum:

"Das amüsante kurze Zwischenspiel mit Berndorf fand ich super. Der Autor der Berndorf-Krimis, Ulrich Ritzel, wird es gemocht haben."

So viel ich weiss veröffentlicht Michael Preute seine Romane unter dem Namen Jacques Berndorf
Feisti1706 zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 05.08.2009
Toller Krimi. Ich habedie ersten drei Romane der Dengler-Reihe förmlich verschlungen, lese bereits den vierten und kann den fünften gar nicht erwarten.
Kurzweilig geschrieben und ohne unnötige Schnörkel versehen. So muss es sein.
Das amüsante kurze Zwischenspiel mit Berndorf fand ich super. Der Autor der Berndorf-Krimis, Ulrich Ritzel, wird es gemocht haben.

ABSOLUT LESENSWERT MIT TIEFEN EINBLICKEN IN DIE POLITIK UND WITSCHAFT.
Kinsey zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 17.02.2009
Wasser – der Rohstoff, um den sich in Zukunft alle Welt reißen wird. Damit hat sich Schorlau diesmal einem brisanten wirtschaftspolitischen Thema zugewandt, das weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit behandelt wird. Gekonnt vermengt er dabei Wahrheit und Fiktion zu einer wirklich spannenden Krimihandlung mit jeder Menge Sozial- und Gesellschaftskritik und bietet so nebenbei einen Crash-Kurs in Sachen Wirtschaftstheorien. Sehr gelungen sind auch die Charakterisierungen seiner Figuren, allen voran Stefan C. Commschröder. Auch wenn er die Vergewaltigungsszene von David Peace „geklaut“ haben soll (s.o.) – mich hat sie vor allem deswegen so beeindruckt, weil ich das vermutlich ähnlich formuliert hätte: Kurze Sätze. Staccato. Völlig emotionslos. Und damit umso wirkungsvoller.
Chelsea zu »Wolfgang Schorlau: Fremde Wasser« 24.08.2007
Das ist der 3. Fall für Privatdetektiv Georg Dengler, der früher fürs BKA gearbeitet hat. Wieder ist es Schorlau gelungen, einen spannenden Krimiplot in aktuelles politisches Geschehen einzubetten.

Ich finde Schorlau sprachlich sehr gut und den von ihm erschaffenen Georg Dengler mag ich einfach sehr gerne. Ein interessanter Typ. Das Thema" Wasserversorgung" ist ausgezeichnet gewählt und all die Fakten, die ich zwar schon vorher kannte, aber nicht bewußt zur Kenntnis genommen habe, machten mich beim lesen schon recht nachdenklich.

Sehr gute deutsche Krimikost.
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