Die schützende Hand von Wolfgang Schorlau

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Kiepenheuer & Witsch.
Folge 8 der Georg-Dengler-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2015. ISBN: 978-3-462-04666-3. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2015. Gesprochen von Frank Arnold . ungekürzte Ausgabe. ISBN: 3839814871.

'Die schützende Hand' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein hochbrisanter Dengler-Krimi vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie, der Schlagzeilen machen wird Die Sicherheitsbehörden ermitteln nicht gegen die Täter, sondern gegen das Umfeld der Opfer der NSU-Mordserie, Akten werden geschreddert, der Verfassungsschutz hat überall seine Finger im Spiel … Was, wenn das kein bloßes Behördenversagen ist? Wer hält seine schützende Hand über die Mörder? Dieser Kriminalroman ist ein Ereignis und beschäftigt schon vor seinem Erscheinen Medien und Politik. Wolfgang Schorlau, bekannt für seine brisanten, exzellent recherchierten Krimis, greift den Fall auf, der im gerade noch laufenden Prozess gegen Beate Zschäpe und Mitangeklagte verhandelt wird, und er stellt die entscheidenden Fragen. Die Ergebnisse seiner Recherche sind spektakulär. »Wer erschoss Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?«, fragt ein unbekannter Anrufer. Georg Dengler muss an einen seiner ersten Fälle als Privatermittler denken, nachdem Dr. Müller, sein Chef beim Bundeskriminalamt, und Mike Nopper, sein Gegenspieler beim hessischen Verfassungsschutz, ihn aus dem BKA gedrängt hatten. Damals, 2004 nach dem Nagelbombenanschlag in Köln. Der Buchhändler Tufan hatte ihn damals beauftragt. Sein Laden war bei dem Attentat zerstört worden, und trotzdem wollte ihm die Polizei die Tat anhängen. Dengler konnte ihm nicht helfen. Als er erfährt, dass Nopper nun stellvertretender Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes ist, taucht er tief in den NSU-Komplex und das Netzwerk von Staatsschützern und Neofaschisten ein. So tief, dass er nicht bemerkt, dass die Drahtzieher ihn selbst ins Visier genommen haben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Jenseits der Rechtsstaatlichkeit« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Vor einigen Wochen veröffentlichte Greenpeace NL große Teile der amerikanischen Verhandlungsposition zum TTIP-Abkommen. Die Dokumente bestätigten, ja übertrafen alles, was TTIP-Gegner seit Jahr und Tag an dem Abkommen kritisier(t)en. Selbst die deutschen Qualitätsmedien, die von Anfang an die Werbetrommel für TTIP rührten, mussten eingestehen, dass hier etwas ganz außerordentlich schiefläuft. Die Bundeskanzlerin ließ am Tag der Greenpeace-Veröffentlichung über ihren Regierungssprecher verkünden, dass sie an TTIP festhalte und es schnell zu Ende verhandelt werden müsse. Eine Position, die sie Arm in Arm mit dem amerikanischen Präsidenten wenige Tage zuvor bei der Eröffnung der Cebit-Messe geäußert hatte. Man wundert sich und fragt: Warum macht die Frau das? Man kann von Frau Merkel halten was man will, aber Dummheit wird ihr keiner unterstellen. Diese und andere nicht nachvollziehbare Entscheidungen führen nicht nur sogenannte Verschwörungstheoretiker, sondern auch immer mehr besorgte Bürger zu der Frage: Sind die Bundeskanzlerin und ihre Minister überhaupt souverän in ihren Entscheidungen?

In Die schützende Hand geht es nun nicht um das TTIP, sondern um die NSU-Verbrechen, speziell um den mutmaßlichen »erweiterten Selbstmord« von Mundlos und Böhnhardt. In einer Nebenhandlung beschäftigt sich Wolfgang Schorlau auch mit der Frage nach der bundesdeutschen Souveränität. Während der Recherchen zum vorliegenden Roman hat er festgestellt, dass es um die Eigenständigkeit der BRD nicht gut bestellt ist. In einem Nachwort schreibt der Autor:

» …wie wenig souverän und wie sehr fremdbestimmt das Land ist, in dem ich lebe.«

Dazu gibt es dann eine schelmische Anekdote über den Stellenwert des amerikanischen Botschafters in Deutschland, die darin gipfelt, dass dieser Merkel und Schäuble in zehn Minuten klarmacht, wer in diesem Land das Sagen hat. Mit dieser kleinen, scheinbar nebensächlichen Episode will Schorlau verdeutlichen, dass man gravierende Entscheidungen und Ereignisse nie isoliert betrachten darf.

Am 4.11.2011 starben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt; Beate Zschäpe wurde am selben Tag verhaftet. Seit dieser Zeit versucht die Bundesanwaltschaft als oberste Strafverfolgungsinstanz der Bundesrepublik, das Trio als Einzeltäter für alle (insgesamt 27) Straftaten verantwortlich zu machen. In bisher elf Untersuchungsausschüssen in Bundestag und Landtagen sind erhebliche Zweifel an dieser Theorie dokumentiert worden. Der massive Einsatz von V-Leuten im rechtsextremen Umfeld des Trios stellt die Verbindung zu den deutschen Geheimdiensten her. Von denen ist es ja nicht mehr weit zu deren amerikanischen Kollegen, die das Land unkontrolliert und ungestraft ausspionieren dürfen.

Wolfgang Schorlau hat sich für den achten Fall seines Privatermittlers Georg Dengler mächtig ins Zeug geworfen. Seine umfangreichen Recherchen zu den Themen Rechtsterrorismus, NSU-Morde, speziell zum Komplex Mord/Selbstmord von Mundlos/Böhnhardt sind innerhalb des Textes und in einem Anhang größtenteils wiedergegeben. Quellennachweise, Abschriften von Dokumenten, wörtliche und schriftliche Zitate und sogar Tatortfotos unterfüttern eine Version des Tathergangs, die der Autor nicht für die wahre, aber für die wahrscheinlichere hält. Anhand des umfangreichen Materials können wir Leser uns selbst ein Bild machen und zu einem eigenen Urteil gelangen. Folgen wir also den Spuren von Georg Dengler.

Privatdetektiv und Ex-BKA-Zielfahnder Georg Dengler ist mal wieder knapp bei Kasse, hat sogar beträchtliche Mietschulden bei seiner reizenden Vermieterin. Wie es in Romanen nun mal so ist, muss er jetzt nicht zum Jobcenter und Hartz4 beantragen, sondern bekommt rettende Post. Zuerst erreicht ihn ein Einweg-Handy, dann folgt ein Briefumschlag mit 15.000 Euro in druckfrischen Fünfzigern. Als er abends in der Kneipe mit Freunden den unerwarteten Geldsegen feiert, rührt sich das Handy. Eine elektronisch verzerrte Stimme outet sich als Geldgeber und beauftragt Dengler, den »Mord« an den beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aufzuklären.

Dengler informiert seine Freunde über das kurze Telefonat. Als das Wort »Mord« fällt, löst es allgemeine Verwunderung im Freundeskreis aus, da alle eigentlich nur die offizielle Version des Tathergangs kennen: Nach einem Überfall auf die Sparkasse Eisenach und ihrer Flucht auf Fahrrädern seien die beiden Terroristen in ihrem Wohnmobil im Eisenacher Stadtteil Stregda von einer Polizeistreife entdeckt worden. Dann sei etwas passiert, dass einer Berliner Kriminologe später eine »Spontane De-Radikalisierung« nennen wird: angesichts der Übermacht von zwei Streifenbeamten hätten sich die beiden zu einem erweiterten Selbstmord entschieden. Mundlos erschoss Böhnhardt, legte im Wohnmobil Feuer und erschoss sich dann selbst.

Denglers Freunde diskutieren noch lange, sind an einer Mitarbeit interessiert. Auftrag ist Auftrag, und 15 Mille sind viel Geld  denkt sich Dengler, obwohl ihm bei der Sache nicht ganz geheuer ist.

Auch Jahre nach seinem Abschied vom BKA hat Dengler noch gute Kontakte dorthin und zu anderen übergeordneten Dienststellen und als Privatdetektiv verfügt er über ein breites Netz von Informanten. Schnell hat er genügend Material zusammengetragen, um eine Einschätzung abzugeben. Auf einen ersten flüchtigen Blick sieht es tatsächlich so aus, als ob die offizielle Version des Tathergangs stimmen könnte. Doch dann stößt er auf immer mehr Ungereimtheiten, Auslassungen und Falschaussagen. Sein abschließendes Urteil ist vernichtend.

Hätte es ein Krimiautor je gewagt, seinen Lesern einen solch hahnebüchenen Plot unterzuschieben, die meisten hätten den Roman wohl wutentbrannt in die Ecke gepfeffert. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse im Todesfall Mundlos/Böhnhardt gleichen einer Farce und sind, wie mittlerweile hinlänglich bekannt, kein Einzelfall. Die Fehlleistungen betreffen den gesamten NSU-Komplex und der Verdacht drängt sich auf, dass Methode dahintersteckt. Es gibt in der deutschen Nachkriegsgeschichte genügend Beispiele dafür, dass Bundesbehörden vor rechtsextremen Auswüchsen grob fahrlässig die Augen verschlossen. Wenn wundert´s, wenn schon die Erstbesetzung des BKA in den 1950er Jahren aus ehemaligen NSDAP-, SS- oder SA-Mitgliedern bestand.

Wolfgang Schorlaus Die schützende Hand ist ein spannender und gleichzeitig bedrückender Kriminalroman über eine nicht heilen wollende Schwäre deutscher Geschichte. Er sollte Pflichtlektüre nicht nur für Krimileser, sondern für jeden gutgläubigen Bürger sein. Die Wahrheit ist selten offensichtlich; man muss sie suchen.

Jürgen Priester, Juli 2016

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Nina zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 19.03.2017
An den renzensenten: Frau Zschäpe wurde erstens nicht verhaftet und zweitens schon gar nicht am 4.11Sie stellte sich am 8.11 in begleitung ihres Anwaltes der Polizei. Wenn dann sollte man schon die korrekten Daten anführen. Das mit den 300 Zeichen find ich darüber hinaus Quatsch , deshalb dieser Satz damit 300 zu Stande kommen.
walli007 zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 17.01.2016
Wahrheit

Der Privatdetektiv Georg Dengler bekommt zunächst ein Mobiltelefon, das nur einmal benutzt werden soll. Als nächstes erhält er einen Umschlag mit Geld, gerade so viel, dass er einen Teil seiner Schulden tilgen kann. Und dann kommt der Anruf, er solle doch die Todesumstände der Terroristen Mundlos und Bönhardt überprüfen. Was ist das denn für eine dämliche Frage, jeder weiß doch, was passiert ist. Trotzdem beginnt Dengler, sich die Informationen zu beschaffen, an die er so herankommen kann. Und er findet Ungereimtheiten, und er schreibt einen ersten Bericht. Als er jedoch seiner Freundin Olga von seinem Auftrag erzählt, ist diese entsetzt, er will doch nicht diese Täter zu Opfern machen? Olga haut ab und Dengler ist völlig von der Rolle. Dennoch bohrt er weiter.

Auch wenn man nicht alle Teile dieser hiermit acht Bände umfassenden Reihe kennt, kann man diesen Thriller mit großer Spannung lesen. Dengler ermittelt quasi nach, was die Polizei doch festgestellt haben sollte. Wieso kommt er zu ganz anderen Ergebnissen? Soll diesen Ausgesteuerten der Gesellschaft tatsächlich etwas untergeschoben werden? Verspricht sich die Überlebende etwas von ihrem Schweigen oder wurde ihr etwas versprochen? Gibt es auch in Deutschland eine Lizenz zum Töten? Wird die Öffentlichkeit, die negativen politischen Randerscheinungen, gar die Polizei und die Politik fremdgesteuert? Wacht der große Bruder, der hier über dem großen Teich zu suchen ist, immer noch über alles?

Einen großen Teil der Grundlage zu diesem Roman bilden Berichte und Recherchen zu den tatsächlichen Ereignissen. Auch wenn, wie der Autor betont, Lücken mit Fiktion gefüllt werden, entsteht doch ein Bild, dass einen nicht gerade mit Freude auf diesen unseren Staat blicken lässt. Werden Unruhen geschürt, um bestimmte politische Ziele verfolgen zu können. Und wenn die vermeintlichen Täter exekutiert wurden, waren sie dann überhaupt die Täter. Wer steckt noch mit drin und wieso nur so laxe Ermittlungen von Ermittlern, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Sollte man den Behörden nicht vertrauen können? Ein Spiel scheint diese Gesellschaft zu spielen, bei dem grundsätzlich alle mitmachen und auch mitmachen müssen, sonst kann die Gesellschaft nur zerbrechen. Doch was, wenn die Behörden sich nicht mehr an die Regeln halten. Wenn Ziele verfolgt werden, die von Innen oder von Außen vorgegeben werden.

Ein Buch, das eindeutig klarmacht, dass man die vorhandenen Tatsachen auch anders interpretieren kann, dass überhaupt nicht immer alles so sein muss, wie man es vorgegaukelt bekommt. Fehler, die man als Laie nicht bemerkt, Halbwahrheiten, die man glaubt, weil man dem Berichterstatter aufgrund dessen Position vertraut. Eigentlich haarsträubend, aber mega-spannend und sehr nachdenklich machend.
G. Grigo zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 09.12.2015
Eine Wucht von einem Buch. Brisant, so aktuell wie kein zweites, spannend, gut erzählt, sauber recherchiert und natürlich erschütternd, wenn man aus dem Buch auftaucht und feststellt: Fiktion und Wirklichkeit sind unentwirrbar miteinander verbunden. Eine Pflichtlektüre für jede/n und ob der ungewöhnlichen Aktualität - heute hat Zschäpe "ausgesagt" - DAS Weihnachtsgeschenk schlechthin.
Wer das Rätsel des NSU verstehen will, wirdhier äusserst unterhaltsam bestens bedient. Dazu passend: "Die Anstalt" vom 17. November 2015
http://youtu.be/yxMQzSFOeag
manni zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 30.11.2015
Der interessante Mix aus facts & fiction ergibt einen spannenden, teilweise aufrüttelnden siebten Dengler Fall. Ich fand die Mixtur sehr gelungen, das Thema toll recherchiert (Anhang!) und überhaupt schreibt Schorlau konzentrierter und das Private stimmt auch.
Gute Unterhaltung, wo auch nachgedacht werden darf. 80°
Tommi aus Randbrand zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 25.11.2015
Um es vorweg zu nehmen:Das Buch ist sehr schlecht! Und das aus folgenden Gründen:
Die Mischung aus "Sachbuch" und "Roman" bietet sich dann an, wenn man weder für das eine, noch für das andere genug in der Hinterhand hat.So ist das unübersehbar auch hier. Was das Buch als Roman betrifft, ist es vielleicht für Tatort- und Soko Wasweißich- Gucker interessant. Als etwas anspruchsvollerer Leser hingegen stellt man sich jedoch schon die Frage, wie es sein kann, dass es 90 Jahre nach Dashiell Hammetts Erfolgen immer noch Autoren geben kann, die mit derartig uneleganten Plots jemanden hinterm Ofen hervorlocken können. Es ist eben ein typischer Serienroman nach Baukastenprinzip, dem man ein brisantes Thema übergestülpt hat, zu dem man -vermeintlich- etwas zu sagen hat.Leider hat Schorlau jedoch zu diesem Thema nichts zu sagen. Seine Grundthese ist nach 4 Jahren "NSU"-Rätselraten eben so abgedroschen wie unspektakulär: Nämlich dass "der Staat" da irgendwie mit drin hängt. Hiermit kolportiert er lediglich das links-ideologische Dogma vom "faschistischen Staat" und lässt ebenso wie alle, die ihm ideologisch nahe stehen außer Acht, dass "der Staat" doch selbst längst von ihresgleichen bis in die kleinste Verästelung durchdrungen ist. Und zwar sowohl ideologisch als auch personell (und wohl ebenso kulturell). Und deshalb verwundert es auch nicht, dass Schorlau auf keiner Zeile die tatsächliche Existenz eines "NSU", die auch in dem mittlerweile seit Jahren währenden Schauprozess niemals ansatzweise bewiesen wurde, infrage stellt. Eine Entlastung der "rechten Gefahr" kommt für ihn offensichtlich aus ideologischen Gründen nicht in Betracht, selbst dann nicht, wenn sie sein Buch wesentlich spannender gemacht hätte.Handwerklich hat er ebenfalls nicht verstanden, dass man beim Verwenden realer Personen in Romanen die Figur mit der Person aufgrund der Begrenzheit des abgebildeten Roman-Kosmos niemals identisch sein kann, von der grundsätzlichen Respektlosigkeit gegenüber lebenden und toten Personen einmal ganz abgesehen.
Alles in allem bietet der Roman nichts. Das wahre Leben ist diesbezüglich wesentlich spannender und so ist es auch sinnvoller, sich gleich mit dem Fall direkt zu beschäftigen. Und wenn man einen guten Roman sucht, wird man auf dieser Seite hier sicherlich fündig werden, auch ohne seine Zeit mit der "schützenden Hand" zu verplempern.
Novalis zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 23.11.2015
Ein Buch das zum (Nach)denken anregt. Die Verstrickung zwischen Tatsachen und Fiction ist geschickt gewählt. So sehr einem der braune Terror abstoßt, so sehr muß über der Zweifel, an der Unschuld oder gezielte Schuld des Staates nachgedacht werden. Heldentum egal welcher Richtung wird hier nicht gesucht. Es ist vielmehr Aufklärung über Dinge des Staates als auch über die brutalen Morde der NSU und ihrer Gesinnungsgenossen zu sehen.
Spannend aber auch schon nahezu dokumentarisch zu lesen und ebenso dank guter Hinweise im Internet nach zu lesen.
KlausChrist zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 20.11.2015
Ich habe alle "Denglers" von Wolfgang Schorlau gelesen, fand sie alle gut, manche sehr gut. Immer wohl sehr gut recherchiert, die gesellschaftspolitischen Hintergründe in meist mehr, manchmal weniger spannende Thriller kritisch eingebunden. Nun "die schützende Hand": HÖCHSTBRISANT!!
Eigentlich war mir schon vorher klar, dass die merkwürdige/bemerkenswerte Verstrickung Naziszene-Geheimdienste-Polizei nicht nur mit Unfähigkeit/Pfusch zu erklären ist, sondern dass da wohl sehr viel geplant war/ist. Alle Fakten dieses Kuddelmuddels in eine wohl valide Theorie (ich schreibe nicht "Verschwörungs"-Theorie - da hab ich was gelernt) zu fassen ist eine reife Leistung - Hut ab! Außerdem ist das Ganze echt spannend: Die Spannung, der "Thrill" entsteht hier allerdings weniger aus der Handlung, sondern aus den Ergebnissen der Recherche, und die sind - gelinde gesagt - beunruhigend.
Ich bin also beeindruckt, obwohl ich eigentlich eher ein Unterhaltungs-/Erholungs-Leser bin und "die schützende Hand" eigentlich nicht "mein" Stil ist.
Unbedingt lesenswert, aber kein leichter Stoff, nix zur Erholung - und schon überhaupt nix zu Lachen.
Edith Sprunck zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 20.11.2015
Ein tiefgründiger, überwältigender Krimi, der schockiert, aufrüttelt, Fassungslosigkeit und Ohnmachtsgefühle hinterlässt. Es ist kein Krimi, den man mal eben einfach so zum angenehmen Zeitvertreib Seite um Seite herunter liest. Dieses Buch zu lesen bedeutet Arbeit, mental und emotional. Erleichtert wird diese "Arbeit" durch eine ausgezeichnet gelungene Strukturierung des Buches. Im Kern des Geschehens geht es um die NSU-Mordserie, wobei Detektiv Georg Dengler von einem ihm Unbekannten telefonisch den Auftrag erhält zu ermitteln, wer die Nazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschoss. Bei der Ermittlung in diesem Fall bedient sich Wolfgang Schorlau/Georg Dengler umfassender realer Dokumente, inklusive abgedruckten Bildmaterials. Dabei schneiden die staatlichen Organe nicht gut ab -sehr gelinde ausgedrückt. Immer wieder erhebt sich die Frage, inwieweit diese Organe Verbrecher nicht nur schützen, sondern sie selbst rekrutieren und bei Bedarf für ihre Vernichtung sorgen. Die Handlung schwebt ständig zwischen Fiktion und Realität, deren Verknüpfung bestens gelungen ist. Für Auflockerung sorgen am Rande die Freunde Denglers -aus früheren Büchern der Serie bestens bekannt- insbesondere seine Gefährtin Olga. Olga bedarf der besonderen Erwähnung. Sie ist eine schillernde Persönlichkeit, eine außergewöhnliche Frau mit sehr wachem Verstand und einem Hauch von Verruchtheit. Man muss sie -trotz oder vielleicht auch wegen ihrer kriminellen Energien-einfach mögen. Sollte man die vorherigen Bücher um Georg Dengler nicht kennen, schadet dies in diesem Falle dem Verständnis des Krimis sicherlich nicht.
"Die schützende Hand" ist ein Stück brisanter, hoch aktueller Zeitgeschichte, spannend eingebettet in einen besonderen Krimi. Das Zitat der Frankfurter Rundschau, das auf der Rückseite des Umschlages zu lesen ist, kann ich voll unterstreichen. Es bezieht sich nicht nur auf diesen Schorlau-Krimi, trifft bei ihm den Nagel aber voll auf den Kopf und lautet: "Immens politische, hervorragend recherchierte Krimis. Spannend, voll im Leben, alles Fiktion, alles wahr!"
klaus-dieter zu »Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand« 17.11.2015
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ein typischer Schorlau. Höchst aktuell und es schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Da muss man mal abwarten, denn der Fall ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Ein wahres Lesevergnügen, das leider zu schnell zu Ende ist. Erstaunlich wie Schorlau Realität und Fiktion zu einem Thriller zusammen bringen kann, ohne sich lächerlich oder strafbar zu machen, weil er vielleicht Persönlichkeitsrechte verletzt.
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